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Kultur

Parsberg: Kunst verbreitet Heiterkeit

Matthias Schlüter stellt in der Galerie in der Stadtmitte Objekte und Malerei aus. Im Mittelpunkt steht ein Möbelstück.
Von Peter Tost

Matthias Schlüter macht aus einem Möbelstück ein Kunstobjekt. Fotos: Tost
Matthias Schlüter macht aus einem Möbelstück ein Kunstobjekt. Fotos: Tost

Parsberg.„Der Platz hier ist wunderbar“, sagt Matthias Schlüter. Immer wieder verirrten sich Passanten in die Galerie in der Parsberger Stadtmitte. Noch bis 17. Juni zeigt der Künstler dort eine Auswahl von Malerei und Objekten. Die Idee der Kunstgilde, im Herzen Parsbergs für ein paar Monate eine Galerie zu eröffnen, findet Matthias Schlüter genial.

Matthias Schlüter erklärt im Video seine Ausstellung.

„Oft hindert die Menschen ja die Schwellenangst, eine Kunstgalerie zu betreten“, weiß er aus langjähriger Erfahrung. Kunst und Künstler würden nicht selten als etwas Fremdartiges betrachtet. „Das klassische Vorurteil lautet so: Der Künstler schläft bis Mittag, hat dann einen genialen Einfall, macht drei Striche – und bekommt 10 000 Euro dafür“, sagt Matthias Schlüter.

Tatsächlich müsse ein Künstler hart arbeiten und ständig darum ringen, sein Werk möglichst nah an die Perfektion zu bringen. Auch bei ihm sei das so. „Im Prinzip verhält es sich mit der Arbeit eines Künstlers wie mit dem Leben. Es ist oft ein Kampf, der einen auch nervös machen kann, weil immer auch ein Scheitern möglich ist.“

Nichtsdestotrotz sehe er sich selbst als einen glücklichen Menschen: „Als Künstler kann ich mit ganz einfachen Mitteln etwas schaffen.“ Bei ihm seien das von Kindesbeinen an die Stifte gewesen, erzählt der 1952 in Berlin geborene Schlüter. „Ich habe mit vier Jahren mit dem Zeichnen angefangen – und seitdem nie wieder den Stift losgelassen“, schmunzelt er.

In Berlin studiert

Matthias Schlüter hat sein Thema auch in großformatigen Bildern verarbeitet – hier mit Acrylfarben. Das Bild misst rund 1,20 auf 1,60 Meter.
Matthias Schlüter hat sein Thema auch in großformatigen Bildern verarbeitet – hier mit Acrylfarben. Das Bild misst rund 1,20 auf 1,60 Meter.

Da die Begeisterung für das Zeichnen und Malen anhielt, studierte er von 1974 bis 1980 freie Malerei und Grafik bei Gerhart Bergmann an der Hochschule der Künste Berlin, der heutigen Universität der Künste (UdK), Berlin. „In den folgenden Jahren war ich freischaffend in den Feldern Malerei, Zeichnung und Lithographie tätig, reiste in Europa, Afrika, Nord- und Südamerika und Asien und reflektierte meine dabei gewonnenen Eindrücke in Ausstellungen.“

1991 wurde er mit dem Kunstpreis der Stadt Ingolstadt ausgezeichnet. Es folgte 1995 ein Lithographie-Stipendium der Städtischen Galerie Wolfsburg. Im selben Jahr eröffnete er sein Atelier in Regensburg. Er schuf Projekte und Kunst im öffentlichen Raum – unter anderem in Regensburg und Ingolstadt – und rief 2003 zusammen mit Hanni Goldhardt die internationale Ausstellung „Licht Raum Europa“ und 2011 das internationale Symposium „Grenzenlos“ in Ingolstadt ins Leben.

Bei der Grafik-Serie mit dem Titel „Stühle im Raum“ aus dem Jahr 2014 hat Matthias Schlüter Farbstifte oder Farbkreiden für die Arbeit benutzt.
Bei der Grafik-Serie mit dem Titel „Stühle im Raum“ aus dem Jahr 2014 hat Matthias Schlüter Farbstifte oder Farbkreiden für die Arbeit benutzt.

Sein Atelier befindet sich seit 2018 in Beratzhausen, während er weiterhin in Dietfurt wohnt. Dass zwischen Arbeitsplatz und Wohnort getrennt sind, handhabe er schon seit 25 Jahren so, wie er erzählt. Der Grund: „Sonst besteht die Gefahr, dass ich mich hauptsächlich im Atelier aufhalte und arbeite – was nicht besonders familienfreundlich wäre.“

Der Titel seiner Ausstellung in der Galerie in der Stadtmitte, die mittwochs, freitags und am Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet hat, lautet schlicht und einfach „Stühle“. So dreht sich beim ihm auch alles um diese Sitzgelegenheiten. „Ursprünglich hatte ich in den 1980er Jahren damit begonnen, mich mit Stelen zu beschäftigen“, erinnert er sich. Darunter versteht man seit der griechischen Antike einen hohen freistehenden Pfeiler, der oft als Grabmal oder auch als Inschriften- oder Grenzstein diente.

„Meine Skulpturen in Stelenform waren damals alle 1,80 Meter groß, so groß wie ich“, verrät Matthias Schlüter. Irgendwann seien daraus dann Stühle geworden – und auch die haben eine Höhe von 1,80 Metern. Dass sie dabei stark in die Länge gezogen werden, hat natürlich auch etwas Ironisches an sich, das den meisten Betrachtern spontan ein Lächeln auf das Gesicht zaubere, sagt der Künstler. „Jeder erkennt sofort, dass es sich um einen Stuhl handelt, allerdings um einen, der nicht genutzt werden kann.“

Mit einem Augenzwinkern

Das Thema Stühle beschäftigt den Künstler Matthias Schlüter auch bei seinen Gemälden und Grafiken, wie Besucher der Ausstellung sehen können.
Das Thema Stühle beschäftigt den Künstler Matthias Schlüter auch bei seinen Gemälden und Grafiken, wie Besucher der Ausstellung sehen können.

Schlüter ist es wichtig zu zeigen, dass Kunst nicht grundsätzlich ernst sein muss, sondern auch heiter und augenzwinkernd daherkommen kann – und die Leute zum Schmunzeln bringen kann. „Das Schlimmste ist meinen Augen, wenn die Leute überhaupt nicht auf ein Kunstwerk reagieren“, betont er. Mit der Resonanz auf seine Ausstellung in der Galerie in der Stadtmitte ist der Künstler durchaus zufrieden. „Es kommen immer wieder Leute auf einen Sprung herein. Das gefällt mir, denn ich möchte als Künstler ein Teil der Gesellschaft sein.“

Ein besonderes Angebot macht Matthias Schlüter am Mittwoch, 13.Juni von 19 bis 21 Uhr. Dann erzählt er von seiner Reise durch Südafrika im Februar dieses Jahres. Anstatt mit den üblichen Fotos wird er seinen Reisebericht mit Zeichnungen aus seinem Skizzenbuch illustrieren.

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