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Dienstag, 25. September 2018 14° 1

Kultur

Parsberger Burgspiele feierten Premiere

Das Ensemble entführte das Publikum nach Venedig. Ein ungeplantes Glockengeläut sorgte für einen Sonderapplaus.
Von Vera Gabler

Volpone „liegt im Sterben“: Die Erbschleicher hoffen, ihren Namen im Testament vorzufinden.  Fotos: Gabler
Volpone „liegt im Sterben“: Die Erbschleicher hoffen, ihren Namen im Testament vorzufinden. Fotos: Gabler

Parsberg.„Das Geld, das Geld vernarrt die Welt. Ein Narr, der Geld für sich behält.“ Mit diesen Worten hat Mihriban (Mimi) Aggül als Diener Mosca das diesjährige Burgspielstück „Volpone“ eröffnet. Vorher hatte Parsbergs Bürgermeister Josef Bauer die Premierengäste begrüßt und die Bühne im Burggarten frei gegeben. Wenngleich die Hauptrolle des Volpone von Florian Reisinger gespielt wurde, so war es doch Mimi Aggül in der Rolle des Diener Mosca, die am Ende den meisten Applaus bekam. Kein Wunder, war doch Volpones Diener derjenige, der zusammen mit seinem Herrn jeden möglichen Erben an der Nase herumführte.

Kaufmann liegt im Sterben

Das diesjährige Stück unter der Regie von Bernhard Hübl spielt in Venedig. Volpone, ein reicher venezianischer Kaufmann, liegt im Sterben. Das glauben zumindest die habgierigen Freunde, einer davon der Notar Voltore. Gespielt wird er von Simon Staudigl. Am „Sterbebett“ bezeichnet sich Voltore als der beste Freund von Volpone. Er unterstreicht diese Tatsache mit einem goldenen Krug, den er seinem Freund Volpone schenkt. „Zwei Stunden hüsteln und dünn reden und schon kriechen sie ans Krankenbett und verdrehen die Augen nach Geld“, berichtet Volpone auch seinem nächsten Freund, dem Kaufmann Corvino, der von Holger Ramburger gespielt wird. „Keinen Arzt, manchmal helfen sie ja doch“, ist dessen Befehl an den Diener Mosca. Eine ebenso überzeugende Rolle spielt Johannes Eibner als Wucherer Corbaccio, der mit dunkeltiefer Stimme prophezeit, dass er sie alle überleben wird.

Da nimmt er auch den Vorschlag des Dieners an, erst einmal seinen Sohn Leone zu enterben und dafür Volpone einzusetzen. Ebenso über Leichen geht der Kaufmann, indem er seine brave und schöne Gattin Colomba – gespielt von Christiane Bücherl – ans Sterbebett schickt. Hat der Kaufmann doch vom Diener den Hinweis bekommen, Volpone möchte noch einmal „an einem Weibe seine Kräfte proben“. Auch nicht ganz uneigennützig handelt die Kurtisane Canina (Marlène Danil-Loré), die ihren Beruf aufgeben würde, um nur noch für einen Mann, nämlich Volpone, da zu sein. Doch das listige und scheinbar gut getarnte Ränkespiel mit den Erbschleichern bleibt nicht allzu lange verborgen. Richtig ungemütlich wird es für den Diener Mosca in Anwesenheit von Leone, der nicht nur Zeuge der plötzlichen Manneskraft Volpones wird, sondern auch den venezianischen Richter (Hans Lang) auf den Plan ruft. Eine Hilfe zur Aufklärung leistet Emre Aggül als der Oberste der Sbirren. Der junge Laienschauspieler weiß zu berichten, was sich am Sterbebett zugetragen hat. Die hintersinnige Komödie über Habgier, Erbschleicherei und falsche Freunde findet dann schließlich nach knapp drei Stunden ein Ende.

Team wird vorgestellt

Bei der Premierenfeier war es der Spielleitung mit Simon Staudigl ein Anliegen, neben der Vorstellung der Laienschauspieler auch das Team mit Bühnenbauer, Maskenbildner, Requisiteuren, Bühnentechniker und Abendkassenteam vorzustellen. Eine junge dynamische Gruppe rund um den Regisseur, die zugleich auch dem Spielleiter Staudigl für dessen Engagement dankte. Was den Abend noch familiärer machte, war nicht nur die Wiedersehensfreude unter den Premierengästen, sondern auch die Tatsache, dass man bei dem ersten öffentlichen Auftritt der Laienschauspieler mitfieberte.

Dass diese ihre Kunst beherrschen, war schon nach einer halben Stunde Spielzeit bewiesen. Seit Jahren wird während der Burgspielsaison das Gebetsläuten in der St. Andreas Kirche abgestellt. Warum auch immer, bei der Premiere nun ertönten um 21 Uhr die Glocken – und das minutenlang. Während der Regisseur Hübl ein ernstes Gesicht aufsetzte, wussten die Schauspieler, die in ihrem Text unterbrochen wurden, was zu tun ist. Sie harrten in ihrer Bewegung, verstummten und wussten das Läuten abzuwarten, was mit einem Sonderapplaus quittiert wurde. Weitere Aufführungen sind noch jeweils um 20.30 Uhr am 6., 20., 21., 27. und 28. Juli. Karten gibt online über okticket oder an der Abendkasse. Im und vor dem Burgsaal wird für Bewirtung gesorgt.

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