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Pater Heyder könnte Albert Reich beerben

Umbenennung Bespitzelt, verschleppt, zum Tode verurteilt: Der Pater aus Neumarkt könnte Patron für die Albert-Reich-Straße werden.

Pater Gebhard Heyder nach seiner Befreiung im April 1945

Neumarkt. Nach jahrelanger Debatte hatten sich die Stadträte dazu entschieden, den umstrittenen Straßennamen zu tilgen. War die Verstrickung Albert Reichs in den Nationalsozialismus im Nachhinein doch als recht eindeutig erkannt worden.

Doch auch über den neuen Namensgeber gehen die Meinungen auseinander. Einig ist man sich beim Hintergrund: Ein Gegner des Nationalsozialismus soll er sein. Die Stadtverwaltung setzt sich für eine Pater-Rupert-Mayer-Straße ein, der SPD-Fraktion gefiele Josef Geiß. „Die beiden Namen sind einfach Verwaltungsvorschläge“, erläutert Stadtbaumeister Rudolf Müller-Tribbensee. Einen besonderen Grund, warum man sich auf diese beiden Namen konzentriert habe, gebe es nicht.

Anni Lang wünscht sich darüber hinaus einen engeren Bezug zu Neumarkt. „Geiß ist schon 1937 weggezogen“, sagt die frühere langjährige Vorsitzende des Historischen Vereins. „Was er in den Jahren danach gemacht hat, weiß keiner.“ Sie bringt dafür einen weiteren Namen ins Spiel: Gebhard Heyder, ein Karmelitenpater, der auf dem Mariahilfberg gegen die Nazis predigte und dafür zum Tode verurteilt wurde.

„Man sollte die Straße nach jemandem benennen, der unter den Nazis zu leiden hatte“, meint Lang. Pater Heyder wurde bespitzelt, im Juli 1944 verschleppt und in Nürnberg vor Gericht gestellt. „Der Krieg ist ein Strafgericht Gottes für die Völker und dies ist noch nicht zu Ende“, predigte Heyder. Für diese Worte wurde er angeklagt. Als er im Prozess den Nationalsozialismus als „größten Irrweg, den das Volk je gegangen ist“ bezeichnete, verurteilte ihn der Volksgerichtshof zum Tode – jedoch wurde die Strafe nie vollstreckt.

Im April 1945 wurde Heyder mit Tausenden anderen Häftlingen im sogenannten Todesmarsch nach Dachau getrieben, wo es es eine Massenhinrichtung geben sollte. Nach sechs Tagen voller Elend und Erschöpfung unterbrachen die amerikanischen Truppen den Marsch bei Landshut. Sie befreiten die 900 Überlebenden der anfangs 4000 Häftlinge – unter ihnen Pater Heyder. Im Mai 1945 kehrte er nach Neumarkt zurück. Der Vorsitzende des Historischen Vereins, Rudi Bayerl, heißt es gut, dass die Anwohner der Albert-Reich-Straße entscheiden sollen. „Wer weiß, vielleicht kommen ja noch andere Namen ins Spiel.“

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