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Kirche

Pater Thomas nimmt Abschied

Der indische Kaplan verlässt Berching nach zwölf Jahren. Im Abschiedsgespräch mit dem Tagblatt teilt er viele Erinnerungen.
von Barbara Blaser

So kannten die Berchinger Pater Thomas über viele Jahre hinweg. Jetzt heißt es Abschied nehmen. Foto: Blaser
So kannten die Berchinger Pater Thomas über viele Jahre hinweg. Jetzt heißt es Abschied nehmen. Foto: Blaser

BERCHING. Seit zwölf Jahren wirkt Kaplan Pater Thomas in der Pfarrei Berching. Im Mai verlässt er Deutschland und kehrt wieder in seine Heimat nach Indien zurück. Wenn er an das Ankommen im März 2006 denkt, dann muss er lachen.

Vom tropischen Kerala in Indien in das noch kalte Europa, mit einer Sprache, die er noch nicht beherrscht, einem Essen, das völlig anders zubereitet wird und einer Kultur, von der er vorher nichts wusste. Aber Pater Thomas ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und lebte sich sehr schnell ein.

Er stammt aus einer großen Familie mit neun Geschwistern, da ist man nicht zimperlich. Ein Bruder ist auch Priester, er lebt seit zwei Jahren in Dublin als Seelsorger. Die Eltern hatten eine Landwirtschaft und alle packten mit an, berichtet der Geistliche.

Pater Thomas ging bis zur zehnten Klasse in Kerala zur Schule und trat mit 16 Jahren bereits ins Priesterseminar ein. Er absolvierte eine zwölfjährige Ausbildung vom Noviziat über das Studium der Philosophie und Theologie bis hin zur Priesterweihe. In Indien wirkte er in der Hauptstadt von Kerala, Thiruvananthapuram.

Dieser Winter …

Gerne wollte er etwas Neues in seinem Leben erfahren. Darum packte ihn die Reiselust. Er flog nach Deutschland und für neun Monate war Eichstätt sein Zu Hause. Dort lernte er die Sprache und bekam eine Ausbildung, damit er als Seelsorger im Bistum tätig sein konnte. Berching war sein erster und einziger Einsatzort. Obwohl er der deutschen Sprache einigermaßen mächtig war, kam dann noch der Dialekt dazu.

Die Mentalität der Menschen und auch die Fremde waren nicht leicht, wie sich Pater Thomas erinnert. Der erste Winter sei bitter kalt gewesen. So etwas habe er noch nie erlebt. In seiner Heimat herrsche tropisches Klima, unter 25 Grad falle das Thermometer nie. So musste er sich erst einmal mit Pullover und Stiefel ausstatten.

Dann kam natürlich noch die ungewöhnliche Küche mit beispielsweise Schweinebraten und Knödel dazu. Dafür hatte er aber vorgesorgt und reichlich Gewürze in seinem Gepäck. Wenn er für sich kocht, gibt es indische Gerichte. Er habe aber auch Gefallen an deutschen Spezialitäten gefunden. „Schnitzel mit Pommes sind inzwischen mein Leibgericht“, sagt der indische Geistliche.

Über Deutschland und Indien

Eigentlich hat der Kaplan sich sehr schnell zu Recht gefunden in Berching. „Ich bekam viel Unterstützung von den Berchingern“, bedankt sich der Pater. „Inder sind in dieser Beziehung viel zurückhaltender.“

An Deutschland fasziniert den Inder „die Sauberkeit, Pünktlichkeit und Ordnung in Deutschland. Wenn es heißt, dass der Zug um 13.51 Uhr ankommt, dann stimmt das auch. Bei uns in Indien ist das ganz anders“.

Nach so vielen Jahren in Bayern habe er viele Freundschaften geschlossen, sagt der Geistliche, der ein großer Fan der bayerischen Traditionen ist. In all den Jahren in Deutschland habe er festgestellt, dass die Menschen hier liberaler seien. „Bei uns in Indien herrscht mehr Druck“, sagt Pater Thomas, der nach eigener Aussage mit einem lachenden und einem weinenden Herzen Deutschland verlässt.

Bei seiner Abreise werden sich auch ein paar Geschenke in seinem Koffer verbergen, wie Pater Thomas verrät. Schokolade, Pflegeprodukte und vielleicht auch etwas Wurst. Letzteres gebe es in Indien nicht.

Dank Internet werde er auch weiterhin Kontakt nach Berching halten, verspricht der Kaplan. Freundschaften sollten gepflegt werden, meint er. Er hofft aber auch auf Besuch aus Berching bei ihm in Indien. Dekan Artur Wechsler war schon dreimal mit Pater Thomas in Indien.

Am 7. Mai startet der Flieger

„Es war schon immer klar, dass ich nach etwa zehn Jahren wieder zurückkehren werde nach Indien“, sagt der Pater, der der Gemeinschaft Franz von Sales angehört und in Kerala wieder arbeiten wird. Er wird dort mit drei weiteren Patres in einer Einrichtung wohnen, in der Exerzitien, Tagungen, Seminare und Gottesdienste abgehalten werden.

Bevor jedoch am 7. Mai das Flugzeug nach Indien startet, muss der Seelsorger noch seine Wohnung ausräumen, aussortieren und Koffer packen. Das Gepäck ist aber ziemlich leicht, denn die dicken Sachen wie Pullover und Stiefel bleiben hier. Die braucht er im warmen Indien nicht mehr. Und das ist dem Inder auch ganz recht so: Denn der Winter in Deutschland werde ihm nicht fehlen, wie Pater Thomas sagt.

Abschließend bedankt er sich bei den Berchingern für die schöne Zeit und wünscht sich, dass die Menschen im Glauben festhalten. Wahrscheinlich ist es ein Abschied für immer, aber in Gedanken wird er seine zwölfjährige Zeit in Berching bestimmt immer mit sich tragen.

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