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Organisation

Pfadfinder kennen keine Vorurteile

Bei Breitenbrunn wurde Kindern muslimischen Glaubens die Pfadfinderei nähergebracht. Eine eigene Gruppe soll entstehen.
Von Andreas Friedl

Die Kinder hatten beim Schuppertag bei den Pfadfindern sichtlich Spaß. Foto: Friedl
Die Kinder hatten beim Schuppertag bei den Pfadfindern sichtlich Spaß. Foto: Friedl

Breitenbrunn.Die Pfadfinder sind eine weltweite Organisation mit etwa 45 Millionen anerkannten Mitgliedern. Hierzulande denken viele Menschen dabei an Jugendgruppen, die mit den christlichen Kirchen verbunden sind. Aber weit gefehlt, denn circa 13 Millionen Pfadfinder weltweit gehören dem muslimischen Glauben an. Um den hier in Deutschland lebenden Kindern muslimischen Glaubens die Pfadfinderei näher zu bringen und sie dafür zu interessieren, fand am vergangenen Wochenende am Zeltplatz des Verbands Christlicher Pfadfinder und Pfadfinderinnen (VCP) in Buch bei Breitenbrunn ein Schnupperwochenende statt.

30 Kinder nahmen teil

Bestens vom Kreisjugendring Neumarkt, dem Bund Moslemischer Pfadfinderinnen und Pfadfinder Deutschlands (BMPPD) und den evangelischen und katholischen Pfadfindern aus Neumarkt und Erding (VCP Siedlung Taize, VCP/PSG Stamm Nemeta) vorbereitet und unterstützt, konnten rund 30 Kinder aus der Grundschule Bräugasse Neumarkt am Samstagnachmittag schnuppern, wie es sich anfühlt, ein paar Stunden ein Pfadfinder zu sein.

Stockbrot ist ein kulinarischer Klassiker bei den Pfadfindern. Foto: Hünlich
Stockbrot ist ein kulinarischer Klassiker bei den Pfadfindern. Foto: Hünlich

David Hünlich, ehemaliger Leiter im VCP Neumarkt, unterstützt derzeit den Bund Moslemischer Pfadfinderinnen und Pfadfinder Deutschlands (BMPPD) beim Aufbau eigener Strukturen in Bayern. Für Pfadfinder gäbe es keine Grenzen aufgrund von Herkunft, Religion oder Hautfarbe, begründet der 36-Jährige das gemeinsame Engagement verschiedener Pfadfinderbünde an diesem Wochenende.

Als Unterstützerin dabei war auch die Neumarkterin Judith Rupp, die derzeit ein Studium im Sozialbereich absolviert und die Grundschule Bräugasse, in der es einen hohen Migrantenanteil gibt, als Praktikantin kennt. Sie engagiert sich selbst seit ihrer Kindheit bei den christlichen Pfadfindern und betreute an diesem Wochenende zum ersten Mal Kinder muslimischen Glaubens als Teamerin. Auf dem Programm stand ein Postenlauf mit Spielstationen, bei denen Eigenschaften wie Rücksichtnahme, Teamgeist und Zuverlässigkeit gefragt waren.

Reaktionen zum Schnupperwochenende lesen Sie hier:

Das sagen die Teilnehmer und Betreuer

  • Melisa, 8 Jahre:

    „Über diese Sache wurde ich von meiner Schule informiert. Ich bin gerne hier her gekommen. Ob ich Pfadfinderin werde, weiß ich jetzt noch nicht.“

  • Malek, 11 Jahre:

    „Mir gefällt es hier sehr gut. Mein Hobby ist eigentlich der Fußball. Daher weiß ich noch nicht genau, ob ich Pfadfinder werde.“

  • Taoufik Hartit:

    „Pfadfinder sind die größte Bewegung der Welt. Alle Pfadfinder, egal welcher Konfession oder Hautfarbe oder Sprache, haben alles das gleiche Ziel.“

Äußerst froh über die Kooperation mit den christlichen Pfadfindern in Bayern ist auch Taoufik Hartit, Gründungspräsident des BMPPD, aus Rüsselsheim in Hessen. Derzeit sei es noch ein Problem Gruppenleiter für muslimische Pfadfindergruppen in Bayern zu finden, die sich im „Tagesgeschäft“ um die Kinder und Jugendlichen kümmern. In Hessen und in anderen Bundesländern habe der BMPPD bereits mehrere Gruppen. Wichtig sei, dass die Leiter gut deutsch sprächen, damit die Integration der Gruppen in die Jugendringe vor Ort schnell gelingen könne.

Couscous und Stockbrot

Auf dem Schnupperlager in Bayern waren neben Kindern mit Wurzeln im Kosovo, in der Türkei und in Bosnien auch zehn Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien und dem Irak dabei. Wie Hartit sagt, hätten fast alle teilnehmenden „Schnupperer“ und Verantwortlichen, außer den Bürgerkriegsflüchtlingen, die deutsche Staatsangehörigkeit. Während des Aufenthalts am Zeltplatz war es schön zu sehen, wie sich die Kinder auf dem Lagerplatz vergnügten. Langeweile ließen die Pfadfinder nicht aufkommen und Ressentiments waren nicht zu spüren.

Eine gute Verpflegung von Küchenmeister Christopher Claar vom VCP sorgte dafür, dass die Kinder und Verantwortlichen einen schönen Tag hatten. Am Samstagmittag präsentierte Claar Couscous, Gemüsesticks, Kräuterquark und Fladenbrot: „Und heute Abend gibt’s unter anderem Kesselgulasch halal.“ Nach Pfadfindermanier machen sich die Kinder dazu Brot am Stock. Der Abschied zum Tagesende fiel Leitern und Kindern schwer. Wenn sich Leiterinnen und Leiter für die Kinder in Neumarkt finden, stünde der Gründung der ersten muslimischen Pfadfindergruppe in Bayern nichts im Weg.

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