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Region Neumarkt
Samstag, 21. April 2018 25° 2

Wandel

Pfarreien stellen sich neu auf

Das Bistum reagiert auf den Priestermangel. Die Veränderungen wirken sich auch auf die Gläubigen im Dekanat Neumarkt aus.
Von Bernhard Neumayer

Die Veränderungen des Bistums betreffen auch Sakramente wie die Firmung und die Erstkommunion. Fotos: Fuhrmann, Pollok

Neumarkt.Eine Pfarrei ohne eigenen Pfarrer ist für viele Gläubige undenkbar. Zahlreiche Katholiken aus kleinen Gemeinden haben eine starke Bindung zu ihrem leitenden Geistlichen im Dorf. Doch in ein paar Jahren wird nicht mehr jede Pfarrei noch einen eigenen Pfarrer haben. Dazu fehlen die Priester. Um auf die Veränderungen vorbereitet zu sein, hat das Bistum Eichstätt an Ostern 2017 seine acht Dekanate umstrukturiert.

Die Diözese formte aus den 52 Seelsorgeeinheiten 74 neue Pastoralräume. Darin werden – je nach Größe – mehrere Pfarreien zusammengefasst. Der Pastoralraum Neumarkt-West umfasst beispielsweise Pölling und Woffenbach. Gemeinden sollen laut Bistum zusammenwachsen, personelle Wechsel besser aufgefangen werden. Ein Pfarrverband besitzt nur noch einen leitenden Pfarrer. Der Rest der Geistlichen ist ihm untergeordnet. Ein Sollstellenplan, den das Bistum vor wenigen Tagen veröffentlicht hat, regelt das pastorale Personal in jedem Raum. Er beschreibt, wie viele Pfarrer, Priester, Diakone und Gemeindereferenten in Zukunft dort arbeiten sollen. Schritt für Schritt soll er umgesetzt werden.

Dekanatsreferent Christian Schrödl Foto: Regnet

Grundsätzlich wird sich an der Anzahl des Personals in den Dekanaten Neumarkt und Habsberg aber nichts ändern – wenn es keine Wechsel gibt, teilt Dekanatsreferent Christian Schrödl mit. „Doch der Plan kann schneller als gedacht Realität werden.“ Geht ein pastoraler Mitarbeiter in Ruhestand oder wechselt die Arbeitsstelle, könne es sein, dass diese Stelle nicht mehr nachbesetzt wird.

Ein Diakon für die Hofkirche?

Entscheidend ist, was der Sollstellenplan vorsieht. Ihm liegt eine Berechnung zugrunde, die anhand von fünf Kriterien durchgeführt wurde: die Anzahl der Katholiken, der Pfarrgemeinden und der Kirchenstiftungen sowie die Zahl der Einwohner und die Fläche des Gebiets.

Der Pastoralraum mit der größten Anzahl der Katholiken (9141) im Dekanat Neumarkt ist der Pfarrverband, zu dem die Hofkirche sowie Hl. Kreuz und Pelchenhofen gehören. Der Sollstellenplan sieht je eine Stelle eines Pfarrers, Priesters, Diakons und Gemeindereferenten vor. Die Realität sieht anders aus: Einen Diakon gibt es momentan nicht.

Ob die Hofkirche deshalb einen neuen Diakon bekommt, kann Pfarrer Stefan Wingen nicht sagen. „Dazu müsste erst einmal einer zur Verfügung stehen.“

Das zeigt die Grafik: Das Münster St. Johannes ist nicht der Pastoralraum mit den meisten Katholiken im Dekanat Neumarkt.

Doch an pastoralen Mitarbeitern mangelt es. Nach und nach treten immer mehr Pfarrer in den Ruhestand. Junge Geistliche sind Mangelware. „Wir haben in der Diözese Eichstätt im Durchschnitt nur drei Priesterweihen pro Jahr“, sagt der Neumarkter Dekan Artur Wechsler, der gleichzeitig auch den Pastoralraum Berching als Pfarrer leitet.

Der Neumarkter Diakon Artur Wechsler Foto: Franz Guttenberger

Aktuell ist der Berchinger Pfarrverband personell besser ausgestattet, als es der Plan vorsieht. Denn mit Ludwig Fuchs ist ein Diakon in der Pfarrei tätig, der im Plan in Zukunft nicht mehr vorgesehen ist. Verlässt er Berching, wird die Stelle laut Plan nicht mehr nachbesetzt. Aktuell steht die Stelle des Diakons Fuchs aber nicht zur Debatte. Sie wurde bereits vor der Umstrukturierung besetzt. Deshalb muss er auch nicht um seinen Job bangen. „Es wird keine Kündigungen aufgrund des Plans geben“, sagt Dekanatsreferent Schrödl.

Zukünftig weniger Gottesdienste

Er spürt in seinen Gesprächen mit Gläubigen deren Unsicherheiten aufgrund der Veränderungen. Diese sind wegen des Priestermangels nicht unbegründet. „Wir werden die hohe Zahl an Gottesdiensten im Dekanat nicht erhalten können“, prognostiziert Schrödl. Doch das ist Zukunftsmusik. Aktuell ändert sich grundsätzlich nichts.

Im Pfarrverband Berg hat der Sollstellenplan aber schon gegriffen. Vergangenes Jahr waren zwei gleichwertige Pfarrer unabhängig voneinander für die Gemeinden zuständig: Pfarrer Martin Fuchs für Berg und Hausheim, Pfarrer Hans Reicherzer für Gnadenberg, Sindlbach und Stöckelsberg. Der Plan sieht für den Pastoralraum einen leitenden Pfarrer und einen mitarbeitenden Priester vor. Als es Reicherzer im September ins Frankenland zog, wurde Fuchs der Chef der fünf Pfarreien.

„Der Bischof in Eichstätt kann ja keine Priester aus dem Hut zaubern.“

Dekan Elmar Spöttle

Änderungen für Gläubige sind laut Fuchs unter anderem die gemeinsame Feier der Erstkommunion und ein Kirchenzettel, der alle Pfarreien umfasst.

Vor allem in kleineren Pfarreien werden Feiern wie Erstkommunionen, Firmungen oder Ehejubilare in Zukunft pfarreiübergreifend stattfinden, meint der Habsberger Dekan Elmar Spöttle. Er kann nachvollziehen, dass sich Gläubige Sorgen um ihren Dorfpfarrer machen. „Die Kirche sollte im Dorf präsent bleiben.“ Doch wegen des Priestermangels ist das nicht gewährleistet. „Der Bischof in Eichstätt kann ja keine Priester aus dem Hut zaubern.“

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