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Eishockey

Playoffs: Nürnberg muss sich steigern

Die Ice Tigers wollen nach dem 2:7 in Mannheim die Viertelfinalserie ausgleichen. Dabei sind drei Faktoren besonders wichtig.
Von Daniel Frasch

  • Will Acton war im ersten Spiel gegen Mannheim schwach. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto
  • Auf die Unterstützung der Ice Tigers-Fans wird es am Freitagabend auch ankommen. Foto: Eibner
  • Auch Oliver Mebus fällt verletzt bei Nürnberg aus. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto

Nürnberg.Am Freitagabend empfangen die Thomas Sabo Ice Tigers um 19.30 Uhr die Adler Mannheim zum zweiten Spiel der „Best of Seven“-Serie im Playoff-Viertelfinale der DEL. Die MZ beleuchtet drei Faktoren, die für einen Erfolg der Ice Tigers entscheidend sein könnten.

Die Leistungsträger: Viele Nürnberger Schlüsselspieler laufen ihrer Form bislang hinterher.

Der große Unterschied zwischen dem Hauptrunden-Ersten, den Adlern Mannheim, und den Nürnberg Ice Tigers liegt in der Breite der beiden Spielerkader. Während Ice Tigers-Trainer Martin Jiranek im Ernstfall maximal drei Sturmreihen aufbietet, lässt Mannheims Pavel Gross konstant mit vier Reihen stürmen.

Warum? Weil er es kann. Weil der Tscheche über vier gleichwertige Angriffsformationen verfügt, die allesamt ihre Spielberechtigung haben.

Brandon Buck enttäuscht bislang in den Playoffs. Foto: Oliver STRISCH / Eibner
Brandon Buck enttäuscht bislang in den Playoffs. Foto: Oliver STRISCH / Eibner

Umso wichtiger sind die für die Franken funktionierende Leistungsträger. Der Haken: Die suchte man im bisherigen Saisonverlauf über weite Strecken vergeblich.

Allen voran die beiden vermeintlichen Königstransfers Will Acton (aus Schwenningen) und Brandon Buck (aus Wien) erfüllten die in sie gesetzten Erwartungen nur selten. Während Buck hin und wieder seine Fahigkeiten als Vorbereiter aufblitzen ließ, enttäuschte Acton bislang komplett.

Hier sehen Sie Daten und Fakten beider Teams im direkten Vergleich:

So auch im ersten Viertelfinal-Duell vergangenen Mittwoch. 15 Mal trat der Kanadier zum Bully an, elf Anspiele gingen dabei an den Gegner. Während seiner 20 Wechsel (über 14 Minuten Eiszeit) vermerkten die Statistiker einen Schuss (über das Tor) des Linksschützen, dafür wies der Routinier nach der Partie eine negative Plus-Minus-Statistik von -2 auf.

Von einer den Playoffs angemessenen, aggressiven Spielweise ganz zu schweigen. Acton, der kam, um die Franken besser zu machen, hatte, wie bereits in der Hauptrunde, mehr mit sich selbst und seinen Schwächen zu kämpfen. Chris Brown ist zwar bemüht, kämpft aber noch immer mit den Folgen seiner sechswöchigen Knieverletzung. Nationalspieler Leo Pföderl, in den vergangenen Jahren als „Playoff-Monster“ in Erscheinung getreten, war in den bisherigen vier Playoff-Partien ebenfalls ein Schatten seiner Selbst.

„Treutle hat gut gespielt, aber die Tore waren eine Frage der Zeit.“

Ice Tigers-Coach Martin Jiranek

Wie wichtig Leistungsträger in Topform vor allem in der heißen Saisonphase sind, demonstrierten die Adler – allen voran Angreifer Andrew Desjardins. Der Kanadier, der in seiner Karriere 461 NHL-Partien bestritt und vor zwei Jahren von den Chicago Blackhawks nach Mannheim wechselte, war der überragende Mann auf Seiten der Adler. Drei Treffer steuerte Desjardins im ersten Duell bei, Torgefahr versprühte der 32-Jährige bei fast jedem seiner Wechsel.

Auch Markus Eisenschmid machte da weiter, wo er in der Hauptrunde aufgehört hatte: Rackern, Druck ausüben, spielerische Akzente setzen und vor allem Tore schießen. Zwei Mal feuerte der 25-Jährige die Scheibe in die Nürnberger Maschen und ließ dabei Nürnbergs Schlussmann Niklas Treutle keine Abwehrchance.

Die Zuschauer: Um Begeisterung zu entfachen, müssen die Ice Tigers in Vorleistung gehen

Ein Zuschauerproblem haben die Adler Mannheim nicht. Zu den 26 Partien der Hauptrunde kamen im Schnitt 11.244 Zuschauer und damit über 6200 Besucher mehr als zu den Heimspielen der Nürnberg Ice Tigers (5163).

Wirklich verwundern kann dieser Fakt nicht, stellten die Adler mit 116 Punkten doch einen neuen Punkterekord auf und zeigten, anders als die Franken, attraktives und erfolgreiches Eishockey.

Doch nicht erst seit dieser Saison zählt das Mannheimer Publikum zu den lautesten und enthusiastischsten der DEL. Vergangenes Wochenende versammelten sich 600 Mannheimer Fans in der Nebenhalle der SAP Arena, um ihre Mannschaft vor dem ersten Duell mit den Ice Tigers auf das Viertelfinale einzuschwören und ihr eine klare Botschaft mit auf den Weg zu geben: „Always behind you.“

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Wie ernst die Mannheimer Fans ihre Ansage meinten, wurde spätestens Mittwochabend deutlich, als die rund 12.000 Zuschauer eine beeindruckende Choreographie präsentierten und ihr Team von Beginn an frenetisch unterstützten. Es gibt DEL-Stadien, in der sich Auswärtsmannschaften wohler fühlen als in der SAP Arena.

Gleiches galt in den vergangenen Jahren allerdings auch für die Nürnberger Arena – zumindest in den Playoffs. Mit einem Fassungsvermögen von 7672 Zuschauern können die Ice Tigers zwar nicht mit den Arenen in Köln (18.700), Mannheim (13.600) oder Berlin (14.200) mithalten. Die Lautstärke in Nürnbergs Spielstätte steht der in anderen DEL-Standorten jedoch in Nichts nach.

„Wir haben ein sehr gutes und faires Spiel gesehen.“

Adler-Trainer Pavel Gross

Vorausgesetzt, die Ice Tigers zeigen erfolgreiches und vor allem leidenschaftliches Eishockey wie in den vergangen drei Spielzeiten, in denen sie jeweils ins Halbfinale vorstießen. Nach der verkorksten Hauptrunde mit zwölf Heimniederlagen muss der Funke diesmal jedoch vom Eis auf die Fans überspringen – und nicht anders herum.

Eines haben die Ice Tigers-Fans in der laufenden Spielzeit ob der zahlreichen sportlichen Enttäuschungen gelernt: Weniger Träumerei, mehr Realismus. Niemand im Nürnberger Umfeld rechnet mit einem Weiterkommen ins Halbfinale oder gar mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft.

Der Stimmung muss die gesunkene Erwartungshaltung jedoch nicht im Wege stehen – im Gegenteil: Signalisieren Patrick Reimer & Co. ihren Fans Freitagabend absolute Hingabe und Kampf bis zum Schluss, kann sich Nürnbergs Mannschaft auf einhunderprozentige Unterstützung von den Tribünen verlassen. So wie einst beim legendären 6:5-Sieg n.V. gegen München 2016, als die Franken einen 1:5-Rückstand drehten und das Arenadach kurz davor war, abzuheben.

Die Verletzten: Insbesondere in der Defensive wiegen die Ausfälle zur Zeit schwer

24 Mann stark ist Nürnbergs Kader in der aktuellen Saison. Zehn der Nürnberger Profis sind Abwehrspieler. Mehr als sich viele andere DEL-Klubs leisten und mehr als ausreichend, sollte man meinen. Wären da nicht die immensen Verletzungssorgen, die die Franken im Defensivbereich plagen.

Mit Oliver Mebus reihte sich Mittwochabend ein weiterer Verteidiger in die ohnehin lange Liste malader Nürnberger Spieler ein. Der 2,06-Meter-Hüne blieb nach einem Check von Andrew Desjardins gegen dessen Kopf erst auf dem Eis liegen, um anschließend gestützt von Kollegen auf die Spielerbank zu schleichen. Kurz darauf verschwand Mebus in die Kabine – und verließ diese bis Spielende nicht mehr.

Auch auf Twitter beschäftigten sich die Fans mit der Mebus-Verletzung:

Sollte sich der erste Verdacht (Gehirnerschütterung) bestätigen, könnte die Saison für den gebürtigen Dormagener bereits jetzt gelaufen sein. Besonders bitter: Mebus verpasste aufgrund einer Sprunggelenkverletzung bereits 27 Hauptrundenpartien, mauserte sich jedoch kurz nach seinem Comeback zum Leistungsträger im Nürnberger Defensivverbund. Umso schwerer würde ein vorzeitiges Saisonaus wiegen.

Das gleiche Schicksal erlitt eine Woche zuvor bereits Marcus Weber: Nürnbergs Mann mit der Rückennummer 24, seit 2013 in Diensten der Ice Tigers, erlitt nach einem Check von Bremerhavens Nicholas Jensen ebenfalls eine Gehirnerschütterung. Untersuchungen im Computertomographen ergaben glücklicherweise keine weiteren Schäden, Playoff-Eishockey kann Nürnbergs Verteidiger dennoch nicht spielen.

Hier sehen Sie den Kader der Ice Tigers 2018/19:

Ebenso wie Brandon Segal. Auch der kanadische Angreifer erlitt in der Serie gegen die Norddeutschen eine Erschütterung des Gehirns und kann an den Spielen seiner Mannschaft derzeit nur von der Tribüne aus teilnehmen. Drei Kopfverletzungen innerhalb der ersten Playoff-Woche – die Ice Tigers sind wahrlich vom Pech verfolgt.

Neben Mebus, Weber und Segal muss Trainer Martin Jiranek seit geraumer Zeit auch auf die beiden Verteidiger Brett Festerling und Taylor Aronson verzichten. Während bei Festerling nicht mit einer baldigen Rückkehr zu rechnen ist, hoffen die Franken auf ein zügiges Comeback des US-Amerikaners Aronson. Beide gehen den Ice Tigers ab, nicht zuletzt aufgrund ihrer kompromisslosen und einfachen Spielweise.

„Der Ausfall von Oliver hat sich auf die Abwehr ausgewirkt.“

Tigers-Trainer Martin Jiranek

Auffallend: Eine fehlende, komplette Reihe in den Playoffs hat in Nürnberg fast schon Tradition. Jahr für Jahr stehen den Franken in der heißen Phase wichtige Spieler nicht zur Verfügung. Leo Pföderl, Milan Jurcina – immer wieder verletzten sich Leistungsträger schwer und fehlten den Tigern im Kampf um die Meisterschaft. Gegen die Adler könnte der körperliche Verschleiß weitreichende Folgen haben.

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