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Ausbildung

Polizisten ziehen in die Klosterburg

Der erste Schritt der Sanierung ist mit der Schlüsselübergabe an zwei Minister getan. Das Projekt ist teuerer als geplant.
Von Nicole Selendt

Polizeidirektor Stefan Beil, Fachbereichsleiter Ingbert Hoffmann, Staatsminister Joachim Herrmann, Baudirektor Roman Beer, Staatsminister Albert Füracker und Stefan Braun(v.r.) freuen sich über die feierliche Übergabe des Schlüssels für das neu sanierte Unterkunftsgebäude. Foto: Selendt
Polizeidirektor Stefan Beil, Fachbereichsleiter Ingbert Hoffmann, Staatsminister Joachim Herrmann, Baudirektor Roman Beer, Staatsminister Albert Füracker und Stefan Braun(v.r.) freuen sich über die feierliche Übergabe des Schlüssels für das neu sanierte Unterkunftsgebäude. Foto: Selendt

Kastl.Es ist schon ganz lange her, da gab es auf der Klosterburg in Kastl schon einmal eine Polizeistation. Drei Beamten verrichteten dort ihren Dienst, untergebracht in zwei Wohnungen. Bald ziehen dort wieder Polizisten ein – zumindest angehende. Und es werden sehr viel mehr sein als damals.

In der ehemaligen Polizeistation, die zwischenzeitlich als Mädcheninternat und bis 2006 vom Europäisch-Ungarischen Gymnasium genutzt wurde, können zu Beginn des Sommersemesters im März bis zu 60 Studierende der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern, Fachbereich Polizei, einziehen. Zur feierlichen Schlüsselübergabe durch das Staatliche Bauamt kamen am Mittwoch die beiden Staatsminister des Innern, Joachim Herrmann, und der Finanzen, Albert Füracker, nach Kastl.

Bauarbeiten

Umbau der Klosterburg wird teuerer

Bausünden und Schadstoffe waren die eher unschönen Überraschungen in Kastl – und dann kam auch noch ein Einhorn dazu.

Startschuss für die Schule ist erst 2023

Allerdings ist mit dieser ersten Schlüsselübergabe das große Sanierungsprojekt noch nicht abgeschlossen. Die übrigen Gebäude auf der Klosterburg können erst 2023 in Betrieb genommen werden. Verwaltungsgebäude, Lehrsäle mit Spezialräumen für IT oder Kriminaltechnik, Küche, Speisesaal und weitere Wohneinheiten sind noch nicht fertig. Die Studierenden, die ab März das fertige Unterkunftsgebäude beziehen, werden bis zur endgültigen Eröffnung des Standortes Kastl in Sulzbach-Rosenberg unterrichtet.

Kastl: Schlüsselübergabe - Unterkünfte f. Polizist

Viele Anläufe, bis eine Lösung gefunden war

Eine große Erwartungshaltung habe es in der Region Kastl und im Landkreis Amberg-Sulzbach zur Folgenutzung der Klosterburg Kastl gegeben, nachdem nach 48 Jahren das Gymnasium im Juli 2006 schließen musste, sagte Finanzminister Albert Füracker in seinem Grußwort. Mehr als einmal im Jahr habe Kastls Bürgermeister Stefan Braun ihn „liebevoll damit genervt“, was den nun mit dem Wahrzeichen der Marktgemeine passieren soll. Sogar der Bayerische Oberste Rechnungshof habe schon eine Rüge ausgesprochen: Die Instandhaltungskosten der Gebäude im Besitz des Freistaats seien zu hoch, es müsse endlich eine neue Nutzung her.

„Die Polizei in Bayern in ein hoch angesehener Arbeitgeber.“

Joachim Herrmann, Bayerischer Innenminister

Für Innenminister Joachim Herrmann werde der Standort in Kastl zur richtigen Zeit fertig. Der Freistaat habe die Kapazitäten bei der Polizei zuletzt massiv erhöht, tausende neue Stellen seien geschaffen worden. Das sei einmalig in Bayern. Dafür bedürfe es aber guter Rahmenbedingungen.

Siebenmal mehr Bewerbungen als freie Stellen

Herrmann zeigte sich stolz, dass derzeit sieben- bis achtmal mehr Bewerbungen bei der Bayerischen Polizei eingehen, als es Stellen zu besetzen gebe und schloss daraus: „Die Polizei in Bayern in ein hoch angesehener Arbeitgeber.“

Der katholische Ortsffarrer Ryszard Kubiszyn und der evangelische Pfarrer aus Illschwang, Thomas Schertel, erteilten dem Unterkunftsgebäude den kirchlichen Segen. Foto: Selendt
Der katholische Ortsffarrer Ryszard Kubiszyn und der evangelische Pfarrer aus Illschwang, Thomas Schertel, erteilten dem Unterkunftsgebäude den kirchlichen Segen. Foto: Selendt

Dass in die Klosterburg Kastl nun eine Polizeihochschule einziehen soll, mache Braun als Bürgermeister stolz. Denn es habe zuvor sehr viele Anläufe gegeben, die Gebäude wieder mit Leben zu füllen. „An diesem so geschichtsträchtigen Ort wird wieder Geschichte geschrieben“, sagte er im Beisein vieler Bürgermeister und Kreisräte des Landkreises Amberg-Sulzbach und vieler Polizeibeamter. Dafür habe er die jeweils zuständigen Minister in den letzten Jahren „sehr gerne genervt“.

Besonderheiten während der Bauzeit

  • Altlasten:

    Bevor überhaupt mit der Sanierung begonnen werden konnte, musste tonnenweise belastetes Material aus den Gebäuden entfernt werden. Es stammte von den Sanierungstätigkeiten der 60er- und 70er-Jahre.

  • Heizung:

    Um in den alten Gebäuden Platz zu sparen, hat man sich für eine Nahwärmeleitung zur nahe gelegenen Firma Hüttner entschieden. Nur in Spitzenzeiten müsse die Schule dann auf Heizöl zurückgreifen.

  • Funde:

    Meistens ist man auf der Baustelle mit schwerem Gerät zugange. Allerdings musste dieses an manchen Stellen durch eine handelsübliche Zahnbürste ersetzt werden. Alte Mauerreste aus dem neunten und dem 14. Jahrhundert und Wandmalereien im Dachstuhl wurden gefunden und verzögerten die Bauarbeiten zunächst.

Eine Klosterburg wird moderne Hochschule

Baudirektor Roman Beer vom Staatlichen Bauamt in Amberg blickte vor der offiziellen Schlüsselübergabe auf die vergangenen drei Jahre Sanierungstätigkeit zurück. Es handle sich um keine einfache Aufgabe, aus einer Klosterburg einen modernen Hochschulstandort zu machen.

Polizeischule

Burg Kastl kämpft gegen Schadstoffe

Bevor die Sanierung der Klosterburg richtig beginnt, müssen Asbest und Co. raus. Der Bau der Unterkünfte läuft schon.

Auf viele Überraschungen sei man während der Arbeiten gestoßen – positive wie negative. Archäologische oder kulturhistorische Funde hätten ebenso wie die vielen Bausünden der letzten Jahrzehnte immer wieder Änderungen im Ablauf, Umplanungen und nicht zuletzt auch Kostensteigerungen verursacht, so dass schon jetzt feststeht: die ursprünglich veranschlagten 37,4 Millionen Euro reichen nicht aus.

Neues Leben in der Klosterburg in Kastl

Geduld der Anwohner noch gefragt

Viele Gäste aus Politik und Wirtschaft waren zur Schlüsselübergabe auf die Klosterburg gekommen. Foto: Selendt
Viele Gäste aus Politik und Wirtschaft waren zur Schlüsselübergabe auf die Klosterburg gekommen. Foto: Selendt

Beer bedankte sich bei den beteiligten Architekten, Bauleitern und Baufirmen, die zu dreiviertel aus der Region, manchmal sogar direkt aus der Marktgemeinde Kastl kommen und wünschte allen weiterhin einen reibungslosen und unfallfreien Verlauf der Arbeiten. Er bat darüber hinaus noch um die Geduld der Nachbarn und Kirchenbesucher, die bis zur Fertigstellung noch Baulärm und Lieferverkehr ausgesetzt sein werden. Zuletzt segneten der evangelische Pfarrer aus Illschwang, Thomas Schertel, und Ortspfarrer Ryszard Kubiszyn, das sanierte Gebäude.

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