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Kultur

Polnisch „Amtssprache“ der Künstlerfreunde

Über die Malerei finden ein Nürnberger und ein Ukrainer zusammen – und das in Krakau.

Jurij Sychov-Hlazun (links) und der Nürnberger Axel Gercke

Nürnberg.Mitten in Europa treffen sich zwei Fremde mit der Leinwand – und werden beim Malen unter freiem Himmel zu Freunden. Die Bilder dieser künstlerischen und menschlichen Begegnung auf halbem Weg sind unter dem Titel „Hallo Polska!!“ bis zum 30. April in der Galerie im Krakauer Haus in Nürnberg zu sehen.

Vor drei Jahren reiste Axel Gercke nach Polen. In Malbork, dem früheren Marienberg, ist der junge Nürnberger Künstler zu einem „Pleinair“ – einer Malwerkstatt unter freiem Himmel – eingeladen. „In Polen haben solche internationalen Künstlersymposien eine lange Tradition“, erzählt der 31-Jährige. Mit Staffelei, Leinwand, Pinseln und Ölfarbe geht es in Pommern auf der Suche nach Inspiration und Motiven raus in die Natur.

Bei den Streifzügen entlang der Weichsel lernt Gercke den ukrainischen Maler Jurij Sychov-Hlazun kennen. „Wir haben uns sofort verstanden, obwohl Jurij genau 22 Jahre älter ist und noch dazu kein Wort Deutsch sprecht“, erinnert sich Gercke an die erste Begegnung. „Gemeinsam war uns die Liebe zur Malerei und zu Polen.“ Weil Gercke auf vorigen Künstlerreisen nach Krakau bereits die fremde Sprache lernte, klappt auch die sprachliche Verständigung mühelos.

Polnisch wird quasi Amtssprache der Künstlerfreunde. „Ein schönes Beispiel für die Rolle Polens in Europa: zentral gelegen, als Brücke zwischen dem Westen und Osten“, freut sich Gercke.

In Polen treffen sich aber nicht nur zwei Generationen und Kulturkreise, sondern auch unterschiedliche Kunststile. „Jurij malt eher impressionistisch, ich eher realistisch“, betont der junge Künstler aus Nürnberg. Die verschiedenen Maltechniken sieht man auch schnell in den 20 Werken im gleichen Format, die in der Galerie gezeigt werden.

„Die Zusammenstellung aus zwei Blickwinkeln ist sehr witzig“, sagt auch die Leiterin des Krakauer Hauses, Grazyna Wanat. Schon bei der Motivauswahl ist die Gewichtung deutlich verschoben. „Axel malt eher verlassene Tankstellen und menschenleere Brücken. Das ist ja nicht so typisch für die Landschaftsmalerei“, findet Wanat. Jurij gehe dagegen eher klassisch in der Tradition der Impressionisten mit dem Pinsel zu Werke.

„Aber auch mit einem eigenen, beinahe witzigem Blickwinkel“, freut sich Wanat. „An allen Bildern erkenne ich sofort: Das ist Polen“, lacht die Leiterin, die nicht genau das Warum erklären kann.

Für sie sei freilich wichtig, dass das Krakauer Haus neben der Kunst ein Ort der Begegnung ist. Die Ausstellung „Hallo Polska!“ zeige dies auf besondere Weise. Eine deutsch-ukrainische Freundschaft, die in Polen geknüpft wurde. „Beide sind keine Polen, aber unterhalten sich auf polnisch“, freut sich Wanat.

Aus dieser Begegnung der beiden ungleichen Künstler ist mittlerweile eine richtige Künstlerfreundschaft entstanden. „Wir treffen uns mehrmals im Jahr auf halber Strecke in Polen und betreiben dort zusammen Freiluftmalerei“, erzählt Gercke.

www.krakauer-haus.de

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