MyMz
Anzeige

Gesundheit

Retter rücken in Neumarkt öfter aus

Krankenwagen und Notaufnahme verzeichnen immer mehr Patienten. Doch längst nicht jeder ist ein echter Notfall.
Von Bettina Dennerlohr

Zu 18537 Einsätzen rückte das BRK 2017 um Neumarkt aus. Foto: Baumgarten
Zu 18537 Einsätzen rückte das BRK 2017 um Neumarkt aus. Foto: Baumgarten

Neumarkt.Mehr als 17-mal um die Erde – das ist die Strecke, die die Einsatzkräfte der BRK-Rettungswachen im Jahr 2017 im Einsatz waren. 18 537 Einsätze hat das Rote Kreuz verzeichnet. Die Tendenz geht seit einigen Jahren nach oben. Damit zeigt sich auch in Neumarkt eine bundesweite Entwicklung: In ganz Deutschland gab es im vergangenen Jahr 5,2 Millionen Notfalleinsätze. 2,1 Milliarden Euro haben die Krankenkassen dafür 2017 bezahlt. Und überall müssen sich die Retter mit einigen Kuriositäten herumschlagen.

Dass die Zahlen der Rettungseinsätze steigen, sei ein einheitlicher Trend, sagt Werner Lorek. Er ist beim BRK-Kreisverband Neumarkt für den Rettungsdienst zuständig. 2016 war der zu knapp 18 000 Einsätzen ausgerückt, also zu rund 500 weniger als im Jahr danach. Gründe kann sich Lorek mehrere denken: „Die Bevölkerung wird immer älter, die Zahl der Krankheiten steigt.“ Wie hoch der Anteil an Patienten ist, die eigentlich keinen Rettungsdienst brauchen würden, werde nicht explizit erfasst. Es sei ihm aber aufgefallen, dass viele Menschen leichter einen Krankentransporter anforderten als früher. Darunter seien immer wieder auch Fälle, bei denen Angehörige oder ein Taxi den Patienten genausogut ins Krankenhaus hätten bringen können. „Aber man wählt heute leichter die Notrufnummer als früher“, sagt Lorek.

11,4 Prozent mehr Patienten

Wer in Neumarkt den Notruf wählt, landet in der Integrierten Leitstelle in Regensburg. „In den letzten Jahren hatten wir eine kontinuierliche Steigerung von vier Prozent pro Jahr“, berichtet Dagmar Obermeier-Kundel von der städtischen Pressestele über die Einsatzzahlen. Die Zahl der falschen Notrufe sei nicht zu unterschätzen: „Diese Fehlanrufe werden immer mehr zu einer Belastung der ILS.“

Häufig erfolge der falsche Notruf aus Unwissenheit der Menschen , manchmal hörten die Mitarbeiter aber, dass der Melder nicht gewusst habe, wo er sonst hätte anrufen sollen. So war es vielleicht auch bei einem Fall Ende vergangener Woche, den Obermeier-Kundel schildert: „Es standen sich zwei Fahrzeuge in einer Einfahrt gegenüber und blockierten diese. Nachdem sich beide Fahrer im Recht fühlten und keiner bereit war, nachzugeben, erfolgten insgesamt drei Anrufe von betroffenen Personen über die 112 mit der Bitte, Abhilfe zu schaffen. Diese Angelegenheit wäre aber, wenn überhaupt, ein Fall für die Polizei gewesen.“

Gefragt sind dann in der Leitstelle die Disponenten, erklären Lorek und Obermeier-Kundel. Die Diensthabenden haben eine Checkliste, die sie beim Anrufer abfragen. Anhand dessen Angaben entscheiden sie dann, ob ein Rettungseinsatz notwendig ist und ob gegebenenfalls auch ein Notarzt mitalarmiert wird. „Kurz gefasst kann man sagen, dass einem Rettungsdiensteinsatz immer ein auf irgendeine Art lebensbedrohlicher Zustand zugrunde liegt oder erhebliche Gefahr für den Patienten besteht, wenn nicht unverzüglich medizinische Hilfe geleistet wird“, sagt Obermeier-Kundel.

Mehr zur Situation in der Notaufnahme lesen Sie hier.

Auch in der Notaufnahme des Neumarkter Klinikums werden immer mehr Patienten behandelt. Laut Oliver Schwindl, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, wurden im Jahr 2017 insgesamt 29 946 Patienten in der Notaufnahme registriert. 2013 waren es noch 26 883 Patienten. Das bedeutet ein Plus von 11,4 Prozent innerhalb von vier Jahren. Ob die Bereitschaftspraxis am Klinikum Entlastung bringe, lasse sich noch nicht abschätzen, sagt Schwindl: „Der Betrieb läuft erst seit Oktober und musste sich zunächst auch erst einspielen.“

Viele Patienten keine Notfälle

Danach kann sich zeigen, ob die Bereitschaftspraxis die Erwartungen erfüllen kann, die in sie gesetzt wurden. In der Vergangenheit hatte das Klinikum eine Pressemitteilung veröffentlicht, dass immer wieder Menschen mit Bagatellbeschwerden wie Zeckenbiss oder Ohrenschmerzen die Notaufnahme „blockieren“. Laut Eduard Fuchshuber, dem Sprecher des Verbandes der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, sind oft 50 bis 70 Prozent der Patienten in einer Notaufnahme keine echten Notfälle.

Mit diesem Problem steht Neumarkt allerdings nicht alleine da. Im Netz hat für Furore gesorgt, als Protokolle der Leitstelle in Berlin öffentlich wurden, auf der kurios anmutende Gründe für einen Notruf genannt wurden. So fanden sich dort „Schluckauf“, „Fingerschmerzen“, „Anrufer hat Hunger“ und „Pickel am Penis“

Das sollten Sie über den Bereitschaftsdienst wissen:

Wann wähle ich die Nummer 116 117?

  • Sprechzeiten:

    Der ärztliche Bereitschaftsdienst stellt die ärztliche Versorgung auch außerhalb der regulären Sprechstundenzeiten sicher.

  • Nummer:

    Er ist für alle Erkrankungen zuständig, die normalerweise die Behandlung eines niedergelassenen Arztes in der Praxis erfordert. Kann der Patient nicht bis zur Öffnung warten, wählt er die Telefonnummer 116 117.

  • Anruf:

    Um in der Bereitschaftspraxis behandelt zu werden, ist aber nicht zwingend ein Anruf notwendig. Dieser ist nur wichtig für Hausbesuche.

  • Notarzt:

    Patienten mit Bauchschmerzen, Fieber oder sonstigen nicht lebensbedrohlichen Krankheiten werden vom Bereitschaftsdienst versorgt. In lebensgefährlichen Situationen hilft der Notarzt unter der 112.

In einem sind sich alle Beteiligten einig: Es gibt gute Gründe, den Notruf unter der Nummer 112 zu verständigen, nämlich den Verdacht auf eine lebensbedrohliche Erkrankung. Dazu zählen beispielsweise Teillähmungen und Sprachstörungen als mögliche Schlaganfallsymptome, plötzliche starke Brustschmerzen oder unvermittelte, sehr starke Schmerzen vor allem im Bauchbereich oder im Kopf. Erkältungen, Infekte oder chronische Schmerzen sind dagegen ein Fall für den Hausarzt. Ist der nicht zu erreichen, ist ein Bereitschaftsarzt der richtige Ansprechpartner. Außerhalb von regulären Öffnungszeiten können sich Patienten an die Telefonnummer 116 117 wenden, die den nächsten Bereitschaftsdienst nennt. Diese Infos gibt es auch unter www.bereitschaftsdienst-bayern.de.

Lesen Sie mehr:
Mehr Nachrichten aus der Region Neumarkt finden Sie hier.

Hier sehen Sie die Aufgabenbereiche des BRK zusammengefasst:

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht