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Sicherheit

Risiken der Passionsspiele einschätzen

Kein Alkohol und kein Pöbel-Publikum und trotzdem gibt es bei den Neumarkter Passionsspielen erstmals ein Sicherheitskonzept.
Von Stefanie Roth

Die Neumarkter Passionsspiele finden in der Kleinen Jurahalle statt. Foto: Lothar Röhrl
Die Neumarkter Passionsspiele finden in der Kleinen Jurahalle statt. Foto: Lothar Röhrl

Neumarkt.Sicher ist nur das Amen in der Kirche, heißt es. Das Thema „Sicherheit“ soll keine unnötige Panik stiften. Trotzdem gibt es Menschen, die sich damit befassen müssen, auch wenn zu den Neumarkter Passionsspielen weder grölende Fußballfans noch tanz- und feierwütige Teenies erwartet werden.

Franz Wildfeuer der SD Sicherheitsdienst GmbH in Neumarkt ist ein Profi. Er hat diverse Punkte abgeklopft, das Sicherheitskonzept erstellt und er weist auch auf medizinische Risiken hin, die ansonsten viele vergessen. Zuerst erklärt er aber, wie eine Risiko-Analyse zustandekommt und erklärt das Ganze an einem Fußballspiel.

1. Das Grund-Risiko

Ein Kreisklassen-Spiel auf dem Dorf stelle kein großes Risiko dar. Trifft aber beispielsweise Fürth auf Nürnberg, steige das Risiko wegen möglicher Schlägereien deutlich an. Seit der Love Parade und Terroranschlägen ist das Thema Sicherheit vielmehr in den Köpfen der Menschen verankert. „Wer hält den Kopf hin, wenn es um die Haftung geht?“ Das sind Fragen, die Wildfeuer klärt.

„Das Risiko kann nicht auf einem Einzigen lasten. Spätestens seit der Love Parade ist Sicherheit ein Riesen-Thema.“

Franz Wildfeuer, Inhaber der SD Sicherheitsdienst GmbH

Bombendrohungen oder Brände – auf Krisenfälle wie diese ist er vorbereitet und schult auch andere. Seinen Kunden gibt er allerdings immer eins zu bedenken, wenn man seinen Sicherheitsdienst bei einem Großereignis involviert: „Der Veranstalter hat den Schlüssel nicht mehr allein in der Hand.“ Jeder weitere Stuhl – alles muss besprochen und geprüft werden. Franz Düring und Franz Ebenhöch haben sich dennoch entschieden, Geld in das Konzept zu investieren, wenngleich sie nicht verraten wollen, wie viel.

„Die Gefahr, dass trotzdem mal Feuer ausbricht oder von außen eine Bombendrohung kommt – man befasst sich damit.“

Franz Ebenhöch, einer der Orga-Leiter

„Ich glaube, das Wichtigste ist nicht nur die gute Aufführung, sondern auch die Sicherhiet unserer Besucher. Wenn das auch was kostet, es geht nicht zum Nulltartif. Es kommen schon ein paar Tausend Euro zusammen“, sagt Franz Ebenhöch auf Nachfrage der Mittelbayerischen und fügt hinzu: „Die Gefahr, dass trotzdem mal Feuer ausbricht oder von außen eine Bombendrohung kommt – man befasst sich damit.

Die „drei Franzens“ sind die Hauptköpfe des Orga-Teams: Franz Ebenhöch (links), Franz Düring und Franz Wildfeuer. Fotomontage: Selendt/Roth
Die „drei Franzens“ sind die Hauptköpfe des Orga-Teams: Franz Ebenhöch (links), Franz Düring und Franz Wildfeuer. Fotomontage: Selendt/Roth

Man gibt die Infos weiter und erklärt, wie sich die Helfer zu verhalten haben.“ Im Ernstfall sollen geschulte Kräfte zur Verfügung stehen. Ähnlich sieht es Franz Düring: „Man kann sich das nicht mehr ohne Konzept erlauben. Über Sicherheit kann man nicht viel reden, das muss man machen, auch wenn es Geld und viel Arbeit und Mühe kostet.“

Einige Mitarbeiter des SD Sicherheitsdienstes werden vor Ort sein, weitere Helfer kommen hinzu. Es wird nicht nur Taschenkontrollen geben, sondern auch Aufpasser vor der Bühne, die sich in einem etwa 20-minütigen Turnus abwechseln. Damit werden auch „Bühnen-Flitzer“ verhindert, so wie man sie vom Fußball kennt. „Wenn ein euphorischer Jüngling meint, er muss auf die Bühne hochspringen“, scherzt Wildfeuer. Warum in einem Fußballspiel dennoch immer wieder Flitzer passieren, erklärt der Sicherheitsexperte so: Die Konzentration der Ordner lasse nach, daher müsse man frühzeitig wechseln. Ansonsten könne das Sicherheitspersonal häufig gar nicht mehr schnell genug eingreifen, um den Zwischenfall zu vermeiden.

Taschenkontrollen, Kaffee und Kuchen

  • Kontrollen:

    Beim Einlass in die Kleine Jurahalle werden aus Sicherheitsgründen Handtaschen- und Rucksackkontrollen durchgeführt. Nur kleine Handtaschen sind erlaubt. Größere Jacken und Mäntel müssen aus brandschutztechnischen Gründen an der Garderobe abgegeben werden, wie der Veranstalter auf seiner Homepage mitteilt.

  • Verpflegung:

    Vor der Vorstellung, während der Pause und auch nach der Veranstaltung werden kleine Imbisse und Getränke angeboten – nicht im Ticketpreis enthalten. Für Gruppen besteht die Möglichkeit, am Sonntag vor der Vorstellung Kaffee und Kuchen unter Telefon (0 91 81) 255-2065 zu buchen. Essen und Getränke sind auf der Sitztribüne und im Saal verboten.

2. Das Brand-Risiko


Grundsätzlich gibt es für die Jurahalle bereits ein Sicherheitskonzept, Notausgänge sind gekennzeichnet. Das „grobe Gerüst“, wie es Wildfeuer bezeichnet, sei allerdings längst nicht ausreichend. Es gab viele Dinge zu prüfen und zu verfeinern. Das hängt auch mit den Sitzplätzen zusammen: „Es ist selten so groß bestuhlt – das ist das Besondere bei den Passionsspielen“, erklärt Wildfeuer. Umso wichtiger sei es, dass man an jeden einzelnen Besucher im Ernstfall möglichst schnell rankommt.

Beim Einlass zu den Neumarkter Passionsspielen gibt es Taschenkontrollen. Die Jacken müssen abgegeben werden. Roland Weihrauch/dpa
Beim Einlass zu den Neumarkter Passionsspielen gibt es Taschenkontrollen. Die Jacken müssen abgegeben werden. Roland Weihrauch/dpa

Das Sicherheitskonzept enthält eine Skizze samt Bestuhlung. Die Vorgaben der Brandschutzbehörde müssen erfüllt sein. Alle Besucher müssen innerhalb von drei Minuten evakuiert werden können. Berechnungen vom Bauamt zeigen, wie lange es für jeden einzelnen Sitzplatz dauert. Im Hinblick auf die Tribüne sei das schon eine kleine Herausforderung. „Das sind die Katastrophenpunkte, die es zu vermeiden gilt“, sagt Wildfeuer. Wichtig sei auch, dass Besucher ihre Jacken an der Garderobe abgeben – im Ernstfall kommt es eben auf Kleinigkeiten wie diese an.

3. Das Besucher-Risiko

Auf den Neumarkter Passionsspielen ist laut Sicherhetisdient nicht mit einem Negativ-Szene-Publikum zu rechnen. Foto: Stefanie Roth
Auf den Neumarkter Passionsspielen ist laut Sicherhetisdient nicht mit einem Negativ-Szene-Publikum zu rechnen. Foto: Stefanie Roth

Wenn Franz Wildfeuer ein Sicherheitskonzept erstellt, prüft er immer auch die Besucherstruktur. Die Beschreibung der „Großveranstaltung“ gibt ihm Hinweise darauf. In dem 20-seitigen Neumarkter Konzept heißt es: „Das aufgeführte Spiel vom Leiden und Sterben Christi.“ „Ich weiß also, in welche Richtung es gehen wird“, sagt Wildfeuer und schlussfolgert, dass Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren nicht zur Zielgruppe gehören, ebenso wie „formierte Gruppierungen“, wie etwa bei einem Fußballspiel.

Hinzu kommt noch etwas, das größtenteils wohl eher auf ältere Semester in den Zuschauerreihen hinweist: „Das Ganze findet zu absolut christlichen Zeiten statt“, sagt Wildfeuer. 19 und 16 Uhr sind nicht gerade Discozeiten wie zu späterer Stunde. Außerdem dürfte sich positiv auf den Sicherheitsaspekt auswirken, dass es zu den Aufführungen keinen Alkohol geben wird. So entfällt ein weiterer Punkt, der häufig einen Einfluss darauf hat, wenn es um die Sicherheit bei einer Veranstaltung geht.

4. Das Thrombose-Risiko

Kompressionsstrümpfe gibt es inzwischen auch in bunten Farben. Barbara Schöneberger ist das Werbegesicht einer Strumpfmarke. Foto: picture alliance / obs / medi GmbH & Co. KG
Kompressionsstrümpfe gibt es inzwischen auch in bunten Farben. Barbara Schöneberger ist das Werbegesicht einer Strumpfmarke. Foto: picture alliance / obs / medi GmbH & Co. KG


Niemand will damit rechnen, doch niemand ist gefeit davor: Ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall kann auch in der Öffentlichkeit beim Ausgehen passieren. In der Jurahalle gibt es einen Sanitätsraum, der mit einem Defibrillator ausgestattet ist – ein Rettungssanitäter ist immer vor Ort, doch eine Problematik hat Wildfeuer besonders vor Augen, die andere leicht vergessen: „Wenn man zwei Stunden im Flieger sitzt, soll man schon auf Thrombose achten. Da sind wir gefordert, wenn jemand von den Zuschauern das lange Sitzen nicht verträgt.“

Drei Stunden wird eine Vorführung etwa dauern, nach 90 Minuten ungefähr ist eine halbstündige Pause geplant. „Das ist einen lange Zeit. Die Stuhlreihen sind nicht so, dass man große Bewegungsfreiheit hat“, sagt Susanne Sippl, Inhaberin des Sanitätshauses Sippl in Neumarkt auf Nachfrage des Neumarkter Tagblatts. Sie rät allen Risikogruppen – Menschen, die schon einmal eine Thrombose hatten – und vor allem Frauen, die verhüten, als auch Menschen, die generell beim Fliegen Thrombosespritzen benötigen, zu Kompressionstrümpfen oder zumindest Reisestrümpfen.

5. Das Technik-Risiko

Die Technik ist das A und O für einen reibungslosen Ablauf der Neumarkter Passionsspiele. Foto: Wolfgang Endlein
Die Technik ist das A und O für einen reibungslosen Ablauf der Neumarkter Passionsspiele. Foto: Wolfgang Endlein

Bastian Lang, einer der Inhaber von Lampenfieber event Veranstaltungstechnik, sagt ehrlicherweise: „Theoretisch kann alles ausfallen, es ist Technik.“ Umso wichtiger ist die Arbeit von seinem Team vor Ort. Seine beiden Mitarbeiter, ein Licht- und ein Tontechniker, sind bereits bei den Proben der Passionsspiele dabei.

Für den Profi bedeutet das zeitlich gesehen eine äußerst lange Vorbereitungsphase von mehreren Wochen, die er bei einmaligen Veranstaltungen an einem Abend bei einem Konzert beispielsweise nicht zur Verfügung hat. Darum blickt er der Veranstaltung gelassen entgegen. „Das geht alles Hand in Hand“, ist er zuversichtlich.

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Passionsspiele – das sollten Sie wissen

Premiere für die Aufführungen in Neumarkt ist am 9. März. Für die Besucher gibt es kostenlose Parkplätze am Volksfestplatz.

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