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Politik

Scheitern war vorprogrammiert

Die Zeit der Verwaltungsgemeinschaft Parsberg hat Lena Niebler in ihrer Diplomarbeit aufgearbeitet. Die jetzigen Bürgermeister freuen sich darüber.
Von Peter tost

  • Stefan Schmidmeier und Bürgermeister Josef Bauer (v. l.) aus Parsberg und Kilian Wolf sowie Bürgermeister Alfred Meier aus Lupburg (v. r.) waren von Lena Nieblers Analyse beeindruckt. Foto: Tost

Lupburg. „Sämtliche Daten, Fakten und Eindrücke zusammenfassend bleibt im Ergebnis festzuhalten, dass die Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Parsberg zum 31.12.2001 (...) die einzig richtige und sinnvolle Entscheidung darstellte.“ Dieses Fazit zieht Lena Niebler in ihrer Diplomarbeit über die problembehaftete „Zwangsehe“ zwischen Parsberg und Lupburg in den 23 Jahren zwischen 1978 und 2001.

Die Arbeit mit dem Titel „Die Auflösung einer Verwaltungsgemeinschaft dargestellt am Beispiel der Verwaltungsgemeinschaft Parsberg Diplomarbeit“ hat die 22-jährige Diplom-Verwaltungswirtin den Bürgermeister von Lupburg und Parsberg, Alfred Meier und Josef Bauer sowie deren Geschäftsleitern Kilian Wolf und Stefan Schmidmeier kürzlich vorgestellt.

Auf die Idee, sich diesem Kapitel der jüngeren Geschichte zu widmen, sei sie bei einem Praktikum in der Stadtverwaltung Parsberg im Rahmen ihrer dualen Ausbildung gekommen. „Da ich meine Diplomarbeit über ein regionales und bisher unbearbeitetes Thema schreiben wollte, bin ich auf die Verwaltungsgemeinschaft gekommen“, sagte die Beratzhausenerin, bevor sie einen kurzen Überblick gab.

Zur Diskussion standen nach der Gebietsreform in der 1970er Jahren zwei Möglichkeiten: Die Eingemeindung Lupburgs nach Parsberg oder die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft. Mangels einer einvernehmlichen Lösung zwischen der Stadt Parsberg und dem Markt Lupburg hatte die Regierung der Oberpfalz schließlich die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft angeordnet.

Äußerste Zurückhaltung

„Der dadurch entstandene Zwang beherrschte fortan das Verhältnis der Partner und spiegelte sich vor allem in einer zurückhaltenden, fast misstrauischen Zusammenarbeit wider“, schreibt Lena Niebler.

Allein schon die Zusammenführung einer ehemaligen Kreisstadt mit eigenem Schulzentrum und eines dörflich strukturierten Marktes in einer Verwaltungsgemeinschaft sei von Anfang an gewagt gewesen. Die Dominanz Parsbergs habe sich nicht nur bei der Bevölkerung gezeigt – Parsberg hatte 4745 Einwohner und Lupburg 1502 – sondern auch in der Infrastruktur und in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

Ausdruck dieses Ungleichgewichts sei die Gemeinschaftsversammlung der Verwaltungsgemeinschaft Parsberg gewesen, in der – entsprechend der Bevölkerungszahlen – sieben Vertreter Parsbergs drei Lupburgern gegenüberstanden. „Auf die Spitze getrieben bedeutete dieser zahlenmäßige Unterschied, dass die Gemeinschaftsversammlung theoretisch sogar ohne die Lupburger Räte beschlussfähig war“, sagte Lena Niebler.

All dies habe in Lupburg zu einem allgemeinen Verdruss an der Verwaltungsgemeinschaft und zu einer wachsenden Unzufriedenheit über das „Schattendasein“ des Marktes geführt. Schon seit der Dorferneuerung in den 1980er Jahren hätten die Lupburger deshalb Trennungsabsichten gehabt.

Konkret wurden diese Pläne laut Lena Niebler im Jahr 2001, als der Marktrat einstimmig den Bürgermeister beauftragte, in Bürgerversammlungen über die Vorteile der Trennung zu informieren und anschließend eine Bürgerbefragung durchzuführen. Etwa 76 Prozent der Lupburger Bürger hätten dabei für eine eigene Verwaltung gestimmt.

Im Nachhinein betrachtet sei wegen der meist gravierenden Unterschiede zwischen Parsberg und Lupburg das Bündnis wohl schon von vorneherein zum Scheitern verurteilt gewesen, folgert die Autorin. Dieses strukturelle Ungleichgewicht hätte, wenn über-haupt, nur durch eine hohe Kooperations- und Kompromissbereitschaft der Verantwortlichen ausgeglichen werden können.

„Daran fehlte es aber in einer von Misstrauen und persönlichen Befindlichkeiten geprägten Atmosphäre gänzlich, so dass die Auflösung dieser von beiden Seiten als Zwangsehe empfundenen Verbindung nur die logische Konsequenz sein konnte.“

Positive Entwicklungen

In der Zeit nach der Trennung hätten sich sowohl Lupburg als auch Parsberg positiv entwickelt. Darüber hinaus ist sei den beiden Kommunen gelungen, in verschiedenen Bereichen freiwillige Kooperationsmodelle im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit einzugehen.

Als Beispiele führt Lena Niebler die gemeinsame Abwasserentsorgung, die Zusammenarbeit im Touristikverband Parsberg-Lupburg und das gemeinsame Standesamt an.

Die Bürgermeister Alfred Meier und Josef Bauer gratulierten der Autorin zu dieser gelungenen wissenschaftlichen Analyse und dankten für die Aufarbeitung dieser für beide Kommunen schwierigen Zeit.

Das sagen die Bürgermeister

Alfred Meier (Lupburg): Mit ihrer Arbeit habe Lena Niebler einen wichtige Baustein zur Aufarbeitung der jüngeren regionalen Geschichte geleistet. Die 23 Jahre bezeichnete er als „dunkle Zeit“ für die Marktgemeinde. Bei der Anordnung einer Verwaltungsgemeinschaft habe die Regierung das Prinzip der kommunalen Selbstverwaltung mit Füßen getreten. Die Verwaltungsgemeinschaft sei eine „Totgeburt“ gewesen.

Josef Bauer (Parsberg): Als Mitarbeiter im Bürgerbüro der Verwaltungsgemeinschaft habe er Parsberg und Lupburg als Einheit betrachtet und die politischen Auseinandersetzungen oft nicht verstanden. Die Auflösung in seiner Zeit sei sauber abgelaufen und jetzt sehe man sich nebeneinander und schätze sich als Nachbarn. Er wünsche dem Markt Lupburg das Allerbeste, betonte der Parsberger Bürgermeister.

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