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Donnerstag, 20. September 2018 26° 1

Neumarkt

Schloss-Spiele Neumarkt feiern Premiere

Regisseurin Nicole Schymiczek entführt die Zuschauer in ein romantisches Zauberspiel. Es ist heiter und hat Charakter.
Von Gerd Schlittenbauer

Blanca Echániz Gerhard spielt den Alpenkönig. Foto: Gerd Schlittenbauer
Blanca Echániz Gerhard spielt den Alpenkönig. Foto: Gerd Schlittenbauer

Neumarkt.Auf ein romantisch-komisches Zauberspiel dürfen sich die Besucher der Schloss-Spiele freuen, die am Samstag um 20.30 Uhr mit ihrem neuen Stück „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ Premiere feiern. Regisseurin Nicole Schymiczek entführt die Zuschauer in die wundervolle Natur der Alpen, wo Astragalus herrscht. Er ist der Alpenkönig und dieser trifft im Stück von Ferdinand Raimund auf den Menschenfeind Rappelkopf.

„Das Stück ist heiter und leicht“, beschreibt Nicole Schymiczek aus Nürnberg bei der Probe das Werk, welches 1828 im Wiener Theater in der Leopoldstadt uraufgeführt worden war. Die Besucher erleben mystisch-romantische Szenen und eine Handlung mit gar psychologischem Hintergrund.

In diesem Jahr müssen die Schauspieler wegen der Bauarbeiten wieder auf die Wiese neben dem Pfalzgrafenschloss ausweichen – für den speziellen Charakter des Stückes ein Glücksfall, wie Nicole Schymiczek findet.

Märchenhaft und poetisch

Das Werk des 1790 in Wien-Mariahilf geborenen Ferdinand Raimund ist der Regisseurin schon auf der Schauspielschule begegnet: „Es ist märchenhaft und poetisch, hat Spaß und Witz. Das Stück ist sehr abwechslungsreich zum Zuschauen und ich hoffe, dass die Besucher einen schönen Abend erleben“, sagt Nicole Schymiczek.

Eigentlich sollte es dem vermögenden Rappelkopf blendend gehen: Er hat eine liebevolle Ehefrau, eine bestens geratene Tochter und lebt sorgenfrei als Frühpensionär auf seinem Landgut in den Alpen. Doch er ist zerfressen von Menschenhass und tyrannisiert seine ganze Familie. Den treuen Diener Habakuk verdächtigt er sogar des Mordkomplotts, nur weil dieser mit dem Küchenmesser eine Zichorie aus dem Garten holen wollte.

Hier finden Sie weitere Bilder von der Probe am Donnerstag:

Probe zu den Schloss-Spielen

Konflikt- und Lachpotenzial

Da greift der magische Alpenkönig Astragalus mit einer ebenso weisen wie theatralisch ergiebigen Therapie in das Geschehen ein: Der Alpenkönig verwandelt sich in Rappelkopf und Rappelkopf in seinen Schwager Silberkern. In der Gestalt seines Doppelgängers trifft Rappelkopf auf Rappelkopf - eine Konfrontation mit sich selbst inklusive jede Menge Konflikt- und Lachpotenzial.

Dies ist Wiener Volkstheater pur. Wegen des florierenden Rollentausches ist die Interpretation von Raimunds Stück gar nicht so einfach: „Es sind Schauspieler mit Erfahrung nötig“, sagt Regisseurin Nicole Schymiczek. Hauptdarstellerin Blanca Echániz Gerhard ist eine solche: Von Beginn an ist sie bei den Schloss-Spielen dabei: „Die künstlerische Leitung hat beschlossen, dass ich den Alpenkönig spiele“, sagt sie - und hat diese Rolle gerne angenommen. Spannend und neu für sie ist aber, „dass ich als eine Figur zwei Personen spiele, die unterschiedlich sind.“

Da heiße es „nicht viel nachdenken, einfach laufen lassen, ich stelle mir einfach die andere Person vor.“ Besonders anspruchsvoll sei es, „den vorher dargestellten Charakter auch in der zweiten Rolle zu übernehmen, denn man soll erkennen, wer sich in wen verwandelt hat“, sagt Blanca Echániz Gerhard.

Hier finden Sie weitere Informationen zu Tickets und Terminen:

Schloss-Spiele Neumarkt feiern Premiere

  • Premiere:

    30. Juni um 20.30 Uhr

  • Weitere Vorstellungen:

    Freitag, 6. Juli; Sonntag, 8. Juli; Freitag, 13. Juli; Samstag, 14. Juli; Freitag, 20. Juli; Samstag, 21. Juli; Donnerstag, 26. Juli; Freitag, 27. Juli; Samstag, 28 Juli - jeweils um 20.30 Uhr.

  • Eintrittskarten:

    Im Amt für Touristik, Rathauspassage, Telefon (0 91 81) 25 51 25; über www.neumarkt-ticket.de; über den TicketSHOP in der Sparkasse, Obere Marktstraße 52; an der Abendkasse. Reservierungen für die Abendkasse per E-Mail: karten@schloss-spiele-neumarkt.de; Eintritt: 15 Euro

Ein Spiegel wird vorgehalten

Dasselbe „Problem“ hat auch Herbert Beck, der den Bösewicht Rappelkopf spielt, der in seinen Schwager Silberkern verwandelt wird. „Es macht Spaß, den Bösen und Fiesling zu spielen“, sagte Herbert Beck bei der Generalprobe. Durch diese Rolle finde durchaus „eine Selbstreflexion“ statt: „Ich glaube, im Leben bin ich anders“, sagt Herbert Beck, „doch auch im Stück gelobt der Fiesling Besserung“.

Diese Selbstreflexion widerfuhr übrigens vor genau 190 Jahren auch dem Autoren Ferdinand Raimund, der sich das Stück sozusagen von der Seele schrieb. Schon von Zeitgenossen wurde erkannt, dass der Dichter - er wird neben Johann Nestroy als bedeutendster Vertreter des Wiener Volkstheaters geschätzt - mit der Doppelperson Rappelkopf/Astragalus ein Selbstbildnis schuf, in dem der Menschenfeind Wesenszüge seiner selbst trägt.

Anja Noel war in Neumarkt 190 Jahre nach der Uraufführung als Dramaturgin tätig und schrieb das Stück für die Schloss-Spiele um: „Die Sprache wurde modernisiert“, sagt die Regisseurin, die auch bewegliche Kulissen, Pyro und Nebel ins Theaterstück integriert hat.

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