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Tiere

Schulhunde lernen für den Unterricht

Bayernweit werden Hunde in Berching darauf trainiert, Kinder in Schulen zu besuchen. Die Vierbeiner müssen viel leisten.
Barbara Blaser

  • Uschi Stein mit Amee: Der eineinhalbjährige Kurzhaarcolli ist seit letztem Schuljahr mit in der Grundschule. Amee kann super trösten wenn jemand traurig ist. Er kann das Glücksrad drehen und liebt Kinder. Foto: Blaser
  • Die Ausbilderin der Schulhunde ist Nadine Kleber. Foto: Blaser

Berching.Luna, Elfi, Oskar und Amee lernten sich am vergangenen Sonntag in der Berchinger Grund- und Mittelschule kennen. Sie mussten nicht das ABC lernen, sie wurden als Schulhunde ausgebildet. Schulleiter Alwin Ferstl öffnete dafür gerne die Schule, da er selbst auch einen Hund besitzt und weiß, dass tiergestützte Pädagogik sehr gut sei. Leider findet es bisher noch wenig Berücksichtigung.

Dies hängt natürlich vom Engagement der Schule ab, und da will er gerne mit dazu beitragen. Sein Vorgänger Stefan Kleinod hat mit diesem Thema an der Schule angefangen. „Welche Ruhe diese zehn Hunde ausstrahlen, das überträgt sich auch auf die Kinder“, so Alwin Ferstl.

Ausbilderin Nadine Kleber Foto: Blaser
Ausbilderin Nadine Kleber Foto: Blaser

Nadine Kleber ist Lehrerin an einer Mittelschule in Alzenau bei Aschaffenburg und hat einen Arbeitskreis in Bayern übernommen und dabei den Verein gegründet. Sie besitzt selbst einen Labrador. Leni ist ihr Schulhund. Sie ist ganz begeistert von der Arbeit in der Schule mit dem Hund. Bereits vor Unterrichtsbeginn dürfen die Kinder unter Anleitung mit dem Hund spielen.

Hund im Unterricht

Leni darf an zwei bis drei Schultagen die Woche mit in den Unterricht. Freudestrahlend kommen an diesen Tagen die Kinder zum Unterricht. Leni ist ein großer Motivationseffekt. Ganz unterschiedlich werden die Hunde in der Schule eingesetzt. Zum einen gibt es Präsenzhunde, die einfach im Klassenzimmer am Schulalltag teilnehmen, der Unterricht läuft ganz normal ab. Es gibt auch eine Hunde AG. Im Wahlkurs wird einmal pro Woche dem Hund zum Beispiel vorgelesen. Und ganz besonders lieben die Kinder die Schulhundpause. An festgelegten Tagen dürfen drei Kinder in der Pause mit dem Hund spielen.

Ausbilderin der Schulhunde

Lehrer aus ganz Bayern kamen zur Ausbildung ihrer Hunde als Schulhunde nach Berching. Foto: Blaser
Lehrer aus ganz Bayern kamen zur Ausbildung ihrer Hunde als Schulhunde nach Berching. Foto: Blaser

Ganz verblüfft war die Schulhundeausbilderin über die große Resonanz der Anmeldungen. Welche Rasse für die Ausbildung in Frage kommen, kann man gar nicht sagen. Am Sonntag waren zehn verschiedene Arten von Hunden anwesend. Hohe Anforderungskriterien werden an einen Schulhund gestellt. So sollte der Hund ein ruhiges Wesen besitzen, freundlich und am Menschen orientiert und interessiert sein. Desweitern absolut verträglich mit Kindern, sehr guter Gesundheits-, Ernährungs- und Pflegezustand sowie eine stabile Bindung zum Besitzer haben. Eine geringe Stress- und Geräuschempfindlichkeit sowie hohe Impulskontrolle und die Freude am Lernen sind die Voraussetzungen zu einem guten Schulhund.

Kinder lieben Schulhunde

Martina Kleinod mit Oskar: Im nächsten Schuljahr darf Oskar mit in die Schule. Bisher war er nur bei der Mittagsbetreuung dabei. Oskar ist sehr gehorsam und lernt Kunststücke und das Einmaleins. Foto: Blaser
Martina Kleinod mit Oskar: Im nächsten Schuljahr darf Oskar mit in die Schule. Bisher war er nur bei der Mittagsbetreuung dabei. Oskar ist sehr gehorsam und lernt Kunststücke und das Einmaleins. Foto: Blaser

Martina Kleinod hat einen Australian Shepard, der Kinder liebt aber noch ziemlich jung ist. Oskar ist verspielt und freut sich immer, wenn er mit in die Schule darf. Schulhunde sind grundsätzlich für alle Schularten geeignet. Harald Trampert ist bei einem Pilotprojekt am Bistum Eichstätt in den Ganztagsunterricht mit seinem Hund Luna eingesetzt. Im sonderpädagogischen Förderzentrum Eichstätt ist der Hund immer willkommen.

„Ich hatte den Hund bei Interventionen mit großem Erfolg dabei.“

Hundebesitzer Harald Trampert

Krisenmanagement an Schulen

Harald Trampert mit Luna: Ich bin der einzige Lehrer mit dem Fach Religion, der einen Hund mitbringt. Luna darf im sonderpädagogischen Förderzentrum in Eichstätt zur Schule gehen. Die Kinder freuen sich, wenn der Hund dabei ist. Foto: Blaser
Harald Trampert mit Luna: Ich bin der einzige Lehrer mit dem Fach Religion, der einen Hund mitbringt. Luna darf im sonderpädagogischen Förderzentrum in Eichstätt zur Schule gehen. Die Kinder freuen sich, wenn der Hund dabei ist. Foto: Blaser

Außerdem haben Herrchen und Luna eine Ausbildung im Kriseninterventionsmanagement. Der Hund wirkt sehr beruhigend, ist blaulichtstabil und läuft als Begleithund in der psychosozialen Notfallversorgung der Feuerwehren. „Ich hatte den Hund bei Interventionen mit großem Erfolg dabei“, freut sich sein Besitzer Harald Trampert. Er ist Begründer von Krisenmanagement an Schulen.

60 Stunden für die Hunde

Eine Schulhundeausbildung bedarf mindestens 60 Übungsstunden und schließt mit einer theoretischen und praktischen Prüfung ab. Die Hundebesitzer müssen ein zehnminütiges Video drehen, das in einem Kolloquium besprochen wird. In dieser Zeit muss man die Entwicklung des Hundes sehen. Nicht jeder Hund ist geeignet. Da sollten die Hundebesitzer sich im Klaren darüber sein. Alle zwei Jahre müssen Fortbildungen gemacht werden und alle drei Monate ein Attest vom Tierarzt vorgelegt werden.

Anstrengender Schulalltag

Christa Martin mit Elfi: Der Lapradoodle kann Schultaschen tragen und liebt es, wenn ihm in englischer Sprache vorgelesen wird. Er hat auch schon sein erstes Zeugnis von den Schülern erhalten. Foto: Blaser
Christa Martin mit Elfi: Der Lapradoodle kann Schultaschen tragen und liebt es, wenn ihm in englischer Sprache vorgelesen wird. Er hat auch schon sein erstes Zeugnis von den Schülern erhalten. Foto: Blaser

Für die Hunde ist der Schulalltag manchmal ganz schön anstrengend. So dosieren die Besitzer genau die Stundenanzahl, die ihr Tier in der Schule gut verbringen kann. Falls Kinder Allergien gegen Hunde haben, können die Tiere nicht eingesetzt werden. Ansonsten gibt es nur positive Resonanz von allen Hundebesitzern, die bisher ihre Tiere in der Schule eingesetzt haben. (ubb)

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