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Beruf

Sie braucht Kraft und Feingefühl


von Heike Regnet

Sabrina Gögelein (2. v.l.) ist derzeit als Dorfhelferin in Döllwang im Einsatz. Foto: nrt

„Am besten gefällt mir die Abwechslung. Jeder Hof, jede Familie ist anders und gerade das finde ich super“, sagt Sabrina Gögelein. Die 21-Jährige ist eine der drei hauptamtlichen Dorf- und Betriebshelfer im Landkreis Neumarkt. Derzeit ist sie in Döllwang im Einsatz. Dort hilft sie bei der Stallarbeit – und das bedeutet für sie Arbeitszeiten von fünf bis neun Uhr und von 15 bis 19 Uhr. Tag für Tag.

Sie springen bei Engpässen ein

Etwa 2200 landwirtschaftliche Betriebe gibt es im Landkreis, rund 70 Prozent davon werden im Nebenerwerb geführt. Engpässe entstehen meist dann, wenn einer der Mitarbeiter am Hof krank wird. Die Arbeit muss trotzdem getan werden. In diesem Fall genügt ein Anruf beim Maschinen- und Betriebshilfsring Neumarkt – und Einsatzleiterin Roswitha Zacherl sorgt für rasche Hilfe.

Rund 26 000 Arbeitsstunden werden so Jahr für Jahr gebucht. Neben den drei hauptamtlichen Kräften stehen weitere 45 nebenamtliche Betriebshelfer bereit. „Damit kommen wir eigentlich ganz gut zurecht“, sagt Geschäftsführer Thomas Bayerl im Gespräch mit dem Tagblatt. „Manche Einsätze können ja auch längerfristig geplant werden, wie zum Beispiel bei Schwangerschaften. Dann können die Landwirte eine Hilfskraft während der Mutterschutzzeiten buchen.“

Voraussetzung für eine Dorfhelferin ist nach dem Schulabschluss die Ausbildung zur Hauswirtschafterin. Die machte Sabrina Gögelein in der Hauswirtschaftsschule in Ansbach. Im dritten Lehrjahr wechselte sie auf einen Milchviehbetrieb, lernte den Beruf der Dorfhelferin kennen und wusste sofort, dass das genau das Richtige für sie ist. Es folgte eine zweijährige Ausbildung auf der Dorfhelferinnenschule in Pfaffenhofen. Seit Mitte vergangenen Jahres ist sie als Dorfhelferin im Einsatz.

Am 1. Oktober wechselte sie in den Landkreis Neumarkt. „Die Stallarbeit mag ich am liebsten“, sagt sie. Früh aufzustehen macht ihr nichts aus. Und die Arbeit mit „den Viechern“ mache einfach mehr Spaß als immer die gleichen Handgriffe im Haushalt. „Auch persönlich bringt einem die Arbeit unheimlich viel“, sagt Gögelein. Da man ja stets mit Menschen zu tun habe, sei viel Feingespür gefordert. Denn meist kommt die Dorfhelferin in Notfällen zum Einsatz. Familienpsychologie und Soziologie sind daher auch Bestandteile der komplexen Ausbildung.

„Man muss schon viel Verantwortung übernehmen“, sagt die junge Dorfhelferin. Die Arbeit sei vielfältig und reiche vom Garten über den Stall bis hin zu Haushalt, zu Kinder- und Seniorenbetreuung. „Wichtig ist, dass man selbst nicht auf der Strecke bleibt“, sagt sie. Durch ihre Arbeit habe sie schon viele tragische Schicksale gesehen. „Wenn ich nach der Arbeit in mein Auto steige, dann sag ich mir: Jetzt ist wieder mei Zeit.“

Weiterbildung ist wichtig

„Es ist ein ganz wichtiger Dienst, den die Dorf- und Betriebshelfer leisten“, sagt der Geschäftsführer des Maschinenrings, Josef Schneider. Seit mehr als 50 Jahren gebe es Dorfhelfer und an Einsätzen mangle es nicht. Da sich viele landwirtschaftliche Betriebe zunehmend spezialisieren, seien auch Weiter- und Fortbildung wichtige Aufgabe für die Dorfhelfer. Das weiß auch Gögelein, die inzwischen die Prüfung zur Hauswirtschaftsmeisterin abgelegt hat. „Um richtig helfen zu können, musst du wissen, wie es geht“, sagt sie. An Motivation mangelt es ihr nicht – denn jeder Einsatz bringt etwas Neues.

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