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Politik

Sie kämpft gegen Krankheiten im Alter

Landtagswahl: Die Bayreutherin Christine Kellner kandidiert im Landkreis Neumarkt für die Partei der Gesundheitsforschung.
Von Eva Gaupp

Christine Kellner studiert Polymer- und Kolloidchemie an der Universität Bayreuth. Foto: Dominik Seibold
Christine Kellner studiert Polymer- und Kolloidchemie an der Universität Bayreuth. Foto: Dominik Seibold

Neumarkt.Frau Kellner, warum kandidieren Sie für den Landtag?

Ich finde, im Gegensatz zu den Themen anderer Parteien, betrifft das Thema der Partei für Gesundheitsforschung einfach alle. Viele Leute verdrängen, dass über 90 Prozent von uns im Alter an Alterskrankheiten wie Krebs, Alzheimer Herzinfarkt und Diabetes Typ 2 leiden. Ich möchte durch meine Kandidatur für den Landtag dazu beitragen, dass die Entwicklung dieser Medizin beschleunigt wird. Ich möchte, dass sich jeder die Frage stellt: Warum gibt es solche Krankheiten überhaupt noch?

Sie wohnen in Bayreuth, kandidieren aber für den Stimmkreis 303 Landkreis Neumarkt. Wie kam es dazu?

Unsere Partei sieht darin kein Problem, da mehr Forschung für bessere Medizin gegen Alterskrankheiten unser einziges Thema ist und dieses Thema an keinen bestimmten Stimmkreis geknüpft ist. In Oberfranken hatten wir bereits ausreichend viele Kandidaten, deshalb habe ich mich für die Oberpfalz auf-stellen lassen, wo ich auch oft bin, da mein Freund von dort herkommt.

Kennen Sie den Landkreis Neumarkt und seine strukturellen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen?

Das Gesundheitswesen ist nicht direkt unser Thema. Bei uns geht es wirklich nur um mehr Forschung für bessere Medizin, welche aber dementsprechend große Auswirkungen auf das Gesundheitswesen hat.

es wird zu wenig geforscht, um Alterskrankheiten zu vermeiden oder zu heilen, sagt Christine Kellner. Foto: Monika Skolimowska
es wird zu wenig geforscht, um Alterskrankheiten zu vermeiden oder zu heilen, sagt Christine Kellner. Foto: Monika Skolimowska

Warum bringen Sie sich in so einer kleinen und noch weitgehend unbekannten Partei ein?

Ich war zuvor kein Mitglied einer Partei, aber als ich von der Partei für Gesundheitsforschung hörte, hab ich kurz überlegt und musste zustimmen, dass es kein wichtigeres Thema als die Gesundheit gibt. Trotzdem fordert kaum jemand mehr Forschung gegen Alterskrankheiten. Wie kann das sein?

Wäre es nicht einfacher, dieses Thema in einer bereits sehr bekannten und etablieren Partei zu verankern?

Nein, weil sehr bekannte Parteien meist Themen wählen, die gerade im Trend sind und gut bei den Wählern ankommen. Wir haben eine schwierige Aufgabe, da wir ein langfristiges Thema ansprechen, das zwar alle betrifft, aber die meisten Leute bis sie betroffen sind, verdrängen. Deshalb denken wir, dass Öffentlichkeitsarbeit gegen Alterskrankheiten der richtige Weg ist.

Die Partei für Gesundheitsforschung befasst sich bewusst nur mit einem Thema. Worum geht es genau?

Mit den heutigen Technologien und neuen medizinischen Ansätzen, haben wir eine gute Chance, wirksame Medizin gegen alle Alterskrankheiten in naher Zukunft zu entwickeln. Wir wollen diese Entwicklung beschleunigen.

Zahlreiche alte Menschen leiden an Demenz. Foto: Jens Kalaene
Zahlreiche alte Menschen leiden an Demenz. Foto: Jens Kalaene

Haben Sie konkrete Ideen, wie diese Forschung aussehen und wo sie stattfinden könnte?

Da ich viel von der Biochemie- und Chemie-Forschung in meiner Universität in Bayreuth mitbekomme, weiß ich wie unnachgiebig junge Wissenschaftler an Lösungen zu solchen Problemen arbeiten.

Ich weiß auch, dass man mit mehr Geld viel mehr Leute einstellen, mehr Testreihen ansetzen und somit mehr bedeutsame Ergebnisse produzieren kann. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass mehr staatliche Forschungsinstitute gebaut und entsprechende Fachbereiche an den Universitäten ausgebaut werden.

Der Haushalt des Freistaats Bayern umfasst für 2018 rund 61 Milliarden Euro. Das bedeutet, 610 Millionen Euro sollen allein für die Erforschung von Alterskrankheiten ausgegeben werden. Wie ist das Ihrer Meinung nach finanzierbar?

Wir fordern ein Prozent zusätzlich, also 610 Millionen Euro zusätzlich zu der jetzigen Forschung. Jeder von uns würde davon unglaublich profitieren, weil fast jeder von uns im Alter an Alterskrankheiten leidet. Deshalb denken wir, dass es gerechtfertigt wäre, das eine Prozent dort abzuziehen, wo es nicht wirklich nötig ist. Wo genau, das ist schwierig zu sagen, da sich die Verteilung der Haushaltsgelder im Freistaat ständig ändert. Es ist eine Frage der Priorität. Wie wichtig ist es uns, dass niemand an Alterskrankheiten leiden muss?

Ein Prozent des bayerischen Landeshaushalts soll für die Erforschung von Alterskrankheiten ausgegeben werden, fordert die Partei. Foto: Sven Hoppe/dpa
Ein Prozent des bayerischen Landeshaushalts soll für die Erforschung von Alterskrankheiten ausgegeben werden, fordert die Partei. Foto: Sven Hoppe/dpa

Warum sehen Sie hier vor allem den Staat in der Pflicht? Hat nicht auch die Privatwirtschaft ein Interesse daran, Medikamente und Therapien für Alterskrankheiten zu erforschen und zu entwickeln? Schließlich ist der Markt groß und es ließe sich damit Geld verdienen.

Die Industrie investiert meist nur dort, wo kurzfristig relativ sicher Gewinne zu erzielen sind. Wenn weiter so geforscht wird wie zurzeit, wird diese Medizin auch irgendwann entwickelt werden. Wir wollen durch mehr staatliche Investitionen diese Entwicklung beschleunigen.

Die Partei für Gesundheitsforschung tritt das erste Mal zur Landtagswahl in Bayern an. Welche Chancen errechnen Sie sich und für Ihre Partei?

Unser Problem ist, dass wir noch so unbekannt sind. Bei der Landtagswahl in Berlin 2016 hatten wir bereits 0,5 Prozent der Zweitstimmen erhalten. Wegen unserer Unbekanntheit denke ich, dass wir nicht mehr als ein Prozent der Stimmen bekommen werden aber bestimmt mehr Leute anregen, sich darüber Gedanken zu machen und vielleicht der Partei beizutreten.

Hier erfahren Sie Persönliches der Kandidatin:

Christine Kellner persönlich

  • Alter:

    27

  • Beruf:

    Studentin der Polymer- und Kolloidchemie

  • Familienstand:

    ledig

  • Wohnort:

    Bayreuth

  • Hobbys:

    Reisen, Kochen, selber Kosmetik herstellen

  • Parteimitglied:

    seit 2015

  • Politische Ämter:

    Stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Bayern

  • Motivation:

    „Der Grund für mein politisches Engagement besteht darin, dass ich etwas verändern möchte, das ich so essenziell für alle Menschen finde – nämlich lange leben und gesund bleiben. Für mich gibt es keine wichtigere Frage. Nur das Problem ist, keiner beschäftigt sich mit dem Altern bis es zu spät ist. Auch mein liebstes Familienmitglied, meinen Opa, habe ich in einem hässlichen Kampf mit einer Alterskrankheit verloren, die es nicht geben müsste.“

Ist geplant, die Partei auch auf lokaler Ebene aufzustellen – zum Beispiel durch einen Kreisverband Neumarkt?

Ja, das haben wir vor. Unser Ziel ist es weiter zu wachsen und unser Thema bekannter zu machen.

Wird es vor der Wahl am 14. Oktober Informationsveranstaltungen Ihrer Partei im Landkreis Neumarkt geben?

Bis jetzt ist noch nichts Konkretes im Landkreis Neumarkt geplant. Aber im Internet haben wir in einem kurzen Absatz unser ganzes Parteiprogramm aufgelistet.

Bayern bedeutet für mich ...

Wandern und das beste Bier der Welt.

Die Wähler wünschen sich ...

jemanden, der ihre Probleme versteht und sie nicht anlügt.

Als Kind wollte ich ...

viele naturwissenschaftliche Phänomene verstehen, die mir leider keiner erklären konnte.

Wandern und Bier – das mag Christine Kellner an Bayern. Foto: Karl-Josef Hildenbrand
Wandern und Bier – das mag Christine Kellner an Bayern. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Ich habe die Nase voll von …

Krankheiten, die Leben und Familien zerstören.

Ich bin glücklich, wenn …

ich etwas Leckeres esse oder etwas Neues lerne.

Mein Vorbild ist ...

meine Professorin und Gretta van Riel (Anmerkung: Die sehr erfolgreiche Unternehmerin aus Australierin hat mit 22 Jahren ihr erstes Unternehmen gegründet.) Beides Powerfrauen, die in einem Umfeld, das männerdominiert ist, so hart arbeiten, dass keiner mehr Fragen hat.

Wenn es mir schlecht geht ...

nehme ich ein warmes Bad und schaue alte Filme an. Das hilft immer.

Mein Wecker klingelt um ...

6 Uhr, so kann ich noch eine Runde joggen gehen oder Yoga machen, bevor ich ins Labor gehe.

Weitere Hintergründe zur Landtagswahl sowie die Porträts der anderen Direktkandidaten für den Landkreis Neumarkt finden Sie in unserem MZ-Spezial.

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