mz_logo

Region Neumarkt
Mittwoch, 15. August 2018 25° 3

Bildung

Sie sorgen sich um ihre Kinder

Die Hohenfelser Viertklässler müssen immer wieder auf eine eigene Lehrerin verzichten. Die Eltern fordern eine Vertretung.
Von Peter Tost

Hohenfelser Eltern gehen an die Öffentlichkeit, weil sie die Vorbereitung der Viertklässler auf weiterführende Schulen in Gefahr sehen. Fotos: Tost
Hohenfelser Eltern gehen an die Öffentlichkeit, weil sie die Vorbereitung der Viertklässler auf weiterführende Schulen in Gefahr sehen. Fotos: Tost

Hohenfels. Hohenfels. „Wir möchten uns an die Öffentlichkeit wenden, damit unsere Sorgen als Eltern endlich wahrgenommen werden und auch oben ankommen“, sagt Nicole Müller, deren Tochter die vierte Klasse der Grundschule Hohenfels besucht. „Wir Eltern der vierten Klasse sind aufgebracht, weil wir die mangelnde Vertretungssituation schon einige Jahre erleben. Unsere Kinder wurden bereits in den ersten beiden Klassen über längere Zeit immer wieder vertreten oder nur beaufsichtigt, wenn wieder mal keine mobile Reserve zur Verfügung stand.“

In der dritten Klasse habe es erfreulicherweise keine größeren Schwierigkeiten gegeben und glücklicherweise hätten die Kinder dank des Einsatzes der neuen Klassenlehrerin sehr viel Stoff aufholen können. Nun in der vierten Klasse sei die Klassenlehrerin leider immer wieder länger krank, so auch derzeit.

Harsche Kritik am Schulamt

Die Grundschule wurde für 1,4 Millionen Euro generalsaniert.
Die Grundschule wurde für 1,4 Millionen Euro generalsaniert.

Obwohl seit Anfang des Jahres beim Schulamt bekannt sei, dass die Lehrerin spätestens ab Anfang Juli erneut ausfallen werde, sei keine Vertretung für die immerhin noch vier Wochen Unterricht im Juli in Aussicht gestellt werden. Geschweige denn habe sich das Schulamt darüber Gedanken gemacht, was passiert, sollte die Lehrerin schon früher ausfallen. Das Schulamt verschließe stattdessen die Augen und verstecke sich hinter Floskeln wie „uns ist die Situation bekannt, wir können aber nichts tun“ und unternehme keine sichtbaren Anstrengungen, auch nur irgendwie eine Lösung finden zu wollen, klagt Nicole Müller.

„Für uns Eltern ist es nicht hinnehmbar, dass unsere Kinder Nachteile erleiden müssen, nur weil gerade die Schülerzahlen an der Schule gering sind. Entweder man steht zu den kleinen Schulen und nimmt sie und ihre Probleme auch wahr oder man schließt diese Schulen und verteilt die Kinder auf andere Gemeinden. Ob das allerdings wirklich im Sinne der Eltern und Kinder wäre, lasse ich mal dahin gestellt.“

„Ich glaube nicht, dass es die richtige Vorbereitung aufs Gymnasium ist, eine Viertklässlerin in eine zweite Klasse zu stecken“

Mutter einer Viertklässlerin

Lehrer und Schulleiter von kleineren Schulen fühlten sich mittlerweile macht- und hilflos, weil von Seiten der Schulaufsicht kaum Unterstützung angeboten werde. „Ich bin mir sicher, dass dies kein Einzelfall einer kleinen bayerischen Gemeinde ist, sondern dass es auch anderen kleinen Schulen ähnlich ergeht“, betont Müller.

Und: „Im Kindergartenbereich gibt es einen gesetzlich vorgeschriebenen Betreuungsschlüssel, wie viel Personal für wie viele Kinder notwendig sind. In der Schule gibt es das leider nicht.“ Die Viertklässler würden derzeit auf die zweite und die dritte Klasse aufgeteilt und dort mit Arbeitsblättern beschäftigt, sagt Nicole Müller.

„Ich habe Verständnis dafür, dass die Eltern besorgt sind, aber ich habe auch kein Personal“, sagt Bürgermeister Bernhard Graf. Dafür sei das Schulamt zuständig. Jedenfalls sei die Schulleiterin bemüht, das Beste aus der Situation zu machen. „Ich kann nur mit dem Personal arbeiten, das ich habe“, sagt Schulleiterin Teresa Brey – und verweist für Fragen zur Personalsituation ebenfalls ans zuständige Schulamt in Neumarkt.

Kinder werden aufgeteilt

Schulamtsdirektor Dieter Lang erklärt auf Nachfrage des Tagblatts, dass zwar mobile Reserven zur Verfügung stünden, allerdings nicht in ausreichendem Umfang. „Mit der organisatorischen Maßnahme, dass die Viertklässler auf andere Klassen aufgeteilt werden, haben wir eine Lösung gefunden.“

Man sei zwar ständig mit der Regierung der Oberpfalz in Kontakt, aber es gebe derzeit kein zusätzliches Personal. „Deshalb sind Lösungen vor Ort notwendig.“ Andere Schulen würden sich sogar bewusst für Kombi-Klassen entscheiden. Auch die Klassen-Höchststärke werde dadurch nicht überschritten, so dass den Kindern keine Nachteile entstünden.

Das sehen die Eltern, die sich für ein Pressefoto zur Verfügung stellen, allerdings anders: „Ich glaube nicht, dass es die richtige Vorbereitung aufs Gymnasium ist, eine Viertklässlerin in eine zweite Klasse zu stecken“ sagt eine Mutter. Die schulischen Leistungen hätten sich dadurch deutlich verschlechtert, was ein Vater für seinen Sohn ebenfalls bestätigt. Eine andere Mutter klagt: „Man fragt sich, warum man sein Kind überhaupt in die Schule schickt, wenn es dort nur Arbeitsblätter ausfüllt.“

Antworten gibt es bei der Schulaufsichtsbehörde auch nicht. Die Pressestelle der Regierung der Oberpfalz teilt auf Anfrage lediglich schmallippig mit, dass für die Personalsituation das Schulamt in Neumarkt zuständig sei.

Lesen Sie mehr

Weitere Nachrichten aus der Region Neumarkt finden Sie hier.

Die Grundschule Hohenfels

  • Sanierung

    Erst vor zwei Jahren war die Grundschule für 1,4 Millionen Euro generalsaniert worden. Das Gebäude war Anfang der 1970er Jahre als Erweiterungsbau für die 1958 eingeweihte neue Grund- und Hauptschule errichtet worden. Als 2002 die eigene Hauptschule komplett aufgeben musste, wurde größtenteils nur noch der Erweiterungsbau als Grundschule genutzt. Bis auf den Ersatz des undichten Flachdachs im Jahr 2004 wurde an dem Gebäude nichts gemacht.

  • Kraftakt

    2010 wurde deshalb eine Komplettsanierung für 1,4 Millionen Euro beschlossen, die zu einem knappen Drittel von der Regierung gefördert wurde. Die Planung war auf drei bis vier Jahre ausgelegt, da es für Hohenfels doch ein finanzieller Kraftakt war. Dass es sechs Jahre wurden, lag an der Sanierung des Kindergartens. Diese musste dazwischengeschoben werden, um die räumlichen Voraussetzungen für eine Kinderkrippe und entsprechende Betreuungsmöglichkeiten zu schaffen.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht