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Kraftsport

Sie ziehen ihre Gegner über den Tisch

Familie Felner aus Erasbach hat sich dem Fingerhakeln verschrieben. Vater Siegfried hat erst einen großen Erfolg gefeiert.
Von Hans Gleisenberg

Im familieneigenen Kraftraum bereiten sich die Männer auf ihre Wettbewerbe vor. Foto: Gleisenberg
Im familieneigenen Kraftraum bereiten sich die Männer auf ihre Wettbewerbe vor. Foto: Gleisenberg

Reichertshofen.Jemand über den Tisch ziehen ist, nimmt man die Redensart zum Anlass, nicht die feine Art. Denn dabei zieht einer immer den Kürzeren. Befragt man das Mundart- Lexikon, so steht da geschrieben, dass dieser Redewendung eine urbayerische Sportart, das Fingerhakeln, zugrunde liegt. Denn da wird mittels eines Lederrings versucht, den Gegner tatsächlich über den Tisch zu ziehen.

Diese Sportart genießt im Hause Felner in Erasbach einen großen Stellenwert. Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Familie befasse sich nur mit Fußball. Denn eine FC Bayern-Fahne weht vor dem Haus. Doch das Herz von Siegfried, Gerlinde und Benedikt Felner gehört dem Fingerhakeln. Seit 1995 frönt Siegfried Felner dem Sport und hat bei Bayerischen, Deutschen oder Alpenländischen Turnieren schon gute Plätze erzielt.

Bei der Bayerischen Meisterschaft in Sulzbach-Rosenberg wurde Siegfried Felner nach seinem Sieg von seinen Fans in die Luft gehoben. Foto: Benedikt Felner
Bei der Bayerischen Meisterschaft in Sulzbach-Rosenberg wurde Siegfried Felner nach seinem Sieg von seinen Fans in die Luft gehoben. Foto: Benedikt Felner

Doch am 6. Mai war der Gewinn der Bayerischen Meisterschaft, Kategorie Senioren Ü 40, in Sulzbach Rosenberg, die Krönung seiner 23. jährigen Karriere. Im Gespräch mit den Felners wurde dann auch deutlich, mit welcher Akribie hier dieser Sport betrieben wird. „Nur nichts dem Zufall überlassen“ ist hier die Devise, wovon auch ein stattlicher Trainingsraum im Keller der Familie zeugt. Neben den üblichen Trainingsgeräten darf die Fingerhantel natürlich nicht fehlen. Sie ist die Grundlage für eine kräftige Hand und vor allem den Mittelfinger. Kein Wunder, dass auch Sohn Benedikt (14) in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist und „Am Tisch“ schon Erfolge erzielt hat.

Der 48-jährige Berufsfeuerwehrmann nimmt aber auch seine Gerlinde mit ins Boot: „Sie hält uns in allen Belangen den Rücken frei, kümmert sich um Ausrüstung und Termine – und wir sind bei ihr auch ernährungstechnisch in den besten Händen“, so der Ehemann mit einer Lobeshymne auf seine bessere Hälfte.

Doch was wäre das alles ohne einen funktionierenden Verein. „Beim ersten Oberpfälzer Fingerhakel-Verein Reichertshofen sind wir bestens aufgehoben. Den Verein gibt es seit 1978 und seitdem hat er sich einen großen Namen gemacht. Den Anstoß für die Gründung gab damals Metzgermeister Karl Blomeier, Gründungsvorstand war Bäckermeister Franz Härtl und von da an ging es für die Reichertshofener Fingerhakler immer bergauf. Anfangs von vielen noch belächelt, zählt der Verein aktuell 91 Mitglieder. Felner ist seit 1997 stellvertretender Vorsitzender und unterstützt den Vorsitzenden Günter Seitz in allen Belangen.

„In meinen Kämpfen ist erst einer der Lederriemen gerissen. Doch ich wünsche mir, dass noch viele dazu kommen“, sagt Felner zu seiner Zukunft. So wollen die Reichertshofener ihre Erfolge, 2017 hatte man mit Ferdinand Seitz einen Deutschen Meister in seinen Reihen, fortsetzen. Gelegenheiten gibt es am 8. Juli in Steingaden bei der Deutschen und am 26. August bei der Alpenländischen Meisterschaft.

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