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Politik

Siegfried Hauff: Anpacken statt Meckern

Der Pyrbaumer Industriekaufmann will für die Grünen in den Landtag. Er fordert jeden Einzelnen auf, sein Leben zu ändern.
Von Eva Gaupp

Siegfried Hauff wurde durch die Bundestagswahl 2017 inspiriert, sich bei den Grünen zu engagieren. Foto: Gaupp
Siegfried Hauff wurde durch die Bundestagswahl 2017 inspiriert, sich bei den Grünen zu engagieren. Foto: Gaupp

Pyrbaum.Ich kandidiere für den Landtag, weil ...

das Mitanpacken, die sichtbaren Herausforderungen anzugehen, dort am besten geht.

Werde ich nicht in den Landtag gewählt, ...

ist es nicht schlimm, weil es mir darum geht, die Grünen zu stärken, den Grünen eine Stimme zu verschaffen. Das hat Priorität.

Die Grünen fordern einen größeren Anteil ökologischen Landbaus. Foto: Daniel Naupold/dpa
Die Grünen fordern einen größeren Anteil ökologischen Landbaus. Foto: Daniel Naupold/dpa

Meine zwei wichtigsten politischen Ziele für die neue Legislaturperiode sind ...

eine Veränderung in der Landwirtschaft zu bewirken, hin zu mehr ökologischer Landwirtschaft. Der Boden muss wieder mehr als unsere Lebensgrundlage verstanden werden. Und das Zweite ist, den Menschen mehr zu berücksichtigen. Mehr zurück zu dem sozialen Ursprung unserer Gesellschaft. Wir sind zu sehr profitorientiert. Da muss sich ein Wertewandel vollziehen.

In der Flüchtlingspolitik ...

geht es um Menschen. Wer aus einem Kriegsgebiet kommt, muss laut entsprechender Gesetzgebung aufgenommen werden. Für mich ist der unsägliche Populismus ein rotes Tuch. Er lenkt nur von den eigentlichen Problemen ab. Das ist menschenverachtend.

Bezahlbarer Wohnraum ...

muss auf jeden Fall wieder geschaffen werden. Und da muss das Primat die Politik ausüben. Das heißt, auch die Städte und Gemeinden muss wieder mehr in den Wohnungsbau investiert werden. Der Verkauf von Sozialwohnungen ist einer der größten Fehler, die man hier machen kann. Wir sprechen heute auch von Alleinerziehenden oder Pflegern und von Berufen, die mit Mindestlöhnen abgespeist werden. Diese Menschen brauchen sozialen Wohnraum, denn sie können sich keine Luxuswohnungen leisten. Ein privater Investor wird natürlich immer versuchen, den höchstmöglichen Profit zu suchen.

Bayern bedeutet für mich ...

meine Heimat. Und Bayern bedeutet für mich auch ein Land mit einer sehr tief verwurzelten Kultur. Mit unheimlich tollen Menschen, mit einer Vielfalt an Dialekten. Es ist einfach liebens- und lebenswert.

Auf dem flachen Land bräuchte es ein besseres Bussystem, sagt Hauff. Und vor allem einfachere Ticket-Tarife. Foto: Uwe Zucchi
Auf dem flachen Land bräuchte es ein besseres Bussystem, sagt Hauff. Und vor allem einfachere Ticket-Tarife. Foto: Uwe Zucchi

Für den ländlichen Raum ...

wünsche ich mir eine schnellere Digitalisierung, viel mehr öffentlichen Nahverkehr, weniger Tarifdschungel – Fahrkarten „Von Haustür zu Haustür“ wären das Beste. Und ich wünsche mir, dass der ländliche Raum nicht verliert, sondern gewinnt. Das heißt auch, dass die Landschaft für den Menschen als Erholungsraum und für Pflanzen und Tiere als Lebensraum erhalten bleibt und nicht zersiedelt wird. Ich denke hier beispielsweise an das Kernwegenetz, im Zuge dessen Wege – auch im Wald – asphaltiert werden sollen. Oder das Beispiel Abwanderung: Es gibt Gemeinden, die etwas tun, damit die jungen Leute nicht abwandern. Viel zu häufig ist die Realität eine andere. Junge Leute finden keine Arbeit und wandern ab. Viele machen heute keine Ausbildung mehr, sondern wollen studieren. Und das kann ich nur dort, wo Universitäten sind. Deshalb muss der ländliche Raum entsprechend gestärkt werden, damit sich nicht alles auf die Städte konzentriert.

Die Wähler wünschen sich ...

in Bayern auf jeden Fall eine andere Politik, keine autokratische, populistisch wirkende, sondern eine menschenzugewandte Politik.

In der Bildungspolitik setze ich mich ein für ...

die Stärkung auch des ländlichen Bereichs, kein Aufgeben von Schulen oder von Zweihäusigkeit, eine andere Förderung – durchaus mehr Lehrer. Wir können uns in der Bildung auch zu Tode sparen, indem wir zu wenige Lehrer einstellen oder Lehrer zu Beginn der Schulferien entlassen, um dann zu sagen: „Danach können Sie wieder kommen“, wie dies in diversen Bundesländern passiert. Bildung ist die Grundlage für eine funktionierende Gesellschaft. Wenn ich einen hohen Bildungsstand habe, funktioniert eine Gesellschaft und wenn eine Gesellschaft merkt, dass es gerecht zugeht, wird sie auch stärker zusammenhalten.

Als Kind wollte ich ...

so gut sein wie Rudi Altig im Fahrradfahren – und Fahrradprofi werden.

18 Millionen Tonnen Lebensmittel sollen in Deutschland jährlich auf dem Müll landen, heißt es in einem Bericht des WWF. Foto: Frank May
18 Millionen Tonnen Lebensmittel sollen in Deutschland jährlich auf dem Müll landen, heißt es in einem Bericht des WWF. Foto: Frank May

Ich habe die Nase voll von …

überzogenem Profitdenken, von Lobbyismus und vom Umgang mit unseren Lebensmitteln.

Ich bin glücklich, wenn …

ich in unserem Garten unterm Obstbaum sitze und wenn ich das Gefühl habe, dass die Menschen, mit denen ich an diesem Tag zusammen war, auch glücklich sind.

Mein Vorbild ist ...

Mahatma Gandhi, er hat in sich geruht und war gewaltlos.

Wenn es mir schlecht geht ...

dann suche ich mir Menschen, an denen ich mich orientieren kann. So kann ich Kraft schöpfen, um der Situation gewachsen zu sein.

Den letzten Blumenstrauß, den ich verschenkt habe, war für ...

meine Frau. Aber ohne Anlass, einfach so.

Mein Wecker klingelt um ...

7 Uhr.

Hoffentlich lässt die Dürre dieses Sommers die Menschen umdenken, sagt Siegfried Hauff. Foto: Zsolt Czegledi
Hoffentlich lässt die Dürre dieses Sommers die Menschen umdenken, sagt Siegfried Hauff. Foto: Zsolt Czegledi

Im Umwelt- und Klimaschutz ...

möchte ich mithelfen, dass die Menschen verstehen, dass wir unser Verhalten ändern müssen und jeder dazu beitragen muss. Also nicht nur mit dem Finger auf andere zeigen. Ich hoffe, es ist nach diesem Extrem-Sommer keine Eintagsfliege im öffentlichen bewusstsein – wo Bäume so vertrocknen, dass sie ganze Äste abwerfen, der Boden aufreißt und nichts mehr wächst, so dass die Bauern Futter zukaufen müssen. Wenn wir uns nicht bewusst machen, dass die extremen Wettersituationen an unserem Verhalten liegen, werden wir uns wohl an derartige Szenarien gewöhnen müssen.

Familien brauchen ...

mehr Unterstützung – weniger Bürokratie. Und da die Familie, egal in welcher Form, der Kern der Gesellschaft ist, braucht sie auch Schutz. Egal, ob das nun eine alleinerziehende Mutter ist oder eine Familie mit Vater und Mutter.

„Wir wollen den Verbraucherschutz in Bayern stärken“, schreibt der grüne Landesverband. Das bedeutet ...

dass wir auf jeden Fall eine bessere Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel brauchen. Es wird sich immer gewehrt gegen Ampeln (Anmerkung: Sie könnten den Gehalt gesundheitsrelevanter Nährstoffe angeben). Ich wünsche mir: Wenn man heute verpackte Lebensmittel in die Hand nimmt, muss darauf stehen, wo sie herkommen und wie sie verarbeitet worden sind. Wünschenswert wäre es, wir verzichten auf Convenience-Produkte und kaufen mehr Unverpacktes. Das würde auch die Landwirtschaft stärken. Wir schmeißen, glaube ich, 18 Millionen Tonnen Lebensmittel jedes Jahr in Deutschland weg. Das kann nicht sein. Das ist Verschwendung.

Laut Wahlprogramm soll jeder straffrei 15 Gramm Cannabis als Eigengebrauch besitzen dürfen.

In Bayern ist die Auslegung des Betäubungsmittelgesetzes besonders streng. Unbescholtene Bürger werden zu Unrecht kriminalisiert und Ressourcen der Polizei unnötig gebunden – das muss aufhören. Erwachsene sollten Cannabis legal erwerben können, damit der Schwarzmarkt, wo es weder Jugend- noch Gesundheitsschutz gibt und die Gefahr besteht gestrecktes, verunreinigtes Cannabis zu erhalten, ausgetrocknet werden kann.

Die Porträts weiterer Landtagskandidaten aus dem Landkreis Neumarkt finden Sie in unserem MZ-Spezial.

Siegfried Hauff persönlich

  • Alter:

    53

  • Familienstand:

    verheiratet, ein Sohn

  • Wohnort:

    Pyrbaum

  • Beruf:

    Industriekaufmann

  • Politischer Werdegang:

    seit der Bundestagswahl 2017 Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen

  • Politische Funktionen:

    Vorsitzender des Ortsverbands Pyrbaum

  • Hobbys:

    Sport, vor allem die Sportarten des Triathlons wie Laufen und Radfahren – jedoch keine Wettkämpfe

  • Motivation:

    „Meine Motivation, mich politisch zu engagieren, ist, nicht nur zu motzen, sondern mit anzupacken. Es gibt für alle Herausforderungen Lösungen. Man sollte aber alles nicht nur den anderen überlassen. Für mich hat die Bundestagswahl schon einen Ausschlag gegeben. Die Grünen machen die Politik, die meiner Einstellung am nächsten kommt. Da kann ich mich am Besten einbringen.“

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