mz_logo

Region Neumarkt
Donnerstag, 20. September 2018 28° 1

Ideenbörse

So kann jeder Neumarkter der Erde helfen

Die Stadt zeigte vor dem Rathaus den Bürgern, was in Neumarkt an Nachhaltigkeit geboten wird. Ein Selbsttest gehörte dazu.
Von Lothar Röhrl

Um den „ökologischen Fußabdruck“ des einzelnen, den er auf der Erde hinterlässt, ging es bei jeder der 34 Fragen im Selbsttest.Foto: Röhrl
Um den „ökologischen Fußabdruck“ des einzelnen, den er auf der Erde hinterlässt, ging es bei jeder der 34 Fragen im Selbsttest.Foto: Röhrl

Neumarkt.Nachhaltigkeit und Stadt Neumarkt: Wer bisher Zweifel hatte, dass das tatsächlich zusammenpasst, sollte sich am Freitagnachmittag überzeugen lassen. Diese Idee war wohl der Pate einer Ansammlung von Ständen auf dem Rathausplatz. Ein Dutzend Akteure zeigten, was die Stadtverwaltung und das Landratsamt dafür tun. Und auch, wie jeder Neumarkter im Sinne der Nachhaltigkeit seinen Alltag gut meistern könnte. Somit sollte es am Tag der Nachhaltigkeitskonferenz im Reitstadel bürgernahe Antworten auf Brennpunkte der Zeit geben. Für diese stehen Stichworte wie Plastikmüll, Insektensterben, Vergeudung von Wasser und anderen Rohstoffen.

Die „Börse“ genannte Zusammenstellung vor dem Rathaus wollte zeigen, welche Behörden und Vereine es in Neumarkt gibt, an die sich Bürger wenden können, wenn sie Hilfe benötigen. Vom Konzept hier schien der Leitspruch „Selbsterkenntnis ist der beste Weg zur Besserung“ im Mittelpunkt zu stehen: Das wurde optisch vom Eine Welt Laden Neumarkt durch genau 32 überdimensionale, in vier Farben gehaltene Fußspuren ausgedrückt. Auf jeder war eine Frage zum persönlichen Verhalten bei Energie, Konsum, Ernährung und Mobilität. Hierzu gab es vier jeweils gleiche Antworten, für die es unterschiedlich viele Punkte gab.

Null Punkte zählten am meisten

So wurde nach dem Einsatz von LED-Leuchten gefragt: Kein Punkt gab es dabei für die Antwort „Immer“; von eins bis drei steigerte sich die Wertung für die Antworten „meistens“ über „selten“ bis „nie“. Die erzielte Punktzahl ergab den „ökologischen Fußabdruck“, den jeder Teilnehmer auf der Erde hinterlässt. Wer auf bis maximal 20 Punkte kam, dem wurde bescheinigt, dass sein Lebensstil nachhaltig sei. Würden sich alle Bewohner der Erde auch so verhalten, könnte ihr benötigter Verbrauch von Rohstoffen und Energie gedeckt werden. Wer auf 80 bis 150 Punkte kam, bewegte sich im deutschen Durchschnitt. Bei mehr als 150 musste sich der Teilnehmer vorhalten lassen, dass die Erde schon kollabiert wäre – würden sich alle anderen Menschen auch so verhalten.

Dieser Film zeigt, wie sich die Ökomodellregion Neumarkt eine nachhaltigere Landwirtschaft vorstellt:

Video: Lothar Röhrl

Was in der Kleinstadt Neumarkt für einen entsprechend nachhaltigen Lebensstil getan werden kann, zeigten die Betreiber der Stände. Dabei überwogen Angebote, wie Müll vermieden werden kann. Wie sehr die Bevölkerung in der Kreisstadt und im Kreisgebiet gefordert ist, zeigten Walter Schardt-Pachner und Walter Eglseer vom Landratsamt an der Menge des anfallenden Restmülls an. Waren es 1991 pro Jahr noch unter 100 Kilogramm pro Kreisbewohner gewesen, sind es aktuell 123 – obwohl nach 1991 Angebote zur Mülltrennung wie „Gelber Sack“ und Biomüll-Abfuhr eingeführt worden waren. Schardt-Pachner verwies auf das Problem, dass zunehmend Bioabfall wieder im Restmüll lande. Das könne durch Anlegen einer Kompostierung im eigenen Garten oder den Anschluss an die vom Landkreis angebotene Biomüllabfuhr vermieden waren. Passen musste Walter Eglseer auf die Mittelbayerische-Frage, ob der Kreis denn genau wisse, was mit dem Inhalt von „Gelben Säcken“ passiere. Anders als bei Kompost (Schlierfermühle), Altpapier (Sortieranlage Edenharder) oder Metall (Nürnberg) sei beim „Gelben Sack“ die Privatwirtschaft zuständig. Um üble Nachrichten wie das Landen von in Deutschland gesammelten gelben Säcken auf wilden Deponien in Afrika zu vermeiden, wünschte sich Eglseer den Übergang der Zuständigkeit auf alle deutschen Kommunen.

Nicht allein waren beide Herren vom Landratsamt an diesem Nachmittag mit ihrer Einschätzung, dass an den steigenden Müllmengen der Hang der Konsumenten zu „möglichst billig“ und „immer auf Höhe der Mode sein“ schuld ist. Das Sinken der Qualität etwa von Kleidung, Möbel und technischen Geräten sei die Folge.

Weiterverwerten statt Sperrmüll

An diesem Nachmittag wurde aber nicht nur geklagt. Es gab auch positive Zeichen im Sinne der Organisatoren. So von Ludwig Feierler, dem Geschäftsführer der CAH (Christliche Arbeiterhilfe Neumarkt). Er freute sich, dass zusammen mit der Freiwilligen Agentur Neumarkt jetzt auch in Neumarkt ein Repair-Café in den CAH-Räumen an der Goldschmidtstraße angeboten wird. Allgemein stellte er fest: „Die Leute haben Freude am Weiterverwerten entdeckt. Die Lösung Sperrmüllabfuhr kommt zwar sicher, aber um einige Zeit später, als es lange Zeit der Trend gewesen ist.“

Bei der Ideenbörse wurden eine Erfindung und das Müllprojekt einer Künstlerin vorgestellt:

Ideenbörse Neumarkt

Ein Nachdenken registrierte auch Stefanie Auer. Die neue Leiterin der Stadtbibliothek hatte eine Leseecke eingerichtet. In ihrer Bilanz stellte sie fest, dass sich die meisten für einen aktuellen Bestseller interessiert hätten, für „Noch besser leben ohne Plastik“ von Nadine Schubert. Auch das Werk der Neumarkterin Birgit Lutz, die über ihr Sammeln von Plastikmüll am Nordpol geschrieben hat, komme gut an. Als Möbel hatte Auer übrigens ein aus Holzpaletten zusammengeschraubtes Sofa und einen von der CAH geholten alten Sessel gewählt.

Wer eine Runde solarangetriebene Elektro-Rikscha genießen wollte, war am Stand des ADFC richtig. Hoffnung für Insektenfreunde machte der Stand der Ökomodellregion Neumarkt. Denn gerade Biolandwirte täten viel.

Weitere Nachrichten aus Neumarkt lesen Sie hier.

Neumarkt: Ideenbörse Nachhaltigkeit

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht