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Eishockey

So steht es um Nürnberg gegen Mannheim

Im Playoff-Viertelfinale bekommen es die Nürnberg Ice Tigers mit dem Ligaprimus zu tun. Die Franken sind dabei Außenseiter.
Von Daniel Frasch

Niklas Treutle war Nürnbergs Sieggarant. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto
Niklas Treutle war Nürnbergs Sieggarant. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto

Nürnberg.Am Mittwoch (19.30 Uhr) starten die Thomas Sabo Ice Tigers in ihre Viertelfinal-Serie gegen den Hauptrunden-Ersten Adler Mannheim. Im direkten Vergleich analysiert die MZ die Stärken und Schächen beider Teams.

Die Torhüter: Niklas Treutle stellt sich dem Mannheimer Torwart-Duo Endras/Pickard.

Wenn es eine Position gibt, in der die Ice Tigers auf Augenhöhe sind mit den Adler Mannheim, dann ist es die der Torhüter. Keine Frage: Den Viertelfinaleinzug haben die Franken vor allem ihrem Schlussmann Niklas Treutle zu verdanken.

112 Paraden zeigte der gebürtige Nürnberger gegen Bremerhaven, in drei Spielen betrug seine Fangquote hervorragende 94 Prozent. Pünktlich zur wichtigsten Saisonphase fand Treutle zurück zu altbekannter Stärke, mit stoischer Ruhe brachte der 1,87-Meter große Torhüter die Bremerhavener Angreifer zur Verzweiflung.

Die Ice Tigers durften gegen Bremerhaven jubeln. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto
Die Ice Tigers durften gegen Bremerhaven jubeln. Foto: Thomas Hahn/Eibner-Pressefoto

Ihm gegenüber steht mit Dennis Endras und Chet Pickard ein solides, in der Hauptrunde jedoch nicht herausragendes Torhüter-Duo. Während Endras 30 Partien bestritt, hütete Pickard in 24 Spielen das Mannheimer Tor. Die Fangquoten (90 und 91 Prozent) unterschieden sich nur marginal, den Status der unumstrittenen Nummer eins konnte sich keiner von beiden sichern.

Es bleibt abzuwarten, wen Adler-Trainer Pavel Gross zum Auftakt Mittwochabend (19.30 Uhr) aufbieten wird. Dass dem Tschechen zwei gleichwertige Torhüter zur Verfügung stehen, ist sicherlich kein Nachteil. Auf der anderen Seite war jedoch auch auf Nürnbergs Andreas Jenike Verlass, wenn er gebraucht wurde. Ob der 30-Jährige im Viertelfinale zum Einsatzen kommen wird, hängt allein davon ab, ob Treutle seine starke Form halten kann.

Die Defensive: Das Bollwerk der Liga fordert die Nürnberger Dauerbrenner.

Mit 116 Punkten aus 52 Partien stellten die Adler in der aktuellen Spielzeit einen neuen Rekord auf. Noch nie zuvor sammelte eine Mannschaft mehr Zähler während der Hauptrunde als Nürnbergs ewiger Rivale. Die Basis für die erfolgreiche Saison bildete dabei der Abwehrverbund, der mit 117 Gegentoren den besten Wert der DEL aufwies. Während Mannheim im Schnitt 2,25 Gegentore pro Partie kassierte, schlug es im Nürnberger Kasten durchschnittlich 3,2 Mal ein.

Hier sehen Sie die Saison-Platzierungen der Ice Tigers in der DEL-Historie:

Doch nicht nur die defensive Arbeit verrichteten Mannheims Verteidiger hervorragend, auch in der Offensive setzten die Adler Akzente. Mark Katic steuerte 29 Vorlagen bei, Joonas Lehtivuori erzielte acht Treffer. Auf vergleichbare Werte kam in Reihen der Ice Tigers nur Shawn Lalonde, dem während der Hauptrunde acht Tore und 23 Vorlagen gelangen und der in den drei Playoff-Partien gegen Bremerhaven bereits drei Scorerpunkte (ein Tor, zwei Assist) sammelte.

Mit Taylor Aronson und Brett Festerling mussten die Franken zuletzt auf zwei wichtige Abwehrspieler verletzungsbedingt verzichten. Beide würden dem Nürnberger Spiel im Viertelfinale nicht zuletzt aufgrund ihrer Erfahrung und körperlichen Robustheit gut tun. Und sie würden dazu beitragen, die Eiszeit von Shawn Lalonde (über 26 Minuten) und Tom Gilbert (über 27 Minuten) erheblich zu reduzieren und somit für mehr Entlastung der beiden Routiniers sorgen.

Die Offensive: Mannheimer Starensemble gegen Nürnberger Kollektiv.

Chad Kolarik (48 Scorerpunkte), Eric Desjardins (43), Luke Adam (38), David Wolf (35): Ein Blick auf die Offensive der Adler verdeutlicht, warum die Baden-Württemberger mit 194 Toren in der Hauptrunde den mit Abstand gefährlichsten Angriff der Liga stellten.

Mit Markus Eisenschmid gelang den Adlern zudem eine glänzende Verpflichtung: Der 24-jährige Marktoberdorfer wechselte im Sommer aus der AHL (Laval Rocket) nach Mannheim und entwickelte sich in seiner ersten Saison in Deutschland zum Leistungsträger. Mit 42 Punkten (20 Toren) zählte der Rechtsschütze zu den besten Angreifern der Liga.

Auch die Ice Tigers verfügen - zumindest auf dem Papier - über viel Qualität im Angriff. Das Problem: Mit Brandon Segal und Dane Fox liefen zwei Stützen der vergangenen Saison lange Zeit ihrer Form hinterher. Auch Leo Pföderl, in den vergangenen Jahren der erfolgreichste Nürnberger Angreifer in den Playoffs, blieb gegen Bremerhaven blass. Die Neuzugänge Will Acton und Brandon Buck ließen ihr Können zu selten aufblitzen.

Hier sehen Sie den Kader der Thomas Sabo Ice Tigers 2018/19:

Positiv in Erscheinung traten hingegen Daniel Weiß, Chad Bassen und Max Kislinger. Dennoch wird Trainer Martin Jiranek im Zweifel nur drei Angriffsreihen auf das Eis schicken, während die Adler konstant mit vier Reihen Druck entfalten werden. Die Tiefe und Ausgeglichenheit der Adler-Offensive kann in der Best-of-Seven-Serie den Unterschied ausmachen.

Das Über- und Unterzahlspiel:Die Franken waren zuletzt das Maß aller Dinge.

Wollen die Ice Tigers gegen den Ligaprimus eine Chance haben, müssen sie disziplinierter spielen und, anders als in der Serie gegen Bremerhaven, von der Strafbank fernbleiben. Über 22 Prozent betrug die Mannheimer Powerplay-Quote in der Hauptrunde, 48 Treffer erzielten die Adler bei numerischer Überlegenheit.

Noch erfolgreicher waren zuletzt nur die Franken: Gegen Bremerhaven nutzte Nürnberg beachtliche 23,5 Prozent der Überzahlspiele. Ganz zu schweigen vom Unterzahlspiel der Ice Tigers: Jede der 30 Unterzahlsituationen überstanden Patrick Reimer & Co. gegen die Norddeutschen schadlos. Ein Fakt, der sich gegen die Adler wohl kaum wiederholen lässt.

Der Trainer: Der Nürnberger Angstgegner steht auf der Spielerbank.

Kein Name verbreitet im Nürnberger Eishockeyumfeld mehr Schrecken als Pavel Gross. Als Spieler gewann er 1999 mit Mannheim in Nürnberg den Meistertitel, als Trainer der Grizzlys Wolfsburg (zehn Jahre) warf er die Ice Tigers über mehrere Jahr hinweg aus dem Meisterrennen.

Pavel Gross ist ein Trainerfuchs, der es versteht, seine Mannschaft perfekt auf den Gegner einzustellen und vorzubereiten. Der 50-Jährige ist jeder Zeit in der Lage, durch taktische Umstellungen Spiele von der Bank aus zu entscheiden. Bei der Nürnberger 3:4-Niederlage vergangenen Freitag gegen Bremerhaven saß Gross mit seinem Co-Trainer Mike Pellegrims auf der Tribüne. Das Duo wird seine Schlüsse gezogen haben.

Die Prognose: Selten war die Favoritenrolle klarer verteilt als in diesem Jahr.

Spätestens mit der Finalserie 1999, die mit 2:3 an Mannheim ging, war eine Rivalität geboren, die bis heute anhält. Duelle zwischen den Franken und den Baden-Württembergern elektrisieren seit jeher die Massen, traditionell kochen bei den Begegnungen der DEL-Gründungsmitglieder die Emotionen hoch.

Die Favoritenrolle hatte Mannheim dabei eigentlich immer inne. Dennoch standen die Vorzeichen niemals unterschiedlicher als vor dieser Viertelfinalserie. 37 Siege feierten die Adler in der abgeschlossenen Hauptrunde, die Franken hingegen kassierten 30 Niederlagen. Während in der ohnehin Eishockey begeisterten Quadratstadt neue Euphorie ausbrach, waren in Nürnberg Pfeifkonzerte zu vernehmen. Trainerdiskussionen, Fan-Protestaktionen – das alles gab es in der aktuellen Saison in Franken.

Hier lesen Sie ein Interview mit Patrick Reimer vor dem Playoff-Start.

Die Mannheimer Dominanz spiegelte sich auch in den vier Hauptrundenpartien wider, die allesamt und mit einem Torverhältnis von 16:7 zu Gunsten der Adler ging. Dennoch: Chancenlos sind die Ice Tigers auch gegen den Ligaprimus nicht. „Das wird eine harte Nuss. Aber wir können ohne Druck, dafür mit viel Leidenschaft in die Serie gehen“, lautet Martin Jiraneks Einschätzung.

Eine Überraschung, sprich ein Weiterkommen ins Halbfinale, ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Vorausgesetzt, die Ice Tigers treten als disziplinierte Einheit auf, die ihre Emotionen im Griff hat.

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