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Region Neumarkt
Donnerstag, 16. August 2018 27° 1

Literatur

Spaziergang durch die Welt der Worte

Der Passauer Dichter, Theologe und Philosoph Friedrich Hirschl las in der Neumarkter Stadtbibliothek aus seinem Werk „Flussliebe“.

Friedrich Hirschl hat einen Lyrik-Band geschaffen, der inzwischen in der zweiten Auflage erhältlich ist. Seine Gedichte nehmen den Leser mit auf einen Spaziergang zu Mensch und Natur. Foto: Müller

Neumarkt. Er hätte ursprünglich „Nach der Flut“ heißen sollen, der Gedichtband von Friedrich Hirschl, der inzwischen – das allein ist schon ungewöhnlich für zeitgenössische Lyrik – in zweiter Auflage auf den Markt gekommen ist. Der Titel wäre aus heutiger Sicht passender gewesen. Doch das Werk entstand vor der Flut, vor dem Hochwasser, „das Passau bis heute mit einer tiefen Depression erfüllt“, wie der Passauer Autor berichtet. Und so las Hirschl am Freitag im Rahmen des Neumarkter Literaturherbstes in der Stadtbibliothek aus dem Werk, das vom Verleger ausgerechnet den Titel „Flussliebe“ erhalten hat.

„Ich bin ein Spaziergänger“, sagt Hirschl über sich selbst. Lässt man seine Gedichte, die das Produkt dieser Wanderungen sind, auf sich wirken, möchte man ihn treffender als Pilger bezeichnen. Viele der knapp 100 meist sehr kurzen Gedichte haben etwas Meditatives. Mensch und Natur verbinden sich in den poetischen Texten, die im Jahreskreis angeordnet sind, und die vom Trio Collegio an diesem Abend wunderbar begleitet werden. Früher verstand er sich als „Metaphern-Sammler“, sagt Hirschl. „Heute hat jedes Gedicht ein Bild“, das er „reifen“ lässt, bevor er es noch eingehender bearbeitet. Hirschl wirkt dabei wie ein filigraner Steinmetz, der immer noch etwas an seinen Skulpturen zu glätten weiß. Immer wieder meißelt er Gedanken ins Wort, die mal pointiert, mal mit leiser Ironie und oft mit einer Prise Lebensweisheit daherkommen.

„In letzter Zeit hat sie es satt, mit der Zeit zu gehen und bleibt häufig stehen“, schreibt er im Gedicht über seine Uhr. Es klingt wie eine Selbstoffenbarung. Friedrich Hirschl schreibt, was er sieht. Und er sieht vieles, was andere nicht sehen. Nur Gott sieht der Theologe nicht. Keines der 98 Gedichte handelt von ihm, trotzdem schwingt er immanent im Hintergrund mit. „Der Schöpfer ist in der Schöpfung stets präsent“, sagt er augenzwinkernd. Auch dieser Satz kann auf seine Gedichte verstanden werden. Hirschl hat Lyrik geschaffen, die Lust macht aufs Mitgehen, Nachgehen, tiefer gehen. (ntm)

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