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Alltag

Stadtwerke werden Wasser nicht entkalken

Im Neumarkter Stadtrat machte Geschäftsführer Dominique Kinzkofer unmissverständlich deutlich, dass kein Bedarf bestehe.
Von Eva Gaupp

Im Stadtrat wurde ein Bürgerantrag behandelt zum Thema Kalk im Trinkwasser.
Im Stadtrat wurde ein Bürgerantrag behandelt zum Thema Kalk im Trinkwasser.

Neumarkt.Die Stadtwerke werden definitiv keine zentrale Anlage zur Wasserenthärtung bauen. Das dürfte mit der Stadtratssitzung am Donnerstagabend nun völlig klar sein. Der Geschäftsführer der Stadtwerke GmbH, Dominique Kinskofer, hatte dies zwar in der Vergangenheit immer wieder erklärt, aber nun noch mit einem Stadtratsbeschluss im Rücken. Seit Neumarkt einen Teil seines Wassers von der Laaber-Naab-Gruppe bezieht, war der Härtegrad gestiegen und Bürger hatten sich immer wieder darüber heftig beklagt.

Versorgung

Am Kalk scheiden sich die Geister

Mehrere Neumarkter stören sich an der Härte des Trinkwassers. Darüber, ob man es enthärten sollte, sind sich Experten uneins.

Anlass für Kinskofers Ausführungen war ein Bürgerantrag, der Stadtrat möge die Stadtwerke beauftragen, den Bau einer zentralen Wasserenthärtungsanlage zu prüfen und zu kalkulieren. Da die Stadtwerke jedoch eine selbstständige GmbH sind, war der Stadtrat für dieses Ansinnen der falsche Adressat, wie der Leiter des Rechtsamts, Andreas Werner, ausführte. Darum hatte OB Thomas Thumann den Antrag an die Stadtwerke weitergeleitet.

Dominique Kinzkofer machte erneut klar, dass es für eine zentrale Entkalkungsanlage keinen Bedarf gebe.
Dominique Kinzkofer machte erneut klar, dass es für eine zentrale Entkalkungsanlage keinen Bedarf gebe.

Kinskofer führte für seine Ablehnung zwei Gründe an: Erstens erreiche das Neumarkter Trinkwasser ab Mitte dieses Jahres eine Härte von 13,5 Grad und liege damit unter den 19,6 Grad, die der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfachs (DVGW) als Schwelle dafür angibt, eine zentrale Enthärtung als Möglichkeit zu prüfen.

Wasserpreis würde deutlich steigen

Zweitens müssten die jährlichen Kosten von rund 1,2 Millionen Euro auf alle Kunden umgelegt werden. Das bedeute, dass sich der Kubikmeter Wasser um 50 Cent verteuere, der Wasserarbeitspreis ab 2022 von 1,58 auf 2,10 Euro angehoben werden müsse. Dabei stützte sich Kinskofer auf ein Gutachten des Technologiezentrums Wasser des DVGW. Sein Fazit: Es gibt keinen fachlichen grund für eine zentrale Wasserenthärtungsanlage – „es wäre nur ein Komfortgewinn“. Dabei gab er durchaus zu, dass ihn persönlich die Kalkränder in der Dusche störten, allerdings stünden der Aufwand und die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Weicher als in anderen Städten

Um die 13,5 Grad in Neumarkt einzuordnen, verglich er sie mit den 17 Grad im Bayerndurchschnitt, im Landkreis Neumarkt betrage der Wert durchschnittlich 16 Grad, in Würzburg sogar knapp unter 40.

Gleichzeitig entkräftete er Argumente, die immer wieder für eine zentrale Wasserenthärtung ins Feld geführt werden: Schäden an Rohren und Heizungsanlagen seien auf einen fehlerhaften Betrieb oder mangelnde Wartung zurückzuführen. Rohre verkalkten nur, wenn die Installationsarbeiten mangelhaft ausgeführt worden seien und wenn ungeeignetes Rohrmaterial verwendet werde.

Aufgrund des härteren Wassers müssen beispielsweise Wasserkocher öfters entkalkt werden als früher.
Aufgrund des härteren Wassers müssen beispielsweise Wasserkocher öfters entkalkt werden als früher.

Schäden im städtischen Leitungsnetz gebe es ebenfalls keine und Liegenschaften der Stadt oder Stadtwerke seien nicht mit einer dezentralen Wasserenthärtung ausgestattet worden. So brauche beispielsweise die Kühldecke im Rathaus enthärtetes Wasser und der Brunnen vor der Geschäftsstelle der SWN sei schon immer mit enthärtetem Wasser gespeist worden. Denn durch die Verdunstung bleibe nur Kalk übrige.

Letztlich schlug er den Stadträten vor, sich aus genannten Gründen gegen den Bau einer zentralen Wasserenthärtungsanlage auszusprechen. Und das taten sie auch mehrheitlich nach kurzer Aussprache. Dafür sprachen sich nur Richard Graf (CSU), Johanna Stehrenberg (Grüne), Gertrud Heßlinger (SPD) sowie Dieter Ries und Johann Georg Gloßner (FLitZ) aus.

Schon zu einem früheren Zeitpunkt hatte Dominique Kinskofer klar gemacht, dass es keine Entkalkung des Trinkwassers brauche.

Etliche Bürger hatten sich jedoch über das kalkhaltigere wasser im Vergleich zu früher beklagt.

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