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Landwirtschaft

Stiller Protest regt zum Nachdenken an

Die Aktion „Grüne Kreuze“ mahnt die Verbraucher in Neumarkt. Denn Landwirte fühlen sich oft als „Sündenböcke“.
Von Luis Münch

Neben der B8 in Richtung des Pöllinger Kreisels ist ein grünes Kreuz zu finden. Foto: Luis Münch
Neben der B8 in Richtung des Pöllinger Kreisels ist ein grünes Kreuz zu finden. Foto: Luis Münch

Neumarkt.„Alles, was wir machen, wird momentan mit Händen und Füßen getreten“, sagt Kreisobmann Michael Gruber. Die Landwirte seien die „Sündenböcke der Nation, die vom Markt zerrieben und von der Gesellschaft verachtet werden“. Für die Bauern Grund genug, ein Mahnzeichen zu setzen. Der Bayerische Bauernverband (BBV) unterstützt die Aktion „Grüne Bäume“ – und will damit auf die aktuell schwierige landwirtschaftlichen Situation aufmerksam zu machen.

Symbol lädt zum Dialog ein

Initiiert von Blogger „Bauer Willi“, steckt hinter der Aktion „Grüne Kreuze“ eine landwirtschaftliche Bewegung, auf Feldern und in Wäldern grüne Kreuze aufzustellen. Als Symbol mahnen die Kreuze laut BBV vor der ansteigenden Auflagenflut, der überzogenen Bürokratie und dem ungebremensten Flächenverbrauch. Außerdem sollen die Mahnzeichen auf Dumpingpreise für Essen und die unfaire Handelspolitik aufmerksam machen.

Die Aktion verfolgt zweierlei Ziele. Einerseits sollen die Kreuze die Verbraucher zum Nachdenken anregen. Andererseits lädt das Symbol die Verbraucher zum Dialog ein. Es gehe ihnen nicht darum, Forderungen zu stellen. „Wir wollen auf die Entwicklung hinweisen“, betont der Kreisobmann.

Regionale Produkte stammen von Landwirten

Die Kreuze werden aufgestellt, um die Bedeutung der bäuerlichen Landwirtschaft hervorzuheben. Fehlt diese, blieben Felder, Wiesen und die Kreislaufwirtschaft in der Flur nicht erhalten. Zudem gäbe es keine hochwertigen, regionalen Nahrungsmittel mehr. Der BBV weist mit den grünen Kreuzen auf den Wert bäuerlicher Tierhaltung sowie der hochwertigen, heimischen Lebensmittel hin und lehnt Importe mit niedrigen Standards ab.

Als Auslöser für die Aktion gilt das kürzlich vom Bundeslandwirtschafts- und Bundesumweltministerium verabschiedete Agrarpaket. „Das ist das Tüpfelchen auf dem i“, erklärt Thomas Bayerl, der Geschäftsführer der BBV-Geschäftsstellen in Neumarkt und Amberg. Der Gesetzentwurf sieht ein dreiteiliges Maßnahmenbündel vor. Die freiwillige Tierwohlkennzeichnung ist der Kern des Entwurfes. Die Maßnahme sehe weder vor, Importware mit geringen Erzeugunsstandards zu kennzeichnen, noch ist die Kennzeichnung verpflichtend. „Die ausländische Ware hat oft nicht die Standards, die wir haben“, erklärt Gruber.

75 Millionen Euro weniger

Das Aktionsprogramm Insektenschutz, das ein Glyphosat-Verbot bis spätestens Ende 2023 vorsieht, ist ebenfalls Teil des Agrarpakets. Das „Direktzahlungen-Durchführungsgesetz“ zeigt, dass die Umschichtung von der ersten in die zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik von viereinhalb auf sechs Prozent erhöht werden soll. Das bedeutet, dass die Landwirte bundesweit auf rund 75 Millionen Euro verzichten müssen. Die Bundesländer nutzen die gekürzten Gelder ab 2021 für Investitionsförderung, Ökolandbau oder Agrarumweltprogramme.

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