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Musik

Stimmen, die unter die Haut gehen

16 Nachwuchstalente aus neun Nationen nehmen an der Meistersinger Akademie teil. Mit hochkarätigen Gastprofessoren proben sie öffentlich.
Von Heike Regnet

Dr. Eytan Pessen nimmt seine Gesangsschüler an der Hand und das schon auch mal im wahrsten Sinn des Wortes.

Neumarkt.„Puccini is cool!“ sagt Szymon Komasa und seine Augen strahlen. Einmal „La Bohème“ in der Semperoper in Dresden zu singen steht ganz oben auf der Wunschliste des 26-jährigen Gesangsstudenten. In Polen geboren, lebt Szymon Komasa heute in London. Die kommenden sechs Wochen wird er in Neumarkt verbringen, denn er ist einer der 16 Teilnehmer an der Internationalen Meistersinger Akademie, die am Mittwoch begann.

An diesem Freitagnachmittag sitzt er im Foyer des Reitstadels, um Besuchern den Weg zum Saal zu weisen. Vor sich auf dem Tisch liegen Partituren aber auch ein Smartphone, denn zwischendurch ist auch mal Zeit für ein kleines Spiel. Bereits im vergangenen Jahr nutzte Komasa die Akademie in Neumarkt und auf die Frage, warum er heuer wieder mit von der Partie ist, sagt er begeistert: „Here is the best program in Europa, the best teachers around the world.“

Vor dem Festsaal im ersten Stock sitzt ein junger Kanadier und auch er ist bereits zum zweiten Mal dabei. Während heute die Soprane im Unterricht gefordert sind, wird er morgen auf der Bühne stehen. Schon jetzt freut er sich auf den Gershwin-Abend im LGS-Park, auf den Liederabend und die große Abschlussgala am 17. August. Und natürlich das Volksfest, sagt er und lacht in Erinnerung ans vergangene Jahr verschmitzt.

Während Tenöre, Bässe und Barritons den sonnigen Nachmittag genießen, wird im Saal eifrig geprobt. Am Flügel sitzt Dr. Eytan Pessen und die Soprane zeigen ihr Können. Gesprochen wird Englisch, denn die 16 Nachwuchstalente kommen aus neun Nationen. Die Sprache, die alle mühelos verbindet, ist die Musik und der Saal ist erfüllt vom Klang der Melodien.

Jede Sängerin hat ein Stück ausgewählt, das sie zunächst vorträgt. Begleitet wird sie von Dr. Pessen am Flügel und sicher fragt sich wohl manch einer der Zuhörer wie auch unsere Reporterin: „Was soll da denn noch besser werden?“ Doch schnell wird im Anschluss klar, warum Szymon Komasa im Vorjahr von der Akademie so begeistert war. Dr. Eytan Pessen weiß sofort, an welchen Stellen er ansetzen muss.

„It’s like a t-shirt move“, sagt er und zeigt mit ausladenden Bewegungen, wie er ein T-Shirt ausziehen würde. Erst wird das offensichtlich enge Shirt über Schulter und Kopf gestreift, dann ist alles frei. Und genau dies gilt es nun in die Arie einzuarbeiten. Sekunden später setzt die Sopranistin erneut ein und Musik erfüllt den Raum.

Auch wenn der Text der Arien nicht immer zu verstehen ist, an Emotionen mangelt es nicht und doch will Dr. Eytan Pessen noch mehr. So nimmt er die Schülerin an der Hand, zum Begleiten am Flügel muss die andere Hand reichen und während die Sängerin einsetzt, zerrt er an ihrem Arm. Trennung, Schmerz, Tod – all das ist plötzlich spürbar. Die Musik nimmt die Zuhörer gefangen und entführt mühelos in eine andere Welt. „Oh yes! You feel it!“, auch Dr. Eytan Pessen ist nun zufrieden und auf dem Arm einiger Zuhörer hat sich Gänsehaut breitgemacht. An diesem Samstag wird Dr. Stephen King im Reitstadel von 15 bis 17.40 Uhr Unterricht geben und jeder kann den Nachwuchstalenten bei der Arbeit mit ihren hochkarätigen Gastprofessoren zusehen.

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