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Mahnmal

Stolpersteine gegen das Vergessen

In Sulzbürg wurden neue Stolpersteine verlegt – für Thekla und Simon Freising. Sie sollen zum Nachdenken anregen.
Von Hans Gleisenberg

  • Bürgermeister Dr. Martin Hundsdorfer (2.v.l.) begrüßte die Gäste bei der Feierstunde. Fotos: Gleisenberg
  • Bildhauer Gunter Demig verlegte die Steine gegen das Vergessen.

SULZBÜRG.In Sulzbürg wurden zum dritten Mal Stolpersteine verlegt, die an die Gräueltaten im Dritten Reich erinnern sollen. Dr. Heide Inhetveen, eine der Organisatoren der Aktion Stolpersteine sagte, Sulzbürg sei für diese Aktionen prädestiniert, denn die jüdische Geschichte sei eng mit dem ehemaligen Marktflecken verbunden. Dort erinnerten beispielsweise noch die Synagoge oder der jüdische Friedhof an die Vergangenheit.

Familie unter den Gästen

Allerdings: Bei der Feierstunde regnete es in Strömen, so dass die Gäste in die Lagerhalle der Schreinerei Fürst wechselten. Maria und Hermann Fürst hatten es sich gewünscht, dass die Steine von Thekla und Simon Freising vor ihrem Haus eingebracht werden – und diesem Wunsch wurde auch Rechnung getragen. Unter den Gästen bei der Feierstunde waren neben Familienmitgliedern der Familie Freising auch Karla Gebhard, die sichtlich bewegt Dank und Anerkennung für diese Aktion aussprach.

Am selben Tag wurden auch Stolpersteine in Neumarkt verlegt.

Dr. Inhetveen machte dann deutlich, dass diese Aktion nicht ohne Echo geblieben und bereits in vielen Orten gute Tradition sei: „Diese Form der Erinnerungskultur soll auch dazu beitragen, dass Menschen wieder mehr aufeinander zugehen und zusammenfinden. Dieser Eingriff in die Menschheit bleibt aber ein Teil der Deutschen Geschichte“. Sie mahnte aber auch, man solle sich den Anfängen einer neuen Welle von Rassismus und Antisemitismus entgegenstellen und wachsam bleiben.

Mühlhausens Bürgermeister Dr. Martin Hundsdorfer verwies in seiner Rede bei der Feierstunde auf die mehr als 500 Jahre alte jüdische Tradition in Sulzbürg und verdeutlichte, dass die Gemeinde dieser Tradition in vielerlei Hinsicht Rechnung getragen habe: „Wir haben unserem Landlmuseum den Beinamen ,Migration über die Jahrhunderte‘ gegeben, kümmern uns um den Judenfriedhof und halten mit vielen anderen Aktionen die jüdische Vergangenheit aufrecht. Die Stolpersteinaktion ist hier ein weiterer Schritt, die jüdische Vergangenheit für die Nachwelt zu erhalten“, sagte Dr. Hundsdorfer. Er hoffe, dass weitere Aktionen folgen mögen.

Dekanin Christiane Murner gab zu bedenken: Es seien Steine, die zum Nachdenken anregen sollen, was Menschen einst Menschen angetan hätten: „Es ist deshalb die moralische Pflicht, ein gutes Miteinander zu pflegen, um Hass und Vertreibungsgedanken aus unserem Denken zu verbannen. Hier ist es auch von großer Wichtigkeit, über religiöse Grenzen hinaus zu kommunizieren“, so die Geistliche.

Steine erklären Schicksale

Dekanatsreferent Christian Schrödl machte deutlich, dass dieses Unrecht nicht zu rechtfertigen sei: „Verbrannt und verscharrt wurden hier unschuldige Menschen, um eine bösartige Ideologie durchzusetzen. Und darum erklären diese Steine mit ihren Inschriften auch Schicksale. Sie sollen aber auch mahnen, dass Terror und Mord nicht das letzte Wort haben dürfen, sondern ein pfleglicher Umgang der Menschen miteinander anzustreben ist“, sagte Schrödl.

Anschließend ging es vor das Anwesen Fürst, vor dem Günter Demig schon die Steine verlegt hatte. Sie wurden von den Familienangehörigen und den Organisatoren dann mit Rosen verziert. Die Untermalung der Feierstunde mit Klezmer-Musik haben Helmut Enzenberger mit der Gitarre und Hannes Mühlenbruch mit dem Sopransaxophon übernommen.

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