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Straßennamen für NS-Gegner

Die Gemeinde Berg würdigt den NS-Widerstand. Eine Straße wird zum Beispiel nach Claus Schenk Graf von Stauffenberg benannt.
Von Hans Stepper

Im Baugebiet „Am Ludwigskanal“ wurden vor einigen Jahren Straßen den Mitgliedern der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ gewidmet. Foto: Hans Stepper
Im Baugebiet „Am Ludwigskanal“ wurden vor einigen Jahren Straßen den Mitgliedern der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ gewidmet. Foto: Hans Stepper

Berg.Die Schwarzach-Gemeinde Berg – viertgrößte Kommune im Landkreis Neumarkt mit ihren über 8000 Einwohnern – widmet seit vielen Jahren konsequent öffentliche Plätze und Straßen den Widerstands-Kämpfern gegen den Nationalsozialismus. Dadurch soll die Geschichte im öffentlichen Raum präsent sein und darüber hinaus will man den Frauen und Männern des Widerstands ein ehrendes Gedenken schaffen.

Dabei kooperiert die Gemeinde mit der Schwarzachtal-Schule und regelmäßig gedenken Schüler, Lehrer und der Bürgermeister am Todestag von Sophie Scholl der Vorbilder, die ihr Leben für eine bessere Zukunft geben mussten und sich dieses Risikos auch bewusst waren.

Kriegsende

Die Schule wurde zum Lazarett

Vor 75 Jahren wurden Berching 75 Kriegsverletzte behandelt. Der leitende Arzt war der Berchinger Andreas Seitz.

Nun haben Einwohner aus dem Gemeindeteil Beckenhof die Gemeinde gebeten, die in der Gemeinderatssitzung am 19. Dezember 2019 beschlossene Festlegung von Straßennamen im Baugebiet Richtheim-Straßfeld zu überprüfen. Durch den Straßennamen „Beckenhofener Straße“ im Bereich der derzeitigen Gemeindeverbindungsstraße Richtheim-Beckenhof könnte sich bei der Post- und Paketzustellung eine Verwechslungsgefahr mit den Anwesen im Ort Beckenhof ergeben. Bürgermeister Helmut Himmler hat daher dem Gemeinderat unterbreitet, der Anregung zu entsprechen und er schlug vor, die große Haupterschließungsstraße im 140 000 Quadratmeter großen Baugebiet nach Claus Schenk Graf von Stauffenberg zu benennen.

Eintrag ins „Goldene Buch“

Bereits beim Besuch mit Eintrag ins „Goldene Buch“ der Gemeinde der Stauffenberg-Enkelin Sophie von Bechtolsheim auf Einladung des Grünen-Ortsvereins habe er das angesprochen. Darüber hinaus – erinnerte SPD-Vorsitzende Erna Späth – könne man jetzt dem Wunsch der Soldaten- und Reservisten-Kameradschaft Berg entsprechen, eine Straße nach Stauffenberg zu benennen. So hat es der Gemeinderat auch beschlossen, so dass es in Berg im kommenden Jahr nach Abschluss der Erschließungsarbeiten in Berg-Richtheim eine „Stauffenberg-Straße“ geben wird.

Geschichte

Gnadenbergs mutige Frauen

Eine Gedenktafel erinnert an die letzten Kriegstage. Zeitzeugin Rosa-Maria Höllerl berichtet von ihren Erfahrungen.

Den Mitgliedern der NS-Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ hat die Gemeinde Berg bereits mehrere Straßen gewidmet. „Sie haben durch ihre Überzeugungsarbeit diesem grauenhaften Regime die Stirn geboten und wurden dafür hingerichtet“, sagte Bürgermeister Himmler beim Aufstellen der Straßenschilder 2014 im damals neuen Baugebiet „Am Ludwigskanal“.

Straßen werden nach Mitgliedern der Weißen Rose benannt

Nach dem vor Jahren gebauten Sophie-Scholl-Platz im Herzen von Berg und nach dem Sophie-Scholl-Park an der Herrnstraße erinnert die Kommune nun mit fünf Straßen an Sophie Scholl, deren Bruder Hans Scholl und ihre Mitstreiter Christoph Probst, Willi Graf und Alexander Schmorell.

Zweiter Weltkrieg

Der Untergang der Stadt Neumarkt

Im April 1945 verschanzte sich die SS in Neumarkt – die Amerikaner machten sie dem Erdboden gleich. Zeitzeugen erinnern sich.

Bereits 2010 hat der Berger Gemeinderat einstimmig den Vorschlag von Bürgermeister Himmler (SPD) befürwortet, die Seitenstraße bei der nördlichen Ortsdurchfahrt von Berg und damit der Staatsstraße 2240 nach Georg Elser zu benennen.

Gedenken

  • Weiße Rose:

    Nach dem vor Jahren gebauten Sophie-Scholl-Platz im Herzen von Berg und nach dem Sophie-Scholl-Park an der Herrnstraße erinnert die Kommune nun mit fünf Straßen an Sophie Scholl, deren Bruder Hans Scholl und ihre Mitstreiter Christoph Probst, Willi Graf und Alexander Schmorell.

  • Weitere Namen:

    Eine Straße ist Georg Elser gewidmet. Nun kommt noch eine Stauffenberg-Straße dazu.

„Damit ehren wir die Person Elser und setzen ihm in unserer Gemeinde ein ehrendes Gedenken“, begründete Himmler damals seinen Vorschlag. In Zeiten des wieder gesellschaftsfähig gewordenen bornierten und kleinbürgerlichen Nationalismus in Verbindung mit Rassismus inmitten der Gesellschaft seien Menschen wie Elser Vorbilder für Aufrichtigkeit und demokratische Gesinnung.

Hitler überlebte Attentat

Gemeinhin würden aus dem NS-Widerstand Adelige, hohe Militärs, Vertreter der Kirchen, Gewerkschaften, Parteien und des Bildungsbürgertums hervorgehoben, nicht aber die ganz einfachen Leute aus dem Volk. Dazu habe Georg Elser gehört. Der schwäbische Schreinergeselle von der Ostalb hatte am 8. November 1939 versucht, Adolf Hitler mit einem Sprengstoff-Attentat im Münchner Bürgerbräu-Keller umzubringen, doch der Zeitzünder schlug fehl, weil der „Führer“ 13 Minuten früher als geplant das Lokal verließ. Die Bombe tötete acht Menschen, 60 wurden verletzt. Hitler überlebte – weil er seine Rede abkürzte.

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