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Ökologie

Streit um das Mähen entlang von Straßen

Leserin will, dass im Kreis Neumarkt die blühenden Seitenstreifen für Insekten länger als bisher stehenbleiben. Amt winkt ab.
Lothar Röhrl

  • So wie hier zwischen Stauf und Neumarkt sollte es – laut der Wunsch der MZ-Leserin – überall entlang der Straßen aussehen. Foto: Lothar Röhrl
  • So schön bunt - aus der Sicht eines Autofahrers - sah es noch zu Wochenbeginn bei Stauf an der Ortsverbindungsstraße nach Berngau aus.... Foto: Lothar Röhrl
  • Und so sah es bei Stauf am Donnerstagmorgen aus. Tags zuvor war offensichtlich ein Mähbalken eingesetzt worden. Foto: Lothar Röhrl

Neumarkt.Bienen-Futter in Form blühender Pflanzen direkt neben allen Straßen – das hat sich eine Leserin über unser Kontakttelefon „Mensch Meier“ gewünscht. Um das zu garantieren, sollten am besten die Grünstreifen nicht mehr gemäht werden. Mit einer reduzierten Zahl der Mäh-Zeitpunkte wäre sie auch noch zufrieden. Ob der Wunsch der Dame entsprochen werden kann, wollten wir vom Straßenbauamt Regensburg wissen.

Breite Flächen für Wildbewuchs

Die Leserin hat uns ihr gewünschtes Optimum auch gleich verraten. Zwischen Straßenrand und dem Beginn des bestellten Ackers beziehungsweise Feldes sollten möglichst lange Zeit und somit nicht gemäht Pflanzen in die Höhe wachsen, die Futterpflanzen beziehungsweise Lebensraum für Insekten sein können. In einer ansonsten ausgeräumten und meist auch von Monokulturen bewachsenen Landschaft könnten diese Seitenstreifen Rückzugsgebiete sein.

Wir möchten mit einer Umfrage wissen, ob dieses Thema bei Naturschützern oder Autofahrer mehr punktet:

Mit diesem Vorschlag konfrontierte die „Mensch Meier“-Redaktion den für den Neumarkter Bereich zuständigen Abteilungsleiter im Staatlichen Straßenbauamt Regensburg. Josef Gilch machte deutlich, dass für ihn und seine Behörde alle Fragen rund um die Verkehrssicherheit die höchste Bedeutung besitzen. Daher könne es an übergeordneten Straßen wie Bundesstraßen oder Staatsstraßen nicht sein, dass Pflanzen die Leitpfosten zu- und überwuchern. Denn vor allem nachts gehe es um die Möglichkeiten von Autofahrern, die Verlauf einer Straße schon aus größerer Entfernung einsehen zu können.

Überblick hat Vorrang

Und natürlich müsse es garantiert werden, dass Einmündungen untergeordneter Straßen – ob aus gewisser Entfernung oder in nächster Nähe – als diese schon erkannt werden. Zudem sollen die Mähtrupps dafür sorgen, dass in direkter Nähe zu einer Straße keine Bäume in die Höhe wachsen können. Außerdem wäre es fatal, wenn die meist parallel zu den Straßen verlaufenden Gräben zuwachsen würden. „Es kann nicht sein, dass ein Straßengraben zuwächst. Deswegen würde die Entwässerung nicht mehr funktionieren.“ Die Folge könnte sein, dass eine Straße nach einem längeren oder einem heftigen Niederschlag schneller unter Wasser stehen könnte. Gefährliche Aquaplaning-Situation würden deshalb entstehen.

Durchaus Verständnis für diese Position hat Dr. Bernd Söhnlein, der Kreisvorsitzende des LBV, des Landesbundes für Vogel- und Artenschutz. Doch seiner Meinung nach sollten bei anderen Kategorien von Straßen die Bauhöfe anders und damit umdenken. Entsprechende Vorschläge hätten er und sein LBV-Vize Georg Knipfer den Mitarbeitern solcher Bauhöfe schon gemacht.

Außer bei Bundes- und Staatsstraßen könnte doch entlang von Kreisstraßen und vor allem Ortsverbindungsstraßen die Mäh-Häufigkeit auf ein- und maximal zweimal im Frühjahr und einmal im Sommer reduziert werden. Außerdem sollte der Schnitt nicht gemulcht, sondern abtransportiert werden. Und schön wäre es, wenn etwa weiter weg von Straßen befindliche Böschungen in Ruhe gelassen würden.

Erste Zeichen der Verbesserung

Diese Bitten stießen nicht auf taube Ohren. So werde jene mit den Böschungen zur Freude von Dr. Söhnlein schon gut befolgt. Und tatsächlich hat der Einsatz der Mähtrupps in diesem Jahr erst später stattgefunden als sonst. Umso heftiger fiel damit dann aber auch der optische Gegensatz „Vorher/Danach“ aus.

Umfrage

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