MyMz
Anzeige

Urteil

„Süßigkeiten“ waren Ecstasy-Tabletten

Am Neumarkter Amtsgericht wurde ein Mann wegen dem Besitz von Rauschgift und fehlendem Waffenschein angeklagt.
Von Andreas Friedl

Im Amtsgericht in Neumarkt wurde am Dienstag Mann zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Foto: Röhrl
Im Amtsgericht in Neumarkt wurde am Dienstag Mann zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Foto: Röhrl

Neumarkt.Ein Freund der Strafverfolgungsbehörden wird dieser Mann wohl nicht mehr werden, denn seine Verfehlungen sind doch mehr als sonst üblich. Dies war auch an seinem Gesichtsausdruck abzusehen. Der Mann musste sich vor Richter Rainer Würth wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln und einer Schusswaffe verantworten. Er war ohne rechtlichen Beistand gekommen. Thomas Leykam sprach für die Anklagevertretung und erläuterte, dass bei einer Verkehrskontrolle der Polizei auf einer Ausfallstraße im Stadtgebiet von Neumarkt beim Angeklagten eine Schreckschusspistole und knapp vier Gramm Ectasytabletten gefunden worden sein sollen.

Nach Belehrung über seine Rechte durch Richter Würth ließ der zur Zeit arbeitslose junge Mann wissen: „Das Drogenpackerl war nicht bei mir. Ich sehe es nicht ein, dass es meines war. Das nehme ich nicht auf meine Kappe.“ Dem entgegnete Richter Rainer Würth: „Sie hätten es halt liegenlassen sollen.“

Zeugen sagen aus

Nachdem sich der Angeklagte gegenüber dem Vorsitzenden noch kooperativ bei der Einziehung der Waffe zeigte, zeigte er sich bei der Vernehmung des ersten Zeugen, einen der kontrollierenden Polizeibeamten, nicht besonders freundlich. So schilderte der Zeuge, dass der Angeklagte im angehaltenen Auto Beifahrer gewesen sei und von sich aus gleich Warndreieck und Verbandskasten vorzeigte, die im Kofferraum waren. Bevor der Mann aber den Kofferraumdeckel geöffnet hatte, fiel dem Beamten auf, dass der Mann eine einschlägige Süßigkeit für Kinder in der Hand hielt, die dann beim Zeigen des Warndreiecks und des Verbandskastens so nebenbei in einer Sportasche verschwand. Erst nach einer Durchsuchung des Autos, bei der eine Schreckschusspistole gefunden worden war, schenkten die Beamten der versteckten „Süßigkeit“, in diesem Fall dem Betäubungsmittel, mehr Beachtung. Auch ein weiterer Polizeibeamter, der bei der Kontrolle dabei gewesen war, schilderte das Verschwinden der „Süßigkeit“.

Urteil: Sechs Monate Freiheitsstrafe

Richter Würth fragte den Angeklagten, ob er denn noch etwas sagen möchte. „Ich hab alles gesagt“, so der Mann auf der Anklagebank. Würth ließ daraufhin dies folgen: „Dann sage ich Ihnen etwas“, und las die zwölf Eintragungen aus dem Bundeszentralregister vor, was teilweise von einschlägiger Natur war. Trotz des Hinweises von Richter Würth, etwas zu sagen, gab es kein Geständnis des Angeklagten, für den Thomas Leykam sieben Monate Freiheitsstrafe forderte.

Bevor es zum Urteil kam, sagte Würth in Richtung des 27-Jährigen: „Sie haben das letzte Wort.“ Der Angeklagte: „Nein danke.“ So kam es dann, dass der Vorsitzende den Angeklagten zu sechs Monaten Freiheitsstrafe wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln und des Nichtbesitzes eines kleinen Waffenscheines verurteilte.

Mehr aus Neumarkt und Umgebung:

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht