mz_logo

Region Neumarkt
Dienstag, 25. September 2018 14° 1

Gericht

Sulzbürger ist überzeugter Laienrichter

Stephan Jarolim hat in fast zehn Jahren am Amtsgericht Neumarkt viele banale Fälle erlebt, aber auch einen großen Prozess.
von Wolfgang Endlein

Stephan Jarolim ist „begeister“ vom Ehrenamt des Schöffen, wie er sagt. Foto: Endlein
Stephan Jarolim ist „begeister“ vom Ehrenamt des Schöffen, wie er sagt. Foto: Endlein

Neumarkt.Wenn Stephan Jarolim darüber nachdenkt, was ihn am Schöffenamt begeistert, dann denkt er an jenen Januartag im Jahr 2012. Wie so häufig in den vergangenen neun Jahren, in denen er nun schon Laienrichter am Amtsgericht Neumarkt ist, fand er sich damals eine Viertelstunde vor Verhandlungsbeginn im Richterzimmer ein. Und ebenfalls wie üblich wusste er nicht, was ihn für ein Prozess erwartet.

„15 Minuten vor einer Verhandlung treffen wir uns mit dem Berufsrichter und der erklärt uns dann, was für ein Fall uns erwartet und wohin die ganze Geschichte gehen könnte“, sagt der 50-Jährige aus Sulzbürg. An jenem Tag im Jahr 2012 war ihm aber schnell klar, dass es kein Prozess unter normalen Begleitumständen werden dürfte. „Ich habe mir gedacht: ,Hoppla! Was ist es denn hier so voll?’“, erinnert sich Jarolim an den proppenvollen Gerichtssaal und den eigens mit drei Rechtsanwälten angerückten Angeklagten.

Kachelofen-Unternehmer hatte drei Anwälte dabei

Wo sonst meist nur Richter, Staatsanwalt, Verteidiger, Angeklagter, Zeugen und ein, zwei Pressevertreter den Prozessen beiwohnen, sorgte die Verhandlung gegen Karl-Heinz Kago für einen großen Auflauf im sonst beschaulichen Amtsgericht Neumarkt. Der ebenso schillernde wie bekannte Kachelofen-Unternehmer aus Postbauer-Heng musste sich damals wegen der massenhaften Anstellung von Schwarzarbeitern verantworten. Letztlich verurteilte ihn das Gericht zu einer Bewährungsstrafe.

Was Berufsrichter am Amtsgericht Neumarkt über ihre Laienkollegen denken und was im Richterzimmer passiert, erklärt dieser Artikel.

Wozu auch Jarolim als Schöffe seinen Teil beitrug. Denn Statisten an der Seite des Richters, wie manch einer glaubt, sind die Schöffen beileibe nicht. „Ich bin mir nie als Kasperl vorgekommen“, sagt der Sulzbürger. Mit dem Richter – in seinem Fall Amtsrichter Rainer Würth – habe es immer die Diskussion gegeben. „Da kann es schonmal um Monate gehen“, sagt der 50-Jährige, um zu verdeutlichen, dass die Schöffen bei der Urteilsfindung ein gewichtiges Wort mitreden. Schließlich sind sie bei Amtsgerichtsverhandlungen mit zwei zu eins in der Mehrheit.

Brigitte Götz ist wie Stephan Jarolim ebenfalls seit vielen Jahren Schöffin. Was sie darüber zu berichten hat, lesen Sie hier.

Den Rahmen des Gesetzes müssen aber natürlich auch sie bei ihren Entscheidungen beachten. Wobei sie auf den juristischen Sachverstand des Berufsrichters an ihrer Seite bauen können. Jurist müsse man als Schöffe daher nicht sein, betont Jarolim. „Man sollte aber einen gesunden Menschenverstand mitbringen, seine Meinung vertreten können und an Sachen rational herangehen, ohne sich allzu sehr von Emotionen beeinflussen zu lassen“, sagt Jarolim über die Befähigungen, die ein Schöffe seiner Meinung nach mitbringen sollte.

„Interessant war es immer.“

Stephan Jarolim

Wobei gerade das mit den Emotionen natürlich nicht so einfach sei, wie Jarolim eingesteht. Denn auch wenn er die meisten seiner Verhandlungen als banale Fälle bezeichnet, die ihm nicht weiter in Erinnerung geblieben seien, gebe es doch immer wieder auch solche, die einen nicht kalt ließen. „Beispielsweise, wenn es um sexuelle Belästigung geht“, sagt der Sulzbürger.

Keine Angst vor einem Aufeinandertreffen

Der Kago-Prozess war keiner, der Jarolim emotional tiefer aufgewühlt hätte, aber interessant sei er auf jeden Fall gewesen. Etwas, was Jarolim gefragt nach den Vorteilen des Schöffenamts dick unterstreicht. Interessant sei dieses Ehrenamt immer gewesen und nicht zuletzt auch lehrreich. „Ich verstehe das Justizsystem jetzt besser. Das ist ein großer Nutzen, den ich aus dieser Zeit mitnehme“, sagt Jarolim, der nach diesem Jahr seine zweite Amtsperiode beenden wird und dann vorerst nicht mehr als Schöffe aktiv sein darf.

Ob er nach einer mehrjährigen Pause sich wieder um ein Schöffenamt bewirbt wie einst vor neun Jahren bei der Gemeinde Mühlhausen, das lasse er sich offen, sagt der 50-Jährige, der ohne schlechte Erfahrungen aus dem Ehrenamt scheidet. Ein brenzliges Aufeinandertreffen mit einem von ihm mit verurteilten Menschen habe er noch nie erlebt, er habe aber auch keine Sorge deswegen.

Regelmäßig berichtet die MZ aus den Gerichtssälen in Neumarkt und Nürnberg. Die dazugehörigen Artikel finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht