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Volksmusik

Tag des Taktwechsels in Berching

Der Bezirk veranstaltet den „Zwiefachentag“. Man kann viel über den Volkstanz lernen. Es gibt vor Ort einige Liebhaber.
Dagmar Fuhrmann

Florian Schwermin und Veronika Schmidt musizieren. Elena Reiser, Dr. Tobias Appl und Bürgermeister Ludwig Eisenreich singen. (v.l.) Foto: Fuhrmann
Florian Schwermin und Veronika Schmidt musizieren. Elena Reiser, Dr. Tobias Appl und Bürgermeister Ludwig Eisenreich singen. (v.l.) Foto: Fuhrmann

Berching.Zum vierten Mal gibt es in der Oberpfalz einen Zwiefachentag. Zuletzt fand er in Sulzbach Rosenberg statt, nun ist Berching die auserkorene Stadt. Am 18. April ist die Stadt Berching die Gastgeberin für Musiker, Tänzer und Referenten. Auf was sich die Freunde der Königsdisziplin des Volkstanzes freuen dürfen, stellte Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl vor.

Laut Appl ist der taktwechselnde Tanz seit 2016 Teil des Landes- und Bundesverzeichnisses des Immateriellen Kulturerbes. Ursprünglich sollte der Zwiefachentag eine einmalige Veranstaltung bleiben, die Resonanz darauf sei aber so groß gewesen, dass er nun jährlich wiederholt wird. So sollen nun nach und nach alle Landkreise der Oberpfalz als Veranstaltungsort bedacht werden. Berching sei der ideale Austragungsort, weil es zahlreiche Wirtschaften gebe und einen Bürgermeister, der mit diesem Thema etwas anfangen kann.

Die Stadt soll erfüllt sein

Der Bezirk sehe es als seine Aufgabe, das Kulturerbe der Region in den Fokus zu rücken. „Wir wollen dafür sorgen, dass der Zwiefache gelebt wird, indem er gespielt und getanzt wird.“ Hierzu wird der Zwiefachen mit allen möglichen Aspekten theoretisch und praktisch betrachtet. „Die ganze Stadt soll erfüllt sein“, haben sich die Organisatoren des Bezirks vorgenommen. Daher gibt es Workshops für Leute, die ihre Kenntnisse am Instrument erweitern wollen, es gibt gemeinsames Singen und auch theoretische Vorträge.

Komponist bei Führungen im Fokus

Damit die Menschen, die an diesem Tag aus ganz Bayern nach Berching kommen, die Stadt auch kennen lernen können, bieten Alt-Bürgermeister Rudolf Eineder und die zweite Bürgermeisterin Gerlinde Delacroix eine ganz spezielle Stadtführungen an, bei dem der Komponist Christoph Willibald Gluck im Mittelpunkt stehen wird. Eine weitere Stadtführung bietet Alexander Delacroix an. Und abends wird dann getanzt zu der Musik von Gruppen, die diesen Taktwechsel nachweislich besonders gut beherrschen. Dazu gehören unter anderem die Tanngrindler aus Hemau.

Der Zwiefachentag am 18. April

  • Eröffnung:

    11 Uhr Eröffnung und Einführung ins Thema mit Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl, umrahmt vom Trio Collegio aus Neumarkt im großen Sitzungssaal im Rathaus.

  • Vortrag:

    Zwiefacher trifft Klassik-Musik mit Taktwechsel um 11.30 Uhr im großen Sitzungssaal.

  • Stadtführung:

    Barockes Berching trifft seinen berühmtesten Sohn um 12.45 Uhr vor dem Rathaus, um 17.45 Uhr zu Hausnamen mit Alexander Delacroix,

  • Instrumental-Workshops:

    14 Uhr Der Bock (Dudelsack) im Kleinen Sitzungssaal für Böcke in F oder D; Musizieren aus dem OVA für alle, die ihr Instrument beherrschen um 14 Uhr im Soifererhaus, Zwiefache für Saiteninstrumente um 14 und um 16 Uhr im Kulturhaus Schranne; Traditionelle Blasmusik erleben um 14 Uhr und um 16 Uhr im Großen Sitzungssaal im Rathaus; Zwiefache für Harmonika auswendig spielen um 16 Uhr in der Schranne, Ungerade Rhythmen um 16 Uhr im Soifererhaus. Für alle Workshops ist Anmeldung notwendig.

  • Sing Workshops:

    Lustige Lieder für Kinder um 11.30 Uhr im Kleinen Sitzungsaal und um 14 Uhr in der Schranne; Musizieren mit und für Senioren um 15.15 Uhr im .Seniorenheim, Zwiefach-Singstunde in der Felsenschenke Regens Wagner

  • Textworkshop:

    Zwiefacher 2-fach reloaded, Zwiefacher als Zwiegespräch

  • Tanzworkshop: Zwiefach tanzen, um 14 Uhr im Hotel Post Berching, „Übern Fuaß“ Zwiefache aus den Sammelergebnissen von Willi Bauer um 16 Uhr im Hotel Post.

  • Tanz und Musik:

    Ab 19 Uhr im Hotel Post mit den Tanngrindler Musikanten, im Brauereigasthof Winkler mit den Lupburger Musikanten, im Pettenkoferhaus mit der Geigerei Schreiner, in der Blauen Traube mit Trio Chanson chez (nur zum Zuhören).

Wie jeder Zwiefachentag wird auch der in Berching unter einem bestimmten Motto stehen: „Dou setz ma uns nieder...“ heißt der Titel eines Zwiefachen aus dem Landkreis Neumarkt. Die Texte seien sehr deftig und würden auch über 40-Jährigen die Schamesröte ins Gesicht treiben, warnte Appl schon einmal vor. Eindringlich bat er darum, sich für die Workshops anzumelden. Die Angebote sind alle kostenlos. Anmelden kann man sich per Flyer, die derzeit im Rathaus ausliegen oder online unter www.zwiefachentag.de. Alle Veranstaltungen finden auch bei Regen statt. Eine Kostprobe, wie ein Zwiefacher klingt, gaben der stellvertretende Heimatpfleger Florian Schwermin, Veronika Schmidt und Elena Reiser, sie sind beim Bezirk beschäftigt.

Der Bürgermeister sang mit

Bürgermeister Ludwig Eisenreich zeigte sich angetan, dass Berching Gastgeber für den Zwiefachentag sein wird. Ihn persönlich habe der Zwiefache schon immer begeistert und fasziniert. Sowohl in der Blaskapelle als auch in seiner Volksmusikgruppe habe er sie im Repertoire gehabt. Er sei aber auch von den schönen Titeln fasziniert. Dazu gehören „s‘Suserl“, „d‘Baierin von der Hoi“, „Hinta meine Voda sein Stodl“ und viele mehr. Auch er sang beim vorgetragenen Zwiefachen mit.

Das Tagblatt hat den Kreisheimatpfleger Rudi Bayerl zu der Bedeutung des Zwiefachen als regionalen Tanz befragt. Das Faszinierende am Zwiefachen sei, dass er aus einfachsten musikalischen Elementen besteht. Daraus seien mehr als 400 verschiedene spannende Melodien entstanden, die auf den Grundelementen aufgebaut seien. Leider würden sie nicht mehr allzu häufig getanzt. Regional seien die Unterschiede groß. So spielten beispielsweise die Tanngrindler Musikanten zu 80 Prozent andere Stücke als die Alfelder Musikanten. Er vergleiche den Zwiefachen gerne mit einem Strickmuster. Es gebe nur einen Faden, aber man könne zahlreiche faszinierende Varianten darauf machen. Und zwar so, dass am Ende das Strickmuster oft nicht mehr ersichtlich ist. Wie Bayerl sagt, hat er die Erfahrung gemacht, dass man Stück zuerst nicht tanzen könne, wenn man es anhört. Besonders für Anfänger sei das schwierig. Hinzukommen einige Anforderungen, die das Ganze noch komplizieren: Wenn beispielsweise der erste Teil anders ist als der zweite und sich dann das Tempo noch steigere.

Früher haben Tänzer bestimmt

In der westlichen Oberpfalz gebe es eine interessante Ausdrucksweise, die besonders fröhlich rüberkomme. Es gebe immer noch einige Liebhaber, Musikanten und Tänzer im Landkreis Neumarkt, die spielen und tanzen. So habe er auch einen kleinen Tanzkreis, in dem der Zwiefache praktiziert wird. Tänzer und Musiker würden sich oft gegenseitig herausfordern. Früher sei es umgekehrt gewesen. „Da haben die Tänzer bestimmt, was getanzt wird, dafür haben sie dann die Musiker auch für jeden einzelnen Tanz bezahlt.“

Elvira Tratz und Leo Hübl spielen oft und gerne Zwiefache für die Senioren. Zu der Gruppe gehört auch Josef Tratz, er ist nicht auf dem Foto. Foto: Fuhrmann
Elvira Tratz und Leo Hübl spielen oft und gerne Zwiefache für die Senioren. Zu der Gruppe gehört auch Josef Tratz, er ist nicht auf dem Foto. Foto: Fuhrmann

Bayerl bedauert, dass das Zwiefachtanzen heute eingeschränkt sei. Er erlebe es beim Kirwabaumtanzen, dass sich die jungen Leute schwer täten. Den Dreher bekämen sie noch hin, aber beim Walzer werde es dann schwierig. Wobei die Mädchen sich leichter täten als die Buben. Aber auch früher hätten manche den Tanz schon nicht begriffen. Und damals wie heute gilt: „Wer tanzen kann, macht einen guten Eindruck bei den Frauen“. Gepflegt werde der Zwiefache noch bei den Parsberger Trachtlern und an den Musikantenstammtischen.

Musiker kennen das Geheimnis des Zwiefachen

Drei, die den Zwiefach aus dem Effeff können, sind Elvira und Josef Tratz sowie Leo Hübl. Sie spielen unter anderem regelmäßig im Berchinger Seniorenheim, so auch am Dienstag zur Sitzweil mit Josef Fechner. Und Elvira Tratz kennt das Geheimnis wie man den Tanz perfekt spielt. Es kommt auf die Betonung an, so dass die Tänzer den Takt ganz sicher heraushören können. Gerlinde und Alexander Delacroix waren ebenfalls anwesend und ließen sich nicht lange um ein Tänzchen bitten. „Dreher, Dreher, Walzer, Dreher“ lautet das Strickmuster der „Alten Kath“, einem bekannten Zwiefachen.

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