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Verkehr

„Temposünder kommen zu milde weg“

Das sagten Verkehrsexperten der Mittelbayerischen. Auslöser waren zwei spektakuläre Tempoverstöße mitten in Neumarkt.
Von Lothar Röhrl

Diesen „Abritt“ samt Fällen eines großen Nadelbaums leistete sich vor Kurzem ein Fahrer am Flutgrabenweg. Dass er „nur“ mit den hier erlaubten 30 Stundenkilometern unterwegs war, konnte sich auch Neumarkts Polizeichef nicht im geringsten vorstellen.Foto: M. Meier
Diesen „Abritt“ samt Fällen eines großen Nadelbaums leistete sich vor Kurzem ein Fahrer am Flutgrabenweg. Dass er „nur“ mit den hier erlaubten 30 Stundenkilometern unterwegs war, konnte sich auch Neumarkts Polizeichef nicht im geringsten vorstellen.Foto: M. Meier

Neumarkt.Zwei krasse Geschwindigkeitsverstöße sind kürzlich in Neumarkt passiert. Reagiert der Gesetzgeber in solchen Fällen generell zu milde darauf? Was wäre besser: Höhere Bußgelder oder längere Fahrverbote? Das wollte die Mittelbayerische von Verkehrsexperten wissen.

Zur Beurteilung der Sachlage schilderten wir beide Fälle. Im ersten hatte ein Autofahrer, der vom Flutgrabenweg abgekommen war, erst ein Stück Hecke umgemäht, ehe er einige Meter weiter einen hohen Nadelbaum fällte. Als Unfallursache konnte sich Neumarkts Polizeichef, Polizeioberrat Michael Danninger, nicht vorstellen, dass der Fahrer bei der Havarie nur die erlaubten 30 Stundenkilometer schnell war. Freilich: Richtig teuer wird die Angelegenheit für den Fahrer, weil er danach Fahrerflucht beging. Das Bußgeld für die Tempoüberschreitung fiele zwischen 80 Euro bei 21 bis 25 km/h oder 100 Euro (26 bis 30 km/h) plus ein Monat Fahrverbot bei erneutem Tempoverstoß aus. Weil wegen dieser vergleichsweisen Lappalie auf einen Gutachter verzichtet wurde, gibt es keine Angaben über das tatsächliche Tempo.

Mit 109 durch die Weißmarterkurve

Um einiges mehr auf dem Tacho hatte im zweiten Fall dieser Tage ebenfalls im Stadtgebiet jener Autofahrer, der am Samstag mit 109 statt der erlaubten 50 Stundenkilometer von der Regensburger Verkehrspolizei in der Weißmarterkurve geblitzt wurde. Mit einem Monat Fahrverbot und 240 Euro Geldbuße wird diese Temposünde geahndet.

So sah es in dem Garten nach dem Abschleppen des Fahrzeugs aus. Foto: M. Meier
So sah es in dem Garten nach dem Abschleppen des Fahrzeugs aus. Foto: M. Meier

Sind diese Strafen dafür angemessen oder nicht? Übereinstimmung herrschte bei den von uns befragten Experten Michael Danninger, Fahrlehrer Manfred Schreiner und Ralf Kunze von der Verkehrspolizei Regensburg in einem: „Die Strafen sind zu niedrig!“ Bei den Antworten auf die Fragen „Müssen die Geldbußen deutlich rauf gesetzt werden?“ oder „Ist eher bei der Länge der Fahrverbote das Maß höher anzusetzen?“ gab es Unterschiede.

Eine „Oase“ in Europa

Als Befürworter schärferer Sanktionen mittels Fahrverboten äußerte sich Ralf Kunze. Der Verantwortliche für Messstationen, wie sie nicht zum ersten Mal an der Weißmarterkurve aufgebaut waren, meinte: „Das muss sich mehr über Fahrverbote regeln.“ Beim Umgang mit Temposündern sei Deutschland eine „Oase der Milde“ in Europa. In Österreich etwa sei bei einer Überschreitung des Maximums um 50 Prozent sofort der Führerschein weg. Die Tauglichkeit zum Führen eines Fahrzeuges müsse der Fahrer dann über eine Art „MPU“ nachweisen. Diese medizinisch-psychologische Untersuchung kennt man in Deutschland nur in Verbindung mit drastischen Alkoholwerten, die nach Unfällen oder bei Verkehrskontrollen bei Fahrzeuglenkern gemessen werden.

Im Juli 2017 hatte in Neumarkt eine Gruppe Raser für Aufsehen gesorgt.

Apropos Österreich: Kunze findet das dortige System der „Section Control“ auch nicht schlecht. Dort wird mittels Weg-/Zeitberechnung herausgefunden, ob ein Autofahrer auf einer Autobahn mit zu viel Bleifuß auf dem Gaspedal gestanden war. Mit in Leitplanken eingebauten Sensoren würden die Österreicher jene traditionellen Messungen mittels transportabler Blitzgeräte ersetzen, wie sie in Bayern noch weit verbreitet sind.

Polizeichef für mehr Kontrollen

Hier wurde ein Autofahrer mit 109 statt 50 „Sachen“ gestoppt.Foto: Röhrl
Hier wurde ein Autofahrer mit 109 statt 50 „Sachen“ gestoppt.Foto: Röhrl

Polizeidirektor Michael Danninger sieht hingegen in einer angemessenen Erhöhung der Verwarnungs- und Bußgeldbeträge eine Möglichkeit zum Einfluss auf eine Veränderung des Fahrverhaltens. Die Bestimmung der Höhe unter Berücksichtigung bereits erfolgter Ahndungen stelle ein adäquates Mittel dar. Hinsichtlich der Verhängung von längeren Fahrverboten sei seiner Meinung nach zu beachten, dass hier die Betroffenen unterschiedlich hart getroffen werden. Danninger: „Die Auswirkungen sind sehr unterschiedlich, bedenkt man die Folgen für einen Gelegenheitsfahrer oder für eine Person, die beruflich auf den Führerschein angewiesen ist.“

Im Übrigen begrüßt er, dass jetzt auch die Kommunen als Mitglieder im Zweckverband Verkehrsüberwachung selbst kontrollieren können. Im Gebiet der Polizeiinspektion Neumarkt sei das in Postbauer-Heng und Pyrbaum schon der Fall. „Die Ressourcen der Polizei sind ja begrenzt. So ist es gut, dass der Überwachungsdruck steigt.“ Generell setzt Danninger auf mehr Tempokontrollen. Überhöhte Geschwindigkeit sei nach wir eine der Hauptunfallursachen.

„Wer sich ein schnelles Auto leisten kann, der verdient in der Regel mehr. Für den sind höhere Bußen ein Klacks.“

Manfred Schreiner, Vorsitzender des Kreisverbandes der Fahrlehrer

Manfred Schreiner, der Vorsitzende des Kreisverbandes der Fahrlehrer, hat nichts gegen ein über einen längeren Zeitraum verhängtes Fahrverbot. „Wer sich ein schnelles Auto leisten kann, der verdient in der Regel mehr. Für den sind höhere Bußen ein Klacks.“ Die Länge hält er unproblematisch, denn er weiß von Fällen, in denen das Verbüßen des Verbots mit einem Urlaub kombiniert wurde. Schreiner weiß, was in anderen Ländern praktiziert werde. So kassierten die Schweizer schon bei geringen Verstößen das Auto ein. Dort und im strikten Österreich werde die im Vergleich zu Deutschland ultraharte Linie durch viel Disziplin der Verkehrsteilnehmer belohnt.

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