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Region Neumarkt
Samstag, 24. Februar 2018 2

Debatte

Thumann: Park ist keine reine Natur

Die Stadt Neumarkt geht auf die Kritik des Bund Naturschutz nicht ein. Der Umweltreferent des Stadtrats zeigt Verständnis.
Von Eva Gaupp

2004 war der Stadtpark das letzte Mal umfassend neu gestaltet worden. Damals waren unter anderem der See entstanden und der Leitgraben ans Tageslicht geführt worden. Archivfoto: Gaupp

Neumarkt.„Ein Park ist nicht Natur im eigentlichen Sinn, sondern ist immer eine gestaltete Fläche.“ Damit bringt CSU-Stadtrat Werner Thumann seine Antwort auf die Kritik des Bund Naturschutz in Sachen Stadtpark auf den Punkt. Der Vorstand der Kreisgruppe hatte am Mittwoch ausführlich zu den Plänen Stellung genommen (wir berichteten) und vor allem beanstandet, dass die Umgestaltung zu wenig Raum für Insekten, Schmetterlinge und Hummeln sowie die Artenvielfalt vorsehe.

In einem öffentlichen Park verhalte es sich ähnlich wie in einem privaten Garten, erklärt Thumann, der Umweltreferent des Stadtrats. Oft werde zu viel gepflanzt und man müsse im Laufe der Zeit immer wieder zurückschneiden und Bäume oder Büsche herausnehmen. Das sei aber seit Jahrzehnten im Stadtpark nicht passiert.

Doch gerade für eine Artenvielfalt und Blühpflanzen, die für Insekten wichtig seien, brauche man sonnige Flächen – und die würden geschaffen, wenn die Hainbuchen gefällt werden. „Da sind die Diskussionen noch nicht abgeschlossen“, sagt Thumann. Deshalb treffe sich der Arbeitskreis nächsten Mittwoch wieder. „Der Bund Naturschutz ist herzlich eingeladen, sich ebenfalls mit Ideen einzubringen.“

„Das ist der große Wurf.“

Werner Thumann, Umweltreferent des Stadtrats

Jedoch könnten sich der Vorsitzende der BN-Ortsgruppe, Alfons Greiner, und seine Vorstandskollegen sicher sein, dass sich alle Beteiligten sehr viele Gedanken darüber gemacht hätten, wie der Stadtpark neu gestaltet werden soll. Auch auf die Fledermäuse werde Rücksicht genommen, sagt Thumann. Doch diese hielten sich nicht unbedingt im Umfeld der Hainbuchen auf, sondern bei den alten mächtigen Eichen. „Und die bleiben erhalten.“ Man könne jedoch darüber nachdenken, den Tieren zusätzliche Behausungen anzubieten.

Warum die Hainbuchen gefällt werden können, erklärt der Umweltreferent hier:

Die Hainbuchen

  • Entscheidung:

    Die Hainbuchen am Südhang des Parks werden gefällt.

  • Grund:

    Die Bäume sind nicht unter allen Umständen erhaltenswert.

  • Erklärung:

    Ein Baum verfügt über „ökologische Reife“, wenn er groß und stark ist, Höhlen als Lebensraum für andere Organismen bietet sowie einen Beitrag für die Sauerstoffproduktion leistet. Und wenn er diese Merkmale auch in Zukunft aufweist.

  • Einschränkung:

    Doch laut Förster Werner Thumann sind die Hainbuchen relativ schwach und drohen teilweise zu zerbrechen. Sie haben langfristig keine Zukunft.

Überhaupt sagt Thumann zu dem Parkkonzept: „Das ist der große Wurf“. Trotz eines Kompromisses bei den Parkplätzen sei es gelungen, die Grünfläche mitten in der Stadt zu erweitern und den Baumbestand zu erhalten. Vor einigen Jahren sei am Rande der Schanze eine Tiefgarage für eine Stadthalle geplant gewesen, erinnert Thumann. Das hätte weitreichende negative Konsequenzen für den Park gehabt.

In zwei Punkten gibt der Umweltreferent den Kritikern des Bund Naturschutz Recht: Der Platz für die Tafel samt öffentlichem Grillplatz sei ungeschickt gewählt. Gerade hinter dem jetzigen Denkmal schaffe man einen versteckten Bereich, der zu einem Treffpunkt für lichtscheue Gestalten werden könnte. Dort sei keine Sozialkontrolle möglich.

Und die offenere Gestaltung des Stadtparks habe ja noch einen weiteren Hintergrund: Derzeit trauten sich Frauen und ältere Personen vor allem abends nicht auf das Gelände, weil bekannt sei, dass sich dort teilweise ein sozial fragwürdiges Klientel aufhalte. Deshalb könne er aus diesen Gründen – und aus finanziellen Erwägungen heraus gut auf die Tafel samt Grillplatz verzichten.

Der Zugangsbereich zum Stadtpark vom Amtsgericht aus wurde 2004 komplett neu gestaltet. Archivfoto: Gaupp

Stattdessen wünscht sich der passionierte Radfahrer Radwege im Stadtpark. Das hatten auch die Naturschützer der Kreisgruppe beanstandet. Aus Sicherheitsgründen müssten die Wege für Fußgänger und Radfahrer vier Meter breit sein, hatte die Stadtverwaltung erläutert – und diesen Platz gebe es im Park nicht. Wenn man Platz für Parkplätze abzwacken könne, müsse auch genügend Raum für Radfahrer bestehen, hatte der BN-Vorstand argumentiert. Und das sieht Werner Thumann genauso: „Bei verschiedenen Wegebeziehungen müsste doch einer für Radfahrer möglich sein.“ Dafür wolle er sich noch einsetzen.

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Von der Stadtverwaltung war auch am Donnerstag kein Vertreter persönlich zu sprechen. Stadtbaumeister Matthias Seemann gab gegen 17.30 Uhr eine schriftliche Stellungnahme heraus. Auf die Kritikpunkte des Bund Naturschutz wird in dem Schreiben nicht eingegangen. Es heißt darin nur: „Die Ausführungen von Herrn Greiner in seinem offenen Brief sind teilweise falsch und laufen ins Leere“.

In vielen Gesprächen seien die Belange des Naturschutzes bei der Stadt aufgenommen worden. Deshalb sei die Stadt erstaunt darüber, dass in Greiners Brief der Eindruck erweckt werde, es würde sich „um einen willkürlichen, monotonen und unsensiblen Entwurf handeln“. Das Gegenteil sei der Fall: Bei der Planung seien sämtliche Interessengruppen – auch die Bürger – sowie die betroffenen Fachstellen mit eingebunden gewesen, um allen Interessen gerecht zu werden.

Aufgrund dieser Herangehensweise habe die Stadt rund 2,86 Millionen Euro an staatlichen Zuschüssen generieren können, heißt es in der Stellungnahme weiter. Grundsätzlich freue sich die Stadt jedoch über das Engagement des Bund Naturschutz, der sich für Natur, Landschaft und Mensch einsetze. Und die Stadt habe immer ein offenes Ohr für „konstruktive Gespräche, neue Ideen und Vorschläge“.

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