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Tiere

Tierschützer legen kräftig nach

Die Aktionsgruppe Tierrechte Bayern plant eine Demo gegen vermeintliche Missstände im Jura-Zoo in Neumarkt.
Von Johannes Heil und Lothar Röhrl

Werden die Tiere im Neumarkter Jura-Zoo artgerecht gehalten? Darüber ist derzeit eine heftige Diskussion entbrannt. Foto: Endlein
Werden die Tiere im Neumarkter Jura-Zoo artgerecht gehalten? Darüber ist derzeit eine heftige Diskussion entbrannt. Foto: Endlein

Neumarkt.Für gehöriges Aufsehen hatte unlängst ein Facebook-Beitrag der Aktionsgruppe Tierrechte Bayern aus Roth gesorgt. In besagtem Post hatten die Tierschützer die Zustände im Neumarkter Jura-Zoo angeprangert. Sie sprachen in diesem Zusammenhang etwa von „verletzten Vögeln, verhaltensgestörten Affen, verdreckten Böden und stinkenden Wasserkloaken“. Eine Überprüfung des Veterinäramts Neumarkt hatte daraufhin kleinere Mängel ergeben.

Nun legen die Tierschützer noch einmal ordentlich nach: Am Sonntag wollen sie in der Neumarkter Innenstadt eine Fotodemo mit dem Namen „Stoppt die Missstände im Jura-Zoo!“ veranstalten. Ein „Ja“ von Behördenseite zu der Demo steht allerdings noch aus.

Widersprüchliche Aussagen

„Der Besitzer zeigt sich bisher uneinsichtig und auch die Behörden schreiten nicht wirklich ein“, schreiben die Tierschützer in der Einladung zur Demonstration. „Wir haben dem Veterinäramt unsere Hilfsbereitschaft kundgetan und dem Betreiber des Zoos eine E-Mail geschrieben“, sagt Simon Fischer vom Aktionsbündnis. Eine Antwort sei dieser aber bislang schuldig geblieben.

Zoo-Besitzer Dieter Pelech hingegen versichert, dass bislang niemand von den Tierschützern auf ihn zugekommen sei. „Dafür haben viele andere ihre Hilfe angeboten“, sagt er. Vonseiten der Stadt ist indes kein Hilfsangebot zu erwarten. Oberbürgermeister Thomas Thumann verweist in der Antwort auf eine Nachfrage unseres Medienhauses auf den „rein privaten“ Charakter des Zoos. „Somit sind unsere Möglichkeiten in dieser Richtung eng begrenzt“, stellte das Stadtoberhaupt fest. Und er merkte an, dass er auch von keiner Anfrage des Zoos an die Stadt wisse: „Da hat es noch nichts Konkretes gegeben.“

Das Veterinäramt überprüfte den Zoo. Foto: Endlein
Das Veterinäramt überprüfte den Zoo. Foto: Endlein

Die meisten der vom Veterinäramt monierten Mängel seien mittlerweile behoben, sagt Pelech, der seinen Zoo zu Unrecht in der Kritik sieht. Die Aufnahmen der Tierschützer verzerrten die Realität, so Pelech, sie ließen seinen Zoo in einem schlechten Licht dastehen. Für die nächste Zeit hofft er, dass sich die Lage beruhigt.

Streichelzoo als Lösung?

Doch angesichts der geplanten Demonstration erscheint dies unwahrscheinlich. Es sollen Unterschriften gesammelt werden, um den Betreiber zur Schließung zu bewegen. „Wir wollen mit den Neumarktern sprechen und ihnen zeigen, was im Zoo momentan abläuft“, sagt Fischer. Für die Tierschützer ist auch eine Lösung denkbar, die den Zoo in eine Art Streichelzoo umwandeln würde. Nur die exotischen Tiere, die müssten dringend raus aus dem Zoo, sagt Fischer.

Nach den Vorwürfen hatte das Veterinäramt umgehend reagiert. Bei einer Kontrolle seien kleinere Mängel festgestellt worden. „Einige davon sind bereits behoben, manche stehen noch aus“, sagt Dr. Martin Schmid vom Veterinäramt. Die hierbei einzuhaltenden Fristen seien von der jeweiligen Maßnahme abhängig. Eine Schließung wird von der Behörde derzeit nicht als notwendig erachtet.

Tierschützer üben Kritik an der Haltung der Tiere. Foto: Endlein
Tierschützer üben Kritik an der Haltung der Tiere. Foto: Endlein

Dieser Einschätzung widerspricht Fischer klar und deutlich: „In dem Zoo herrschen keine kleinen, sondern gravierende Mängel.“ Affen auf Betonböden zu halten sei beispielsweise nicht artgerecht und füge den Tieren großes Leid zu. Sogar überregional hätte das Thema für Gesprächsstoff gesorgt. Deswegen habe man auch den Oberbürgermeister und die Stadtratsfraktionen kontaktiert. „Einen Skandal-Zoo kann doch niemand in Neumarkt wollen“, so Fischer. Die Tierschützer hätten zudem auch eine Anzeige beim bayerischen Umweltministerium eingereicht. „Wir geben nicht auf und hoffen, dass von dort aus Druck ausgeübt wird“, sagt Fischer weiter.

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Hier lesen Sie ein Interview mit Waltraud Fuchs vom Tierschutzverein Neumarkt:

Waltraud Fuchs vom Tierschutzverein
Waltraud Fuchs vom Tierschutzverein

Frau Fuchs, was sagen Sie zu den Vorwürfen, die gegen den Jura-Zoo vorgebracht werden?

Als Tierschützerin muss ich sagen, dass die Kritik auf der einen Seite in manchen Teilen durchaus berechtigt sein mag. Als Mensch hingegen muss ich auf der anderen Seite anführen, dass die Betreiber des Zoos wirklich alles geben und teilweisen einen Kampf gegen Windmühlen führen.

Inwiefern?

Der Zoo ist ein Familienbetrieb. Die Betreiber haben keinen 26-Stunden-Tag zur Verfügung, genauso wenig wie vier Hände oder vier Beine. Die bräuchte es aber manchmal, um allen Aufgaben gerecht zu werden.

Wo sehen Sie die Probleme?

Ich denke, viel hängt mit einer überzogenen Erwartungshaltung zusammen. Alles soll perfekt hergerichtet sein wie in Nürnberg. Dabei ist der Jura-Zoo ein Familienunternehmen, das sich unendlich bemüht. Wenn dann etwas nicht so läuft, ist der Aufschrei groß. Aber Unterstützung erfahren die Betreiber sonst nur wenig. Statt sich zu beschweren, könnte man ja auch einfach mit anpacken.

Wie sind Ihre Erfahrungen?

Wir haben einmal im Tierheim Weißbüschelaffen bekommen. Diese konnten wir natürlich hier nicht halten. Die Betreiber des Jura-Zoos haben die Tiere aufgenommen und sich um sie gekümmert.

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