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Agrarpolitik

Traktoren rollten zur Demo in Nürnberg

Eine der Sammelstellen war in Unterferrieden bei Burgthann. Die Landwirte wollen endlich gehört werden.
von Stefanie Roth

Entlang der Straße bei Unterferrieden bildete sich eine lange Schlange Traktoren. Foto: Stefanie Roth
Entlang der Straße bei Unterferrieden bildete sich eine lange Schlange Traktoren. Foto: Stefanie Roth

Unterferrieden.Hupend rollten am frühen Freitagmorgen gegen 9 Uhr immer mehr Traktoren an und bildeten am Straßenrand eine lange Schlange zwischen der B8 und Unterferrieden bei Burgthann. Regine Lehmeier hatte die Landwirte aus dem Neumarkter Landkreis zusammengetrommelt, um gemeinsam zur Großdemo in Nürnberg aufzubrechen. Auch am Volksfestplatz in Neumarkt hatten sich Traktorfahrer versammelt. Insgesamt erwartete Lehmeier über 150 Teilnehmer. Auch die Polizei war vor Ort, um den Verkehr zu regeln.

Für einige Fahrer, wie etwa Rainer Seidl, war der Treffpunkt in Mittelfranken auch ein Zwischenstopp: Schon vor über fünf Stunden war er nachts mit anderen Landwirten im niederbayerischen Pfarrkirchen gestartet. Regine Lehmeier, das Gesicht der Bewegung „Land schafft Verbindung“ in der Oberpfalz, erzählt, dass sich alle in WhatsApp-Gruppen organisieren. Dort kommunizierte sie auch, dass man nicht in Kolonne fahren dürfe, da offenbar noch mehr Polizeibeamte im Dienst nötig seien. Für die Schlepperfahrer bedeutete das, dass sie zum Beispiel an einer roten Ampel haltmachen müssen, um nicht den Führerschein zu verlieren. Auch ein bekanntes Gescht ist unter den Traktorfahrern. Albert Deß, ehemaliges MdEP, saß selbst am Steuer und sagte: „Ich bin gerne hier bei den Bauern. Ihr Anliegen ist berechtigt.“

Traktoren-Demo: Von Unterferrieden nach Nürnberg

Einer der Teilnehmer der Demo, Stephan Lehmeier, aus der Gemeinde Lauterhofen, war erstaunt, dass so viele Traktoren gekommen sind. „Im Winter sind eigentlich viele Schlepper abgemeldet“, erklärt er vor seinem Fendt. Doch auch er sehe wie viele andere keine andere Möglichkeit, gehört zu werden. „Das Miteinander ist super. Jeder hat die gleichen Interessen“, sagt er.

Unterferrieden Traktoren

Das bestätigt auch Regine Lehmeier: „Das wichtigste Anliegen ist die Aussetzung der Düngeverordnung.“ Darauf kommt auch Patrick Kneißl aus Berg zu sprechen. Der 21-Jährige betreibt Ackerbau und hat Angst, Grund abgeben zu müssen, um zum Beispiel die geforderten Abstände zu Bächen einzuhalten.

„Alles, was man vorher gemacht hat, ist verpufft. Das geht zum einen Ohr rein und zum anderen Ohr wieder raus.

Regine Lehmeier von „Land schafft Verbindung“

Die Landwirte sind noch längst nicht zuversichtlich, betont Lehmeier. „Alles, was man vorher gemacht hat, ist verpufft. Das geht zum einen Ohr rein und zum anderen Ohr wieder raus. Wir müssen mehr Druck ausüben. Es bewegt sich etwas, aber das heißt noch lange nicht, dass das auch umgesetzt wird.“ Sohn David begleitet sie. Auch ihm fällt auf, dass seine Mutter eine der wenigen Frauen am Steuer ist. Der 16-Jährige macht gerade eine Ausbildung zum Landwirt und sagt: „16 Leute sind in meiner Klasse, davon ein Mädchen.“

Forderungen der Landwirte

Der junge Mann kennt bereits die Probleme und Forderungen der Landwirte, die auch auf den Plakaten an den Traktoren zu lesen sind: „Koa Bauern, koa Essen, koa Leben“.

Bauern-Protest

Neumarkter bei Sternfahrt nach Berlin

Nicht jeder kann seinen Hof und die Kühe einfach allein lassen. Landwirt Herbert Haschke tut das, was viele gerne tun würden.

„Die Landwirtschaft darf nicht mehr länger billiger Rohstofflieferant der Lebensmittelindustrie sein“, heißt es in der Pressemitteilung von „Land schafft Verbindung“. Gefordert wird eine faire und verantwortungsvolle Landwirtschaft. Auf dem John Deere 6115M von Regine Lehmeier steht: „Agrarpolitik? – Wir wollen mitreden.“

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