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Energie

Trassengegner demonstrieren vor Gespräch

Markus Doll sollte in Mühlhausen aufzeigen, warum eine Aufrüstung der Juraleitung nötig ist. Doch er stieß auf Widerstand.
Von Bernhard Neumayer

Vor dem Feuerwehrhaus in Mühlhausen protestierten zahlreiche Bürgerinitiativen gegen die Aufrüstung der Juraleitung P53. Foto: Neumayer
Vor dem Feuerwehrhaus in Mühlhausen protestierten zahlreiche Bürgerinitiativen gegen die Aufrüstung der Juraleitung P53. Foto: Neumayer

Mühlhausen.Während hinter den Rednern die geladenen Gäste ins Feuerwehrhaus Mühlhausen durch die Einlasskontrolle schlichen, machten rund 70 Mitglieder von Bürgerinitiativen aus dem Landkreis Neumarkt vor der Türe mit Pfiffen Lärm. Die Gegner der Juraleitung P53 fordern eine dezentrale Energiewende.

Das zeigten sie auch gestern Nachmittag, als MdB Alois Karl einen Experten der Bundesnetzagentur zu einem Fachgespräch nach Mühlhausen eingeladen hatte. Dabei sollte Dr. Markus Doll, Leiter der Netzentwicklung der Bundesagentur, aufzeigen, warum eine Aufrüstung der Leitung notwendig ist. Nur geladene Gäste waren willkommen. Dazu gehörten Landrat Willibald Gailler, die Kreisräte, die Bürgermeister und Räte der von der Stromtrasse betroffenen Gemeinden sowie Vertreter der Bürgerinitiativen. Vor dem Eingang des Feuerwehrhauses versammelten sich jedoch zahlreiche Demonstranten mit Schildern, Trillerpfeifen, Warnwesten und rot-gelben Holzkreuzen.

Bürger demonstrieren

Vor dem Feuerwehrhaus in Mühlhausen protestierten zahlreiche Bürgerinitiativen mit Plakaten, Trillerpfeifen, Warnwesten und Holzbalken gegen die Aufrüstung der Juraleitung P53. Foto: Neumayer
Vor dem Feuerwehrhaus in Mühlhausen protestierten zahlreiche Bürgerinitiativen mit Plakaten, Trillerpfeifen, Warnwesten und Holzbalken gegen die Aufrüstung der Juraleitung P53. Foto: Neumayer

Bevor Markus Doll in einem dreißigminütigen Vortrag und einer gut 90-minütigen Fragerunde seine Argumente aufzeigen konnte, besänftigten er und Alois Karl die friedlichen Demonstranten. Nachdem die Sprecher der Bürgerinitiativen Alois Karl und Markus Doll deutlich gemacht hatten, dass sie für eine dezentrale Energiewende und gegen die Aufrüstung der Juraleitung sind, verließen sie ruhig den Vorplatz. Danach versuchte Dr. Markus Doll den geladenen Gästen aufzuzeigen, warum die Ertüchtigung notwendig ist. Er nannte einerseits den Ausstieg aus der Atomenergie und den Ausbau der erneuerbaren Energien als Grund dafür. Dadurch, dass im Norden Deutschlands überdurchschnittlich viel Windenergie an der Küste erzeugt werde, sei eine Stromautobahn in den Süden, wo weniger Windstrom generiert werde, notwendig.

Wie die neue Juraleitung verlaufen soll, sehen Sie in unserer Karte:

Der Leiter der Bundesnetzagentur stellte unterschiedliche Szenarien der Stromgewinnung vor. Alle gehen bis 2030 davon aus, dass bundesweit 65 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien stammt. Durch welche Methoden die Szenarien auf die 65 Prozent kommen, ist unterschiedlich. Während das erste Szenario von einer zentralen Stromerzeugung im Norden der Republik ausgeht, zeigt das zweite Szenario auf, wie eine dezentrale Gewinnung möglich wäre. Markus Doll sagte zwar, dass Dezentralität eine Möglichkeit sei. Er verdeutlichte aber, dass eine rein dezentrale Versorgung unmöglich sei. Ein überregionaler Energieaustausch sei notwendig. „Die Überschüsse aus dem Norden müssen die Defizite im Süden ausgleichen“, sagte Markus Doll.

Das sagt Alois Karl

  • Notwendigkeit:

    „Wenn wir die neue Leitung brauchen, müssen wir sie bauen“, sagte MdB Alois Karl zu Beginn der Veranstaltung im Feuerwehrhaus Mühlhausen. Dort sollte Dr. Markus Doll von der Bundesnetzagentur aufzeigen, warum die Aufrüstung notwendig ist.

  • Juraleitung:

    „Wir möchten nicht, dass Einwohner dadurch zusätzlich belastet werden“, sagte Alois Karl. „Wir möchten die Trasse aus den Dörfern herausbekommen.“

Experte: Aufrüstung ist nötig

Dr. Markus Doll, Leiter Netzentwicklung bei der Bundesnetzagentur, referierte. Foto: Neumayer
Dr. Markus Doll, Leiter Netzentwicklung bei der Bundesnetzagentur, referierte. Foto: Neumayer

Er zeigte etwa an einem Beispiel, dass die Aufrüstung der Juraleitung P53 eine Überlastung der bestehenden Leitungen östlich und westlich davon deutlich reduziere. „Wenn eine Leitung ausfällt, ist eine andere überlastet“, sagte Doll. Die von 220 kV auf 380 kV aufgerüstete Juraleitung reduziere diese Überlastung. „Ich will Ihnen reinen Wein einschenken“, sagte Doll. „Wir sind sehr sicher, dass die Ertüchtigung der Juraleitung notwendig ist.“

Strom

Rechtsanwalt gibt Trassengegnern Tipps

Gegen die geplante Juraleitung formiert sich im Landkreis Neumarkt Widerstand. Dr. Hans Neumeier gibt Betroffenen Ratschläge.

Nach seinem Vortrag bekam Markus Doll Unterstützung von Dr. Peter Ahmels, der dafür sorgte, dass die Fragerunde nicht ausufert und auf sachlicher Ebene bleibt. Der Moderator ist im Bürgerdialog tätig und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.

Vor dem Feuerwehrhaus in Mühlhausen protestierten rund 70 Menschen gegen die Aufrüstung der Juraleitung P53. Foto: Neumayer
Vor dem Feuerwehrhaus in Mühlhausen protestierten rund 70 Menschen gegen die Aufrüstung der Juraleitung P53. Foto: Neumayer

Vor allem die Sprecher der Bürgerinitiativen meldeten sich bei der Fragerunde zu Wort. Während Dörte Hamann aus Kottingwörth dem Redner Taschenspielertricks vorwarf, weil er mit realitätsfernen Beispielen die Lage zum Teil dramatisiere, fragte Helmut Enzenberger aus Sulzbürg den Experten der Bundesnetzagentur süffisant, wie man diese von der Aufrüstung der Juraleitung abhalten könne. Doll antwortete, dass sich die Bürger überlegen müssten, was sie wollen und was nicht. „Der Ausbau der Windenergie am Land wäre möglich, aber das wollen die meisten Bürger auch nicht.“ Enzenbergers Idee, den Strom über ein Tiefseekabel durch den Kanal in den Landkreis Neumarkt zu bekommen, erteilte Doll wegen der Schifffahrt eine Absage.

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