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Förderung

Trotz Handicap im ersten Arbeitsmarkt

Das „Budget für Arbeit“ ermöglicht erstmals einem Holnsteiner Werkstattmitarbeiter einen Job bei der Firma Schabmüller.
Von Markus Rath

Alexander Biederer an seinem Arbeitsplatz im Lager der Schabmüller GmbH. Über seine Leistungen im Unternehmen freuen sich Geschäftsführer Ralf Haag, Personalchefin Ursula Bundesmann, Peter Töllich (Leiter Logistik), Franz Hausner (Leiter Werkstätten Regens-Wagner) und Markus Moosburger (Fachdienst und Jobcoach Regens-Wagner Holnstein) Foto: Markus Rath
Alexander Biederer an seinem Arbeitsplatz im Lager der Schabmüller GmbH. Über seine Leistungen im Unternehmen freuen sich Geschäftsführer Ralf Haag, Personalchefin Ursula Bundesmann, Peter Töllich (Leiter Logistik), Franz Hausner (Leiter Werkstätten Regens-Wagner) und Markus Moosburger (Fachdienst und Jobcoach Regens-Wagner Holnstein) Foto: Markus Rath

Sollngriesbach.Zum ersten Mal ist es einem Mitarbeiter der Holnsteiner Werkstätten für Menschen mit Behinderung gelungen, über das Budget für Arbeit einen echten Arbeitsplatz auf dem so genannten ersten Arbeitsmarkt zu finden. Alexander Biederer arbeitet seit 1. Januar bei der Schabmüller GmbH im Lager und erfährt dabei hohe Wertschätzung durch seine Kollegen und seine Vorgesetzten. „Alex ist ein Mensch, der die Arbeit sieht und sie dann auch anpackt“, sagt Peter Töllich (Leiter Logistik) über den 36-jährigen, der seinen beruflichen Weg bei seinem neuen Arbeitgeber mit einem Praktikum begann.

„Biederer kann als ein Musterbeispiel für die Arbeit im Bereich der beruflichen Rehabilitation angesehen werden, sagt dazu Markus Moosburger, der als Fachdienst und Jobcoach bei Regens-Wagner dafür eingestellt wurde, dass er die leistungsbesten Mitarbeiter dabei unterstützt, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Beispiel sollte Mut machen

Biederer sei ein Erfolg im Sinne der Teilhabe von Menschen mit Behinderung an der Gesellschaft. Gleichzeitig habe die Schabmüller GmbH in Zeiten des Fachkräftemangels einen guten Mitarbeiter gewonnen. Dieses Beispiel könne weiteren Menschen mit Handicap und auch Unternehmen Mut machen, diesen Weg zu gehen.

Das „Budget für Arbeit“ im Überblick

  • Voraussetzung:

    Die Unterstützungsleistungen erhalten Menschen, die einen Rechtsanspruch auf einen Arbeitsplatz in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung haben und ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aufnehmen können und wollen.

  • Gutachten:

    Ein Fachdienst beurteilt, wie leistungsfähig ein Mitarbeiter ist, und legt dann fest, wie hoch die Förderung aus dem Budget für Arbeit ist.

  • Förderung:

    Das „Budget für Arbeit“ ist unabhängig von Einkommen und Vermögen. Der Arbeitgeber erhält einen Zuschuss zu den Lohnkosten von bis zu 75 Prozent des Arbeitslohnes, maximal aber 1461,60 Euro (Stand März 2018). Zudem werden Assistenzleistungen übernommen.

  • Sicherheit:

    Wenn sie das Beschäftigungsverhältnis am allgemeinen Arbeitsmarkt beenden wollen, haben die Menschen mit Behinderung Anspruch auf die Rückkehr auf einen Arbeitsplatz in der Werkstatt.

Denn genau darum geht es in dem seit Sommer 2018 aufgelegten Programm „Budget für Arbeit“, mit dem der Bezirk Oberpfalz die Teilhabechancen von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt deutlich erhöht (siehe Infokasten). „Das ist ein tolles Instrument, das sich aber erst durchsetzen muss,“ sagt Martina Hirmer, Pressesprecherin des Bezirks Oberpfalz. „Unser Präsident Franz Löffler verweist immer darauf, dass heute rund 50 Prozent der Neuzugänge in den Werkstätten Menschen sind, die der erste Arbeitsmarkt „aussortiert“ hat, die aber aus seiner Sicht gar nicht in die Werkstätten gehören.“ Hilfstätigkeiten seien in den vergangenen Jahren immer mehr wegrationalisiert worden. Das „Budget für Arbeit“ biete jetzt die Chance, diesen Menschen wieder einen Platz in regulären Unternehmen zu schaffen. Deshalb solle die Förderung von bis zu 75 Prozent der Lohnkosten auch unbürokratisch gewährt werden, um zu verhindern, dass sich viele Arbeitgeber sofort verschließen, sobald es darum geht, einen Arbeitsplatz für einen Menschen mit Behinderung zu schaffen.

Immer auf der Suche nach gutem Personal

Ganz anders agiert da die Schabmüller GmbH, die Unternehmenstreue groß schreibt. „Ich selbst bin seit 34 Jahren bei Schabmüller“, erzählt Töllich. „Diese Werte und der Umgang untereinander machen eine Firma aus“, sagt Geschäftsführer Ralf Haag. Er könne das nur unterstützen und fördern. Es sei aktuell schwer, gute Mitarbeiter zu gewinnen, der Arbeitsmarkt sei fast Leer gefegt. Deshalb sei er den Kollegen dankbar, dass sie einen wertvollen Mitarbeiter gewonnen haben.

Geschäftsführer Ralf Haag gratuliert Alexander Biederer zu seinem ersten Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt. Foto: Markus Rath
Geschäftsführer Ralf Haag gratuliert Alexander Biederer zu seinem ersten Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt. Foto: Markus Rath

Biederer begann mit einem Praktikum bei Schabmüller, brachte aber aus den Holnsteiner Werkstätten bereits Erfahrung mit der Arbeit im Lager mit. Auch den Staplerschein hatte er bereits im Vorfeld erworben. Töllich: „Er hat sich sofort sehr gut zurechtgefunden.“ Der fleißige junge Mann habe seiner Abteilung vom ersten Tag an weitergeholfen und sei auch mit den Kollegen sehr gut ausgekommen. Deshalb habe er angeregt, eine offene Stelle im Lager mit ihm zu besetzen. „Ich habe das bis heute nicht bereut“, sagt Töllich.

Traum ging in Erfüllung

Für Biederer, der unter einer Lernschwäche leidet, hat sich ein Traum erfüllt: Der „richtige Arbeitsplatz“ bringt ihm nicht nur ein richtiges eigenes Einkommen, sondern auch eine durchaus anspruchsvolle und abwechslungsreiche Aufgabe. „Ich muss für die Produktionsaufträge die lagernden Bestandteile zusammentragen und an die Fertigung übergeben.“ Da sind Genauigkeit und Verständnis von der Lagerwirtschaft gefragt. Das Praktikum aber zeigte. Biederer ist sehr gut für diese Aufgabe geeignet.

Die Tatsache, dass einer seiner Besten jetzt den Holnsteiner Werkstätten den Rücken kehren konnte, sieht Franz Hausner, Werkstattleiter von Regens-Wagner trotzdem mehr mit einem lachenden Auge: „Es ist unsere Aufgabe, die Menschen zu fördern und sie in ihrer Entwicklung zu begleiten.“ Jeder Mensch sei anders. „Unser Ziel ist es, für jeden den passenden Platz zu finden.“ Durch den Jobcoach Markus Moosburger sei dies natürlich deutlich intensiviert worden. „Das zeigt: Werkstätten sind keine Einbahnstraße.“

Diese Erkenntnis muss aus Sicht von Moosburger aber noch viel intensiver bekannt gemacht werden. „Kaum ein Unternehmer kennt bisher das Budget für Arbeit.“ Das bestätigt auch Hirmer vom Bezirk Oberpfalz: Aktuell wird es im Landkreis Neumarkt nur von drei Menschen genutzt. „Diese Zahl ist durchaus ausbaufähig. Wir sind guter Dinge, dass sich das erst seit einem guten Jahr laufende Förderprogramm noch durchsetzen wird,“ sagt sie. Schließlich lohne es sich für alle Beteiligten und sei zudem für Mitarbeiter und Arbeitgeber risikolos, wenn es nicht klappt.

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