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Profisportler

Ünsal Arik ist Praktikant im Bundestag

Der Boxer machte als Erdogan-Kritiker von sich reden. Nun schnuppert der Oberpfälzer mit türkischen Wurzeln in die Politik.
Von Katharina Kellner

Ünsal Arik hat bei seinem Praktikum im Deutschen Bundestag den SPD-Politiker Martin Schulz kennengelernt. Foto: Ünsal Arik
Ünsal Arik hat bei seinem Praktikum im Deutschen Bundestag den SPD-Politiker Martin Schulz kennengelernt. Foto: Ünsal Arik

Neumarkt.Es sind nur drei Tage Schnupperpraktikum – doch Ünsal Arik ist hörbar bewegt von dem, was er im Deutschen Bundestag erlebt: Der Profiboxer, der 1980 in Parsberg geboren wurde, erlebt spannende Tage als Praktikant im Büro von Thomas Hitschler, dem SPD-Bundestagsabgeordneten für die Südpfalz und Mitglied im Verteidigungsausschuss. Arik, der türkische Wurzeln hat, erlangte überregionale Bekanntheit, weil er Stellung bezogen hat gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und seine Politik, insbesondere das Verfassungsreferendum in der Türkei 2017. Der 1,75 Meter große Boxer kämpft in der Klasse „Super Mittelgewicht“.

Ungesunde Ernährung im Deutschen Bundestag

Am Telefon muss man Arik gar nicht erst fragen, was er im Parlament erlebt und was er sich von diesem Praktikum erhofft. Obwohl es noch nicht einmal 8 Uhr morgens ist, sprudelt er gleich los: Er habe Martin Schulz kennengelernt, den einstigen SPD-Parteivorsitzenden und Präsidenten des Europaparlaments. An diesem Donnerstag werde er Lars Klingbeil treffen, den SPD-Generalsekretär. „Und heute kommt die Kanzlerin ins Plenum.“ Die Diskussion dort sei sehr spannend, die AfD sei „nur am provozieren“.

Auf die Frage nach der Wahl der Partei, bei der er sein Praktikum absolviere, sagt Arik: „Ich bin durch und durch Sozialdemokrat.“

Boxen

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Zwar habe er wegen des Praktikums im Bundestag auch bei der CSU angefragt. Doch die hätten „einen Stock im Arsch“, sagt Arik, der um deutliche Worte nicht verlegen ist. Thomas Hitschler von der SPD sei dagegen „ein Mann des Volkes“, mit dem er „nach zwei Minuten per Du“ gewesen sei und der sich für ihn viel Zeit genommen habe.

Arik hat auch gleich entdeckt, dass es in der Küche des Bundestags nur ungesunde Dinge zu essen gibt – was den Sportler ziemlich fassungslos macht. Er selbst hat ein Buch über vegane Ernährung veröffentlicht („VegBoxen“), in dem er laut Verlag „mit dem Vorurteil vom kraftlosen Veganer aufräumt“. Arik sagt: „Es gab dort nur Fastfood und Kuchen, nichts Veganes. Das kann nicht sein, dass die einflussreichsten Menschen in Deutschland über Umwelt, Klima und Tierrechte reden, aber selbst nichts Gesundes essen.“

Kommt nach der Sportler- eine Politikkarriere?

Interessant findet Arik, zu beobachten, wie Entscheidungen im Bundestag zustande kommen. Wenn ein Abgeordneter eine Idee habe, könne er sie in der Regel nicht eins zu eins umsetzen. Es komme immer ein Kompromiss heraus. Ausschlaggebend seien häufig Geld und Investoren. Entscheidungen seien schon zuhause in der Familie nicht einfach zu finden. Noch schwerer sei es, ein Land wie Deutschland zu regieren.

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Ünsal Ariks Fazit: „Politik ist viel mehr als das Gequatsche, das man im TV sieht.“ Er sei nun fast 39 Jahre alt, sagt der Oberpfälzer Profiboxer. Mit etwa 45 wolle er das Boxen aufgeben. Langfristig könne sich eine Karriere in der Politik vorstellen, da er durch das Boxen eine Stimme habe, mit der er viele Menschen erreiche.

Zur Person Ünsal Arik

  • Zur Person:

    Ünsal Arik wurde am 27. Oktober 1980 in Parsberg geboren. Der 1,75 Meter große Boxer mit türkischen Wurzeln kämpft in der Klasse „Super Mittelgewicht“.

  • Eintrag:

    Ünsal Arik trug sich im Jahr 2015 in das Goldene Buch der Stadt Parsberg ein.

  • Erdogan-Kritik:

    2013 sorgte Arik für einen Eklat in der Türkei, als er im Ring ein T-Shirt trug, auf dem er Erdogan kritisierte. 2016 bezeichnete er Erdogan im Sat.1-Frühstücksfernsehen als „Hitler 2.0“.

  • Sportkarriere:

    Mit 27 Jahren begann Ünsal Arik seine Boxkarriere in Regensburg.

  • Amateur- und Profifights:

    Er trainierte dort beim Boxclub Boxfit und bestritt elf Amateurkämpfe. Den ersten Profikampf hatte er 2011.

  • Literatur:

    Mitte März dieses Jahres erschien das 240 Seiten starke Buch „VegBoxen“ des bekennenden Veganers Ünsal Arik auf dem Buchmarkt. (kh)

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