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Unsichere Rechtslage

Dekan Richard Distler befürwortet weiter standesamtliche Trauung.

Von Christian Gressner

„Ich würde einem Paar weiterhin dazu raten, auch standesamtlich zu heiraten“, sagte der katholische Dekan Richard Distler in einer ersten Reaktion auf die Tatsache, dass ab 1. Januar eine kirchliche Trauung auch ohne standesamtliche Hochzeit möglich sein wird. Die kirchliche Zeremonie wird vom Staat juristisch nicht anerkannt, Distler warnte daher davor, dass die Partner im Fall einer rein kirchlichen Hochzeit auf viele Rechte – zum Beispiel bei Krankheit oder Tod eines Partners sowie bei einer Scheidung – verzichten müssten.

Was passiert bei einer Scheidung?

Die Klärung der rechtlichen Fragen muss nach Ansicht von Dr. Wolfgang Bub, Dekan der evangelischen Kirche in Neumarkt, nun Vorrang haben. „Was bedeutet das zum Beispiel, wenn jemand kirchlich verheiratet ist und ein zweites Mal heiraten will?“ Ist mit der zweiten Zeremonie die erste Ehe rechtmäßig geschieden? Bislang ist eine Scheidung und damit die erneute Heirat gesetzlich geregelt. Doch die Daten zu einer kirchlichen Trauung werden laut Bub nicht zentral gespeichert, nach dem 1.Januar könne es einem Pfarrer passieren, dass die Brautleute bereits mehrfach kirchlich getraut sind, ohne dass der Kirchenmann das erfahren haben muss. Das sei nicht im Interesse der evangelischen Kirche. „Die Ehe ist ein lebenslanges Vorhaben“, bei dem ein Scheitern und zweiter Versuch jedoch nicht kategorisch ausgeschlossen sind.

Nachteile für schwächeren Partner

Eine Stärkung der kirchlichen Trauung ist die Neuregelung laut Distler in keinem Fall. Im Gegenteil: „Für uns war es eine Stütze, wenn die standesamtliche Trauung erfolgte.“ Dadurch sah Distler bislang die drei katholischen Grundsätze der Ehe – Einheit, Unauflöslichkeit und der Wille zum Kind – gestärkt. Nachteile sieht Distler ab dem 1. Januar vor allem für den schwächeren Partner. „Er ist rechtlich nicht mehr abgesichert.“ Nun müsse die katholische Kirche mit dem Staat verhandeln, ob dieser bereit sei, die eheliche Willenserklärung eines Paares vor dem Altar zumindest in Ausnahmefällen wie einer Krankheit anzuerkennen, so Distler.

„Die Kirche insgesamt wird sich mit diesem Thema befassen müssen“, sagte Dekan Bub, „damit wir einheitliche Wege finden“. Keinesfalls dürfe es in jeder Gemeinde unterschiedliche Regelungen geben. Die Kirche könne auch von sich aus eine standesamtliche Trauung verlangen, obwohl das nicht theologisch zwingend sei.

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