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US-Panzer rollen durch Kreis Neumarkt

Im größten Manöver seit Langem fahren 1000 Fahrzeuge von Grafenwöhr nach Hohenfels. Das lockte Besucher auch von weit her an.
von Wolfgang Endlein

Am Sonntag rollten 300 Militärfahrzeuge, darunter auch viele Panzer, über die Straßen zwischen den Truppenübungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels. Foto: Endlein
Am Sonntag rollten 300 Militärfahrzeuge, darunter auch viele Panzer, über die Straßen zwischen den Truppenübungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels. Foto: Endlein

Neumarkt.Viele Autos mit dem Kennzeichen „OS“ für Osnabrück dürften sich bisher nicht auf das kleine Sträßchen in der Nähe von Nattershofen in der Gemeinde Lauterhofen verirrt haben. „Sowas sieht man ja auch nicht alle Tage“, erklärt Lars de Vries, warum ein Osnabrücker Auto samt zwei Norddeutschen mitten in der Oberpfälzer Provinz steht.

Das „Sowas“ ist zuerst nur zu hören, dann sieht man es und schließlich spürt man es auch: 60 Tonnen bringt ein M1 Abrams Kampfpanzer der US-Army auf die Straße. Dieser erste in grüner Tarnfarbe gekleidete Stahlkoloss mit der 120 Millimeter Kanone am Kampfturm ist aber nicht allein. Auf Hunderte Tonnen dürfte sich die lang gestreckte Kolonne mit rund 20 Panzern summieren. Dazwischen reihen sich weitere Militärfahrzeuge ein.

Insgesamt fast 1000 Militärfahrzeuge unterwegs

Bei Lars de Vries und seinem Kompagnon Michael Uffmann klicken unaufhörlich die Auslöser der Kameras, während der Militärkonvoi vorbeidonnert. Die beiden Niedersachsen werden noch viele weitere Fahrzeuge am Sonntag und die folgenden Tage bis Dienstag zu sehen bekommen. „Am Sonntag sind rund 300 Fahrzeuge von Grafenwöhr nach Hohenfels unterwegs. Insgesamt werden es bis Dienstag fast 1000 sein“, erklärt Captain Orlandon Howard von der 2nd Armored Brigade Combat Team der 1st Infanterie Division der US-Armee.

Lars de Vries und sein Kompagnon Michael Uffmann sind eigens aus Niedersachsen angereist, um das Manöver in der Oberpfalz zu verfolgen. Foto: Endlein
Lars de Vries und sein Kompagnon Michael Uffmann sind eigens aus Niedersachsen angereist, um das Manöver in der Oberpfalz zu verfolgen. Foto: Endlein

Möglich macht dies das Manöver „Combined Resolve“, eine halbjährlich stattfindende Übung. Die zehnte Auflage dieses Manöver ist aber eine Besondere. Seit 15 Jahren hat es keine derart große taktische Konvoibewegung, wie es die Militärs nennen, mehr gegeben. Normalerweise transportiere man insbesondere schweres Gerät wie die M1 Abrams mit Sattelschleppern von einem Übungsplatz zum anderen. Doch diesmal sei schon die Anfahrt nach Hohenfels Teil des Trainings, wie Major Neil Pentilla vom 7th Army Training Command erklärt.

Viele weitere Bilder des Sonntags finden Sie in der Bildergalerie:

US-Panzer üben im Landkreis Neumarkt

Dass es einiges zu trainieren gibt, wenn eine solche Menge an Militärfahrzeugen zeitlich versetzt und aufgeteilt in verschiedene Konvois fortbewegt, wird beim Blick auf die Straßen schnell klar. Auf der westlichen Umfahrung von Lauterhofen fordert das Manöver gleich am Sonntagvormittag sein erstes Opfer. Ein umgeknickter weißer Straßenpfosten ragt unter der grünen Masse eines Panzers hervor, der von der Straße abgekommen ist. Hinter ihm liegt auf der Straße seine rechte Kette, die er verloren hat. Den ganzen Vormittag über werden eine Menge US-Soldaten mit schwerem Gerät beschäftigt sein, den Panzer wieder flott zu bekommen.

Nahe Lauterhofen kam dieser Panzer zum Liegen. Die Kette war abgesprungen. Foto: Endlein
Nahe Lauterhofen kam dieser Panzer zum Liegen. Die Kette war abgesprungen. Foto: Endlein

Das bedeutet aber auch: auf der Straße geht nichts mehr. Die Lauterhofener Wehr sperrt die Straße nach einiger Zeit ab, leitet den Verkehr um. Zuvor fand sich der ein oder andere Sonntagsausflügler aber unversehens in einer ungewöhnlichen Sackgasse wieder. Mehr verwundert als genervt drehen die meisten wieder um.

Bewegte Bilder von rollenden Panzern und ein Captain der US-Army im Interview sehen Sie im Video:

Großes Panzer-Manöver der US-Army im Landkreis Neu

Des einen Leid, des anderen Freud: Denn während anderswo an der Route, die von Grafenwöhr über die B85 und einen Abschnitt der A6 von Norden herkommend an Lauterhofen, dem Habsberg und Velburg vorbei nach Hohenfels führt, die Panzer und andere Fahrzeuge mit Konvoi-Geschwindigkeit von 40 bis 50 Stundenkilometer vorbeidonnern, kann man die US-Einheiten beim beschädigten Panzer in aller Ruhe beobachten.

Entsprechend versammeln sich wie auch an anderen Stellen der Strecke, wo die Militäreinheiten kurze Pausen einlegen, viele Schaulustige. Dort, wo der Konvoi zum Stehen kommt, wuselns meist schnell viele Menschen ihrerseits bewaffnet mit Kameras und Smartphones zwischen den stählernen Kolossen umher. Die US-Soldaten beobachten es gelassen, mit manch einem kommen die Schaulustigen sogar ins Gespräch und erfahren dabei, dass die 2nd Armored Brigade eigentlich in Fort Riley in Kansas stationiert ist.

Auch die US-Armee begleitet auf Facebook das Manöver:

Dorthin, in die weite Landschaft der Prärie, werde die Einheit mit ihren 87 Panzern nach „Combined Resolve“ auch wieder zurückkehren, erklärt Captain Howard. Im Zuge eines Rotationssystems verlege die US-Armee immer wieder wechselnde Einheiten nach Europa, die dort gemeinsam mit Nato-Partnern trainierten und ihre Einsatzbereitschaft unter Beweis stellen müssten, ergänzt Major Pentilla.

„Fans“ reisten eigens aus Niedersachsen an

Für Lars de Vries und Michael Uffmann sind Begriffe wie „Rotational Brigade“ oder „Tactical Road March“ kein Buch mit sieben Siegeln. „Andere fotografieren Flugzeuge oder Eisenbahnen, wir archivieren Manöver“, sagt de Vries, der gemeinsam mit anderen die Homepage www.military-database.de betreibt. „Wir sind damit aufgewachsen – und irgendwas ist da hängegeblieben“, sagt de Vries über die einstigen Manöver der Briten in seiner Heimat, aus der er eigens für das Manöver in die Oberpfalz angereist ist, um einige Urlaubstage auf die Manöverbeobachtung zu verwenden.

Dass sein Hobby von manch einem als sehr ungewöhnlich empfunden wird, ist der Niedersachse gewohnt. Er weiß aber auch, dass er damit nicht allein ist. Das beweist nicht nur die Facebook-Seite von Military Database mit ihren fast 20 000 Followern, sondern auch die vielen Menschen am Rande der Strecke durch die Oberpfalz.

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