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Freitag, 20. Juli 2018 28° 2

Ausland

USA-Aufenthalt: Neumarkter ist zurück

Cowboystiefel und Wasserspender gehören in North Dakota zum Alltag. Ein Schüler aus Neumarkt entdeckt ungewöhnliche Dinge.
Von Stefanie Roth

Beide halten die amerikanische Flagge in den Händen: Alois Karl (MdB) ist der Pate des Stipendiaten Anton Heyes (rechts).
Beide halten die amerikanische Flagge in den Händen: Alois Karl (MdB) ist der Pate des Stipendiaten Anton Heyes (rechts).

Neumarkt.Anton Heyes träumt fast immer noch jede Nacht auf Englisch. Wenn der Neumarkter seinen Freunden Nachrichten auf dem Smartphone schickt, fällt ihm oft nicht auf, dass er die Wörter auf Englisch eintippt. „Du kannst uns auch auf Deutsch schreiben“, antworten ihm seine Freunde mit einem Zwinkern. Kein Wunder, der 17-jährige Lockenkopf ist erst vor einer Woche aus den USA zurückgekehrt. Alois Karl (MdB) hatte den jungen Mann unter allen Bewerbern für das Parlamentarische Patenschafts-Programm ausgesucht, das der Deutsche Bundestag mit dem US-Kongress initiiert. „Das ist wie in der Politik“, sagte Karl, „die Posten sind weniger als die Aspiranten.“ Heyes habe mit seiner Persönlichkeit überzeugt: Er sei unter anderem weltoffen, politisch interessiert, engagiert und habe eine gute Allgemeinbildung, wie etwa zum deutschen oder amerikanischen Wahlsystem.

Alois Karl war schon häufig Pate, aber zum ersten Mal fand das Gespräch in seinem eigenen Garten statt. Neben dem Teich mit den Seerosen steht ein runder gedeckter Tisch mit Kaffee und Kuchen. Am dunkelblauen Jackett von Anton Heyes ist die Anstecknadel mit der deutsch-amerikanischen Flagge zu sehen, die auch auf dem weißen Hemd von Alois Karl hervorblitzt. In der US-amerikanischen Partnerstadt Dickinson in North Dakota ging es eher leger und ländlich zu. „Hier trägt man Jogginghose und Cowboy-Stiefel“, sagte Anton Heyes über das Städtchen, das 2017 etwa 22 000 Einwohner zählte.

USA: Keine einzige Bäckerei

Erlebnisse: Der Gymnasiast aus Neumarkt steht vor der Golden Gate Bridge. In den USA hat er viele Ausflüge wie diesen unternommen. Auch kulturell hat er viel entdeckt, wie etwa weltbekannte Museen. Foto: Heyes
Erlebnisse: Der Gymnasiast aus Neumarkt steht vor der Golden Gate Bridge. In den USA hat er viele Ausflüge wie diesen unternommen. Auch kulturell hat er viel entdeckt, wie etwa weltbekannte Museen. Foto: Heyes

Im Gegensatz zu Neumarkt seien die Häuser deutlich weitläufiger angesiedelt, es gebe keine einzige Bäckerei, da die Amerikaner tatsächlich nur Weißbrot essen. Private Restaurant-Betreiber sucht man vergeblich. Überwiegend gibt es Systemgastronomie von großen Fastfood-Ketten. Anton Heyes war sich natürlich bewusst, dass an jeder Ecke süßes und zuckerhaltiges Essen lauert. Sein Vorteil: „Meine Familie hat sich gesund ernährt.“ Zudem gibt es überall an öffentlichen Plätzen Wasserspender, auch in der Kirche oder in der Schule. Die Highschool nahm für ihn den größten Teil seines Lebens ein. Obwohl junge Leute schon ab 15 Jahren den Führerschein machen können und häufig mit dem Auto auf den Straßen unterwegs sind, hat er sich dafür entschieden, die Strecke von etwa zehn Minuten jeden Tag zu Fuß zu gehen.

Anderes Schulsystem in Amerika

Gastfamilie: Die Eltern konnten sich selbst ihren Gastschüler aussuchen. Die Entscheidung fiel auf Anton Heyes (2. v. re.). Auch für den Neumarkter war die Familie mit den drei Kindern ein echter Glücksfall. Foto: Heyes
Gastfamilie: Die Eltern konnten sich selbst ihren Gastschüler aussuchen. Die Entscheidung fiel auf Anton Heyes (2. v. re.). Auch für den Neumarkter war die Familie mit den drei Kindern ein echter Glücksfall. Foto: Heyes

Der sport- und politikbegeisterte Schüler resümiert: „Das Schulsystem ist ganz anders als in Deutschland. Jeder habe einen eigenen Stundenplan.“ Daher möchte er auch im September 2018 in die elfte Klasse einsteigen und nicht direkt in die zwölfte. Ansonsten hätte er Sorge, dass ihm am Ende wichtiger Lernstoff fürs Abitur fehle. In der Schule hielt er auch Präsentationen und Referate über sein Heimatland.

Bescheinigung: Anton Heyes ist zurück aus den USA und hält das Abschluss-Zertifikat in den Händen. Dieses wird ihm sicherlich auch für seine berufliche Zukunft von Vorteil sein. Foto: Roth
Bescheinigung: Anton Heyes ist zurück aus den USA und hält das Abschluss-Zertifikat in den Händen. Dieses wird ihm sicherlich auch für seine berufliche Zukunft von Vorteil sein. Foto: Roth

Was ihn erstaunt hat: Wenn er die Amerikaner auf einer Weltkarte nach Deutschland fragte, zeigten die Leute auf Asien oder Russland. „Sie hätten nicht gedacht, dass Deutschland so klein ist“, schilderte Heyes, der sich auch für die typisch amerikanischen Sportarten begeistert. Er spielte unter anderem Football und machte Leichtathletik. Vieles hat er mit seinen zwei besten Freunden unternommen, Conner und Brendan. Die beiden seien genauso sportbegeistert gewesen wie er selbst.

Was das schönste Erlebnis von Anton Heyes war, sehen Sie hier.

Heimweh ist bei so vielen Aktivitäten erst gar nicht aufgekommen, außer an Weihnachten oder bei großen Familienfesten in Deutschland. Oft aber nutzte Heyes die Möglichkeit, übers Internet zu telefonieren oder über die sozialen Medienkanäle Kontakt zu halten: „Meine Eltern habe ich oft gefacetimed“, sagte er. Seine Mutter sei auch schon mal eine Austauschstudentin in den USA gewesen – bei ihr sei es noch nicht so einfach gewesen, via Handybildschirm in der Hand die Liebsten zu sehen.

Sport: Die typisch amerikanischen Sportarten wie American Football, Baseball und Basketball haben es dem deutschen Austauschschüler angetan. Hier hat er auch etliche gute Freunde gefunden. Foto: Heyes
Sport: Die typisch amerikanischen Sportarten wie American Football, Baseball und Basketball haben es dem deutschen Austauschschüler angetan. Hier hat er auch etliche gute Freunde gefunden. Foto: Heyes

Jetzt, wo er wieder zuhause in seinem Kinderzimmer ist, nimmt er Gerüche und die Umgebung ganz anders wahr. „Mein Kinderzimmer riecht nach Holz. Es kommt einem vor, als wäre es ein anderes Zimmer“, sagt er. Nicht nur das ist ihm aufgefallen: „Meine Eltern haben ein neues Sofa gekauft“, ergänzt er und lacht. Er selbst kann nun künftig auf seine neuen Erfahrungen zurückgreifen. Ob er sich viel verändert hat? – Seine Freunde glauben, dass er ein paar Zentimeter gewachsen sei.

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