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Kultur

Velburger hat wichtiges Ziel erreicht

Martin Sturm hat den höchstrenommierten „Johann-Pachelbel-Preis“ gewonnen. Für ihn war das ein ganz wichtiger Schritt.
Von Peter Tost

Marin Sturm an der Hepp-Orgel, an deren Restaurierung er federführend beteiligt war Foto: Tost
Marin Sturm an der Hepp-Orgel, an deren Restaurierung er federführend beteiligt war Foto: Tost
SBOP: Chris Wittl und Martin Sturm teilten sich 2012 das Dirigentenpult. Foto: Gabler
SBOP: Chris Wittl und Martin Sturm teilten sich 2012 das Dirigentenpult. Foto: Gabler

Velburg.Das Klischee vom Wunderkind war Martin Sturm schon damals unsympathisch, als er mit sieben oder acht Jahren in Velburg seine erste Messe an der Orgel spielte und sein erstes richtig gutes Stück komponierte. „Ich wollte schon damals – und das gilt bis heute – dass die Leute nicht deshalb in meine Konzerte kommen, damit sie ein Wunderkind sehen“, sagt der sympathische junge Mann. „Ich will, dass sie kommen, damit ich mit ihnen die Musik teilen kann.“

Gerade einmal Mitte 20 hat der Velburger Organist eine ellenlange Vita vorzuweisen, die vor Preisen und Auszeichnungen nur so strotzt. Mit dem international höchstrenommierten Johann-Pachelbel-Preis sowie dem Sonderpreis für die beste Leistung an historischen Orgeln (Antalffy-Preis) beim Interpretationswettbewerb der Internationalen Orgelwoche Nürnberg hat Sturm die Liste erneut verlängert.

„Ich möchte meine Musik mit möglichst vielen Menschen teilen.“

Martin Sturm

Starallüren sucht man bei ihm trotzdem vergeblich. Höflich, zuvorkommend und bereitwillig beantwortet er bei dem Interview auf dem Herz-Jesu-Berg die Fragen des Neumarkter Tagblatts. Dabei hat der Ausnahmemusiker mit dem Johann-Pachelbel-Preis, den er im ersten Anlauf gewann, in seinem Fach so gut wie alles erreicht. „Es gibt eigentlich weltweit nur noch zwei Wettbewerbe, die mich interessieren würden“, sagt er.

Neben Vater auf der Orgelbank

Konzert: 2014 führte er in Velburg mit seinem Würzburge Orchester eine Bach-Kantate auf. Foto: Schön
Konzert: 2014 führte er in Velburg mit seinem Würzburge Orchester eine Bach-Kantate auf. Foto: Schön

Der Grundstein für seine Karriere wurde Mitte der 1990er Jahre gelegt, als er als Knirps stolz darauf war, neben seinem Vater Wilhelm auf der Orgelbank sitzen zu dürfen. „Mein Vater ist seit 1973 Organist und ich war schon damals vom Klang und den schier unbegrenzt scheinenden Möglichkeiten der Orgel fasziniert.“ Als er vier Jahre alt war, gab ihm sein Vater Klavierunterricht und mit fünf oder sechs Jahren unternahm er die ersten Kompositionsversuche.

„Ich hatte schon damals eine sehr große Innenwelt und mein Ventil war die Musik“, erklärt Martin Sturm seine Motivation, sich täglich stundenlang mit Tönen und Noten zu beschäftigen. Gleichzeitig genoss er das Gefühl der Freiheit dabei. „Ich habe als Kind nie Druck verspürt, sondern nur großes Wohlwollen in meinem Umfeld.“ So konnte er an der Velburger Kirchenorgel jederzeit üben, ohne dass sich jemand daran gestört habe.

Nach dem Abitur und mit einem Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes in der Tasche studierte Martin Sturm Orgel und Kirchenmusik bei Professor Christoph Bossert an der Hochschule für Musik Würzburg und gewann in dieser Zeit zahlreiche internationale Wettbewerbe. „Wenn man als Organist auf internationaler Ebene agieren möchte, gehören Wettbewerbe einfach dazu.“

Hepp-Orgel: Martin Sturm und sein Vater entwarfen 2017 das Renovierungskonzept. Foto: Schön
Hepp-Orgel: Martin Sturm und sein Vater entwarfen 2017 das Renovierungskonzept. Foto: Schön

Gleichzeitig begann er eine intensive Konzerttätigkeit, die ihn regelmäßig zu internationalen Festivals wie das „Festival Organistico Internazionale Bergamo“, das „International Organ Festival St. Albans“ oder der „Internationalen Orgelwoche Nürnberg“ führte, wie ein Blick in seine Vita verrät. Er musizierte dabei in bedeutenden Kirchen und Kathedralen, großen europäischen Konzerthäuser sowie an berühmten historischen Orgeln.

Von Fachpresse und Publikum wird er gleichermaßen hochgeschätzt. „Er provoziert dazu, in einer neuen Weise über Musik oder gar über Kunst nachzudenken“ schrieb die Zeitung „L‘Eco di Bergamo“ und titelte „Sturm ist ein Phänomen“. Als Komponist schuf Sturm zudem ein vielfältiges Oeuvre und erhielt Kompositionsaufträge. Seit 2016 ist er Dirigent und künstlerischer Leiter des Bach-Kantaten-Clubs Würzburg.

Aber auch das Instrument selbst interessiert ihn sehr und so leitete er die Restaurierung der historischen Hepp-Orgel auf dem Herz-Jesu-Berg, schrieb Forschungsarbeiten und hält Vorträge auf internationalen Symposien wie im „Orgelpark Amsterdam“. Seit 2017 setzt Martin Sturm seine Studien in der Meisterklasse der Hochschule für Musik und Theater Leipzig fort.

„In den kommenden Monaten stehen aber nach dem Gewinn des Johann-Pachelbel-Preises eine Vielzahl von Konzerten und eine CD-Aufnahme auf meiner Terminliste“, sagt Martin Sturm.

Erfolg im ersten Anlauf

Er freue sich besonders, dass er nach zahlreichen Improvisations- nun auch diesen international höchstrenommierten Interpretationspreis gewinnen durfte. „Das war in großes Ziel von mir. Dass es gleich beim ersten Anlauf geklappt hat, freut mich besonders.“ Auf die Konzerte freue er sich ebenfalls sehr, denn: „Ich verspüre nach wie vor den Drang in mir, meine Musik mit möglichst vielen Menschen zu teilen.“

Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der großen Aufmerksamkeit, die er in der internationalen Fachwelt genießt, kehrt Martin Sturm auch ab zu gerne nach Velburg zurück. „Hier kann ich in der Natur abschalten und an dem Ort, an dem ich mich frei entwickeln konnte – dank der vielen Menschen, die es gut mit mir gemeint haben.“ Das und seine außergewöhnliche Begabung seien ein Riesenglück, denn: „Ich bin jetzt genau an dem Punkt in meinem Leben, an den ich mich immer gewünscht habe.“

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