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Mobilität

Verein feilt an der Zukunft des ÖPNV

Der Förderverein Pyreinander stellt den öffentlichen Busverkehr auf den Prüfstand. Erste Probleme sind bereits erkannt.
von Heike Regnet

  • Bad Birnbach (Niederbayern) ist der erste Ort Deutschlands, der auf einen autonomen Bus setzt – manche sehen das als Vorbild. Foto: Tobias Hase/dpa
  • Heinz Kiefer (l.) und Friedrich Riesch wollen neue Impulse geben. Foto: Regnet

Pyrbaum.Linien- und Schulbusverkehr, Rufbus und Sammeltaxi – der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist breit aufgestellt und doch gibt es Nachbesserungsbedarf– das finden zumindest Friedrich Riesch und Heinz Kiefer, Vorsitzende des Fördervereins Pyrbaum. Sie stellen zur Zeit die eingerichteten Linien in der Marktgemeinde Pyrbaum auf den Prüfstand.

Auslöser hierfür war die Jahresversammlung von Pyreinander, bei der vonseiten des Seniorenzentrums ein Problem auf den Tisch gebracht wurde: Es sei schwierig, geeignetes Pflegepersonal für die Einrichtung in Pyrbaum zu gewinnen. Einer der Gründe: Die unbefriedigende Erreichbarkeit der Marktgemeinde mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Fahrpläne sind zu kompliziert

„Und hier wollen wir ansetzen“, sagen Riesch und Kiefer. Ziel sei eine nachhaltige Verbesserung des Nahverkehrs, von der alle Pyrbaumer profitieren würden. Auch wenn viele Linien bereits bestünden, genügten die Angebote nicht. Vor allem für ältere Mitbürger sei das System zu kompliziert, zu unübersichtlich und zu teuer. „Hier sind neues Denken und innovative Ideen gefragt“, so Kiefer. Um Änderungen zu erreichen, brauche man politische und administrative Unterstützung ebenso wie massiven Druck aus der Gesellschaft.

Die MZ hat den Verkehr rund um Neumarkt in einer Themenwoche beleuchtet. Mehr dazu lesen Sie hier.

„Erfolgreiche Konzepte wie autonom fahrende Busse, die Ergänzung des ÖPNV durch flexible Bedienformen oder die Schaffung eines sogenannten Gemeinschaftsverkehrs wurden in anderen Regionen bereits erfolgreich umgesetzt,“ sagt Kiefer. Benötigt würden bedarfs- und zielgruppenorientierte Angebote. „Man muss den Nutzer fragen und aus seiner Sicht das Ganze beleuchten.“

Erster ÖPNV-Ansprechpartner im Landkreis ist Michael Endres, Leiter des Fachgebiets Wirtschaft, ÖPNV und Tourismus im Landratsamt. „In den letzten Jahren hat sich viel getan“, sagt er. Linien, die zu wenig ausgelastet und als „Geisterbusse“ unterwegs waren, seien eingestellt und durch Rufbusse ersetzt worden. Eine VGN-Befragung zählte werktäglich im Landkreis etwa 21 500 Fahrgäste – allerdings stammt diese Zahl schon aus dem Jahr 2012.

Mit Rufbussen in 17 Gemeinden und Anrufsammeltaxen in bislang zwei Gemeinden versuche man, zu den Linienbussen ein bedarfsgerechtes und nachfrageorientiertes Angebot zu schaffen, sagt Endres. Seit Einführung des Rufbusses sei die Fahrgastzahl von 25 000 im Jahr 2014 auf 39 000 im Jahr 2017 gestiegen. Ziel sei es, intelligente und digital vernetzte Mobilitätsketten zu schaffen und damit ein bedarfsgerechtes, flexibles und finanzierbares ÖPNV-Angebot.

„Ein Problem ist es allerdings, die bereits vorhandenen Angebote auch rüberzubringen“, sagt Endres. Zudem bereite das Lesen der Fahrpläne vielen Riesenprobleme: „Aber daran arbeiten wir.“ Dass sich der Verein Pyreinander nun in dem Thema engagiere, sieht Endres als Chance: „Jedes Gespräch gibt uns Rückkopplung und wir kommen weiter voran.“

2017 hat der Rufbus im Landkreis Neumarkt Rekordzahlen gemeldet.

Auch Kiefer und Riesch haben die Erfahrung gemacht: So manchem ist nicht bewusst, wie viele Linien bereits bestehen. „Wichtig ist es also auch, das Ganze entsprechend zu bewerben. Der ÖPNV muss unkomplizierter werden und vor allem kostengünstiger, um wirklich eine Alternative zum Auto zu sein“, sagt Riesch. „Das sind die Punkte, die wir beackern müssen.“ Es sei nicht beabsichtigt, fertige Konzepte vorzulegen, sondern Mitstreiter zu gewinnen und gemeinsam gute Lösungen zu finden.

Nun sollen Gespräche geführt werden, mit Bürgern, Vertretern der Politik, des ÖPNV und den Vereinen, um Meinungen zu sammeln und Defizite zu erkennen. Auch eine Unterschriftenaktion sei denkbar. „Unser Ziel ist es, die Situation für Pyrbaum nachhaltig zu verbessern“, so Riesch.

Pypolino wurde zum Rufbus

Bürgermeister Guido Belzl sagt, in den vergangenen Jahren sei die Gemeinde in Sachen ÖPNV nicht untätig gewesen. „Mit Unterstützung von Bernd Glas und dem Landkreis haben wir schon einiges getan.“ Belzl erinnert an den Pypolino. Der sei heute allerdings nurmehr als Rufbus im Einsatz, da die regelmäßige Linie zu wenig genutzt worden sei. Zudem seien Fahrpläne, von Glas ausgearbeitet, vereinfacht für die jeweiligen Ortsteile dargestellt. „Für Verbesserungsvorschläge sind wir in der Gemeinde natürlich jederzeit offen“, sagt Belzl.

Die Mittelbayerische hat den ÖPNV rund um Neumarkt näher beleuchtet.

Auch Bernd Glas von Arzt-Reisen weiß aus vielen Gesprächen, dass Fahrpläne für Nutzer oft schwer zu durchschauen sind. Der VGN sei gefordert, für Vereinfachung zu sorgen. „In anderen Ländern geht’s auch“, sagt Glas. Die Balten seien Vorreiter: „Da löst keiner eine falsche Fahrkarte, weil verschiedene Zonen ineinandergreifen. Die Abrechnung geht über eine App. Bei uns läuft jede Stadt für sich.“

Pyrbaum sei mit öffentlichen Linien gut ausgestattet. „Und Lösungen für Einzelfälle finden wir, wenn sie sich melden“, sagt Glas, der zuversichtlich in die Zukunft blickt: „Seit zwei Jahren merken wir, dass die Zeit reif ist für den ÖPNV. Die Jugend fährt mit und würde sicher auch eine entsprechende App nutzen. Das passt, die können damit umgehen.“

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