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Jahresbilanz

Verkehrsverbund VGN gelingt ein Hattrick

Zum dritten Mal in Folge stellte der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg bei der Zahl der Fahrgäste einen neuen Rekord auf.
Von Lothar Röhrl

Aus einem S-Bahn-Zug der Linie 3 quillt eine Menge Fahrgäste. Die Botschaft des VGN bei der Jahresbilanz für 2017 war: Je mehr Pendler von Nürnbergs Außenbereich ins Zentrum etwa die S-Bahn nutzen, desto besser wird in Nürnberg die Luft. Foto: Röhrl

Nürnberg.Pluszahlen in allen wichtigen Kategorien: Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) legte am Dienstag eine Jahresbilanz 2017, die eigentlich fast keine Wünsche offenließ. Geschäftsführer Jürgen Haasler verwies auf die Verkaufsstatistik. Demnach waren im vergangenen Jahr mit 246,7 Millionen Fahrten mit Bussen und Bahnen 1,4 Prozent mehr als im Jahr 2016 gezählt worden. Das ist der dritte neue Bestwert in Folge. Ein „Aber“ ergibt sich im Vergleich des Ballungsraums Nürnberg-Fürth-Erlangen mit den ländlichen geprägten Bereichen des Verbundraums. Dem Plus von 3,8 Prozent in Nürnberg steht ein Minus von 0,5 Prozent im Regionalverkehr gegenüber. Haasler führt das auf den Rückgang der Schülerzahlen „auf dem Land“ zurück.

Wichtig war Haasler bei der Präsentation aller Zahlen anlässlich der Jahrespressekonferenz der Vergleich mit allen anderen deutschen Verkehrsunternehmen. Das Plus von 1,4 Prozent des VGN liegt genau im Mittel dieser Unternehmen. Ein weiterer wichtiger Erfolgsgrad sind die 3,6 Prozent mehr Fahrgeldeinnahmen: das sind in der Summe 352,3 Millionen Euro.

Eine aussagekräftige Zahl über den Erfolg eines Verbundes ist der Deckungsgrad. Denn um diese 352,3 Millionen Euro an Einnahmen zu erzielen, mussten freilich 741 Millionen Euro aufgewendet werden. Damit beträgt der Deckungsgrad beim VGN 47 Prozent. Mit diesem liegt der Nürnberger Verbund im Durchschnitt.

Sehr zufrieden zeigte sich Jürgen Haasler mit dem Trend, dass sich immer mehr VGN-Kunden für ein Abonnement und damit eine längerfristige Bindung an den Öffentlichen Personennahverkehr entscheiden. Als Beispiel erwähnte der VGN-Geschäftsführer das FirmenAbo. Dessen Absatz erhöhte sich um 8,3 Prozent. Mittlerweile bieten 137 Unternehmen für rund 27 000 Mitarbeiter dieses Abo an. Inklusive der anderen Kategorien sind mittlerweile 102 000 Fahrgäste pro Jahr mit einem Abonnement des VGN unterwegs. Einen kleinen Schwenk widmete der VGN-Obere dem KombiTicket. Damit sind alle Eintrittskarten zu Sport- oder Kulturveranstaltungen beziehungsweise Messen gemeint, die gleichzeitig zur kostenlosen Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln am Veranstaltungstag berechtigen. Damit waren 2017 fast 2,8 Millionen Besucher unterwegs. Das sind gut acht Prozent mehr als im Jahr zuvor gewesen.

Weniger Schüler unterwegs

Haasler befasste sich auch mit dem Rückgang im Schülerverkehr und dem starken Anstieg des Semestertickets. Bei der Beförderung von Schülern ergab sich ein Rückgang um 2,76 Prozent. Das habe die Verkehrsunternehmen im ländlichen Raum getroffen. Denn das habe zu spürbaren Einbußen bei den Fahrgeldeinnahmen geführt.

Als „weiterhin deutlich im Aufwind“ sieht Jürgen Haasler das Semesterticket am Hochschulstandort Erlangen-Nürnberg. Zusätzlich zur Basiskarte, die jeder Student mit der Einschreibung erwerbe, werde die verbundweit gültige Zusatzkarte, die auf Wunsch hinzu erwerbbar ist, immer stärker gekauft. Im Wintersemester 2017/2018 sei eine Quote von 44,5 Prozent erreicht worden. Das waren drei Prozent mehr als genau zwölf Monate davor. Für das Sommersemester kündigte Haasler als neue Preise 72 Euro für die Basiskarte und 208,50 Euro für die Zusatzkarte an. Derzeit liefen die Gespräche mit dem Studentenwerk Erlangen-Nürnberg sowie Vertretern von Hochschulen und Studierenden über die Preise im Studienjahr 2019.

Wie immer bei dieser Gelegenheit ging es auch um die nächsten Vorhaben beim Ausbau der Infrastruktur. Da versprühte Haaslers Geschäftsführer-Kollege Andreas Mäder große Zuversicht. Denn: Nach Jahren der Unterfinanzierung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zeichne sich eine Zeitenwende an. Denn Mäder verwies auf den neuen Koalitionsvertrag. Dieser sieht erhöhte Aufwendungen für Investitionen etwa in Bahnhöfe und Züge vor. Die neuen Fahrzeuge stünden für eine Epoche eines saubereren ÖPNV. Parallel steigere der Freistaat Bayern seine Mittel für Neukäufe um 100 Millionen Euro.

Mehr Zugpendler, bessere Luft

Infrastruktur-Chef Mäder rückte eine Studie in den Mittelpunkt, die sich mit der These beschäftigte, dass die Luft in der Stadt Nürnberg besser werden könne, wenn mehr Pendler mit der Bahn statt mit dem eigenen Auto in die Metropole einpendeln würden.

Laut Mäder stünden jetzt die Vorzeichen für einen Ausbau des S-Bahn-Netzes auch westlich von Nürnberg besser. Der vorgesehene dreigleisige Ausbau zwischen Fürth und Siegelsdorf ermögliche eine S-Bahn zwischen Nürnberg und Neustadt an der Aisch. Eine Hängepartie bleibe der Ausbau der S-Bahn zwischen Fürth und Erlangen.

Sicher sei, dass in den kommenden Jahren alle Bahnsteige der Stationen der heutigen S-Bahn-Linie 2 Roth-Nürnberg-Feucht-Altdorf von jetzt noch 96 auf 76 Zentimeter Höhe umgebaut werden. Nach dem Umbau kämen dort die mittlerweile bewährten Elektro-Triebzüge der Baureihe 442 („Talent“) zum Einsatz. Diese weichen unter anderem auf der S-Bahn-Linie 3 Nürnberg-Neumarkt ab Mitte 2020 den neu bestellten Triebzügen der Baureihe ET 440.4. Die im Jargon „Eierköpfe“ genannten Triebzüge haben mehr Sitzplätze und deutlich mehr Barrierefreiheit als die Baureihe 442.

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