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Recht

Verrücktes rund um den Ausweis

Deutsche Gerichte haben geklärt, wann ein Doktor-Titel okay ist und welche Ausweisbilder gar nicht gehen.
Von Rechtsanwalt Geedo Paprotta

Mit der richtigen Art der Bilder und den korrekten Doktor-Namenstiteln in den Ausweisen haben sich deutsche Gerichte beschäftigt. Foto: Marius Becker/dpa
Mit der richtigen Art der Bilder und den korrekten Doktor-Namenstiteln in den Ausweisen haben sich deutsche Gerichte beschäftigt. Foto: Marius Becker/dpa

Neumarkt.Früher sagte man das zu jungen Frauen: Wenn sie bis 30 keinen Doktor hätten, müssten sie ihn selber machen. Heutzutage sind den männlichen Sprücheklopfern derartige Weisheiten längst ausgegangen. Der Anteil weiblicher Akademikerinnen mit Titel wird bald den der Männer übersteigen. Dieser Trend wird umso deutlicher, als immer wieder Berichte über männliche Doktoren kursieren, denen das ehrbare Namensattribut aberkannt wurde.

So ging es auch einem Mann aus Ratingen. Den traf es gleich dreifach hart. Er hatte seinen Doktortitel bei der Freien Universität Teufen im schweizerischen Kanton Appenzell-Außerrhoden ergattert, doch die Bundesrepublik Deutschland hielt das scheinbar für einen Scherz. Jedenfalls wurde ihm der Doktor nicht anerkannt. Als wäre das nicht saupeinlich genug, kam auch noch die Stadt Ratingen auf ihn zu und wollte seinen Personalausweis einkassieren. Der Entdoktorte (googeln sie gar nicht erst, das Wort habe ich erfunden) zog vor das Verwaltungsgericht Düsseldorf. Doch die Verwaltungsrichter waren vermutlich richtige Doktoren und gaben der Stadt Ratingen recht. Nur ein echter Titel gehört zum Namen und was nicht zum Namen gehört, gehört nicht in den Ausweis (Az. 24 K 3930/08).

Apropos Ausweis und Doktor: Da hatte doch ein Mann vor dem Verwaltungsgericht Arnsberg geklagt, weil die Stadt Arnsberg ihm ebenfalls seinen „Perso“ zwicken wollte. Der Mann hatte gar keinen Doktor. Aber die Richter fragten sicher, ob er vielleicht einen braucht? Er hatte nämlich sein Passfoto mit gebleckter Zunge gemacht. Aber der Mann argumentierte dann doch verblüffend vernünftig! Mit seinem Zungenbleck-Perso habe er selbst die Personenkontrolle beim Papst-Besuch erfolgreich passiert. Er sei mit ausgestreckter Zunge einwandfrei identifizierbar!

Na ja, Sie wissen ja, wie so verrückte Geschichten in der Regel ausgehen: Freilich, es gab einen Vergleich! Der Mann durfte den Ausweis noch eine Weile weiter verwenden. Er versprach aber, bald einen neuen zu beantragen. Mit Zunge drinnen (Az. 12 K 629/05).

Wo wir gerade den Papst erwähnt hatten, da fällt mir die Kirche des fliegenden Spaghettimonsters ein. Nein, auch ich brauche keinen Doktor – die gab es wirklich! Und das „Oberhaupt“ dieser Kirche, quasi deren Papst, wollte „aus religiösen Gründen“ ein Foto mit Kopftuch im Ausweis. Das Verwaltungsgericht Potsdam merkte sofort, dass da ein Witzbold versuchte, sie zu foppen. Dennoch verkündeten sie mit todernster Miene: Die Stadt Templin habe dem Vorsitzenden der „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V.“ zu Recht versagt, auf dem Ausweisfoto die für „Pastafari“ (angeblich) typische Kopfbedeckung zu tragen.

Denn gemäß § 7 Personalausweisverordnung muss das Lichtbild die Person ohne Kopfbedeckung zeigen. Zwar könne die Behörde Ausnahmen aus religiösen Gründen zulassen. Die Spaghettimonsterkirche aber sei beim besten Willen keine Religion (Az. VG 8 K 4253/13).

Ich vermute, nach der Urteilsverkündung gingen die Richter in ihr Besprechungszimmer und warfen sich weg vor Lachen. Hoffentlich sind keine Fotos davon in ihren Ausweisen gelandet.

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