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Konzert

Viel „Ich“ ohne jede Spur von Narzissmus

Michael Fitz gastierte wieder einmal im Freystädter Spitalstadl. Im ausverkauften Saal sang er über seine Lebenserfahrungen.
Von Lothar Röhrl

Michael Fitz zeigte mit seinen fünf Gitarren, wie technisch weit fortgeschritten er mittlerweile ist. Foto: Röhrl
Michael Fitz zeigte mit seinen fünf Gitarren, wie technisch weit fortgeschritten er mittlerweile ist. Foto: Röhrl

Freystadt.Ein alter Bekannter hat am Samstag im Spitalstadl ein Konzert gegeben: Michael Fitz. Ein bisschen über 59 ist der Liedermacher jetzt. So im Abstand von drei, fünf Jahren hat er in Freystadt gespielt. Erstmals war er in die nähere Umgebung („Posthorn“ in Eckersmühlen) gekommen, als er noch den „Carlo Menzinger“ im München-Tatort gegeben hatte.

Den Schatten dieser Rolle hat er noch nicht ablegen können. So entschuldigte er sich gleich am Anfang dafür, dass er nicht mehr langmähnig im Carlo Menzinger-Styling sei wie auf dem Plakat, das für diesen Auftritt warb. Ungeachtet dieser Entschuldigung: Seinen „Bruadr“ – wie Fitz im Zugabenteil über die Filmfigur im lustigsten Lied des Abends sang – ist er als Musiker ohnehin schon sehr gut losgeworden. Das wissen schon lange all jene, die seine Qualitäten mögen und auch die eine Schwäche milde beurteilen. Denn: Für einen immer noch vielfach im Jahreslauf vor der Kamera stehenden Schauspieler kam einiges von den Texten in bestimmten Ecken des Spitalstadls ziemlich „vernuschelt“ an. Wer wollte, konnte das auf die Texte schieben, die in einer Art hoch-oberbayerischer Dialekt gehalten sind.

Steigerung an der Gitarre

Vor vollem Haus spielte Michael Fitz in Freystadt. Foto: Röhrl
Vor vollem Haus spielte Michael Fitz in Freystadt. Foto: Röhrl

Doch das ist eine Kleinigkeit gegenüber den Qualitäten, die Fitz von Grund auf hat. Sein Gitarrenspiel war schon zu „Carlo“-Zeiten sehr annehmbar; jetzt ist Fitz ein versierter Könner. Die von ihm oft eingesetzten schnellen Passagen klingen sauber.

Der unterschiedliche Klang der von ihm genutzten fünf Gitarren wird dramaturgisch eingesetzt, wenn er über sein Leben singt. Und das tut er meistens in diesem Programm. Denn es nennt sich nicht umsonst „Des bin i“. Viel „Ich“ bestimmt die Inhalte. Das gerät keineswegs zum Egois- oder dessen schlimmer Steigerung, dem in heutiger Zeit immer häufiger anzutreffendem Narzissmus. Denn Fitz behandelt einiges an Themen, die seine männlichen und weiblichen Zuhörer im bis auf den letzten Platz ausverkauften „Spitalstadl“ auch aus ihrem Leben kennen dürften. Leider ist bei so viel „Ich“ mittlerweile konzeptionell aber über den Hades gegangen, dass Fitz früher gerne mit dem Publikum ins Plaudern gekommen war.

In einem ist er sich auch nach 34 Jahren mit 14 Alben als Musiker treu geblieben: Einen echten „Hit“ oder zumindest eine hit-verdächtige Nummer hat er auch auf „Des bin i“ nicht aufgenommen. Warum eigentlich nie? Diese Tagblatt-Frage beantwortete Fitz mit einem Hinweis auf viel bekanntere und erfolgreichere Liedermacher, für die ein „Hit“ durchaus Gefängnis sein könnte. So vermutete er, dass ein Rainhard Fendrich halt nicht mehr unbedingt so begeistert davon ist, dass sein „Es lebe der Sport“ viele ihm wichtigere Lieder überstrahle.

Hohe Authentizität als Trumpf

Und so erlebte und hörte das Freystädter Publikum einen sehr authentisch gebliebenen Michael Fitz. Einen Liederschreiber, der nicht des Erfolges wegen seine mitunter melancholische Betrachtung der Dinge und seiner eigenen Entwicklung über den Haufen wirft. Wie gut er damit vielen im Spitalstadl an diesem vergangenen Samstagabend aus dem Herzen und vor allem aus der Seele sprach, zeigte der lange Schlussapplaus.

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