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Rückblick

Von Lametta und Kugeln aus Glas

Früher war bekanntlich alles besser. Weihnachten auch? Christa Külbel und Elfriede Weitzer aus Neumarkt erinnern sich an ihre Kindheit.
Von Tom Müller

  • Der Krieg war vorbei. Anfang der 50er-Jahre feiert Christa Külbel (M.) Weihnachten im Kreis ihrer Familie. Am meisten genoss sie in dieser Zeit aber den Schnee. Repro (2)/Foto: Müller
  • Weihnachten 1926 in Hermannsreuth: Elfriede Weitzer bestaunt in den Armen ihrer Mutter den Christbaum. Schon damals hing Lametta in den Zweigen. Und es brannten echte Kerzen.
  • Die Zeit vergeht, die Erinnerungen bleiben – Christa Külbel denkt gern an Weihnachten ihrer Kinderzeit zurück. Viele schöne Erinnerungen hat sie in ihrem Fotoalben aufbewahrt.

Neumarkt.Es gab mal eine Zeit, da lag an Weihnachten noch Schnee. „Den hatten wir eigentlich immer“, sagt Christa Külbel und strahlt dabei übers ganze Gesicht. „Und so ein Schneespaziergang in den Wald, das war für mich das Schönste an Weihnachten“. Es war die Zeit, in der Advent und Weihnachten noch kein Doppelleben führten wie heute. Beides war äußerlich und innerlich noch unterscheidbar. „Weihnachten hat damals am 24. Dezember angefangen“, erinnert sich Elfriede Weitzer. „Nicht so wie heute, wenn schon im September die Weihnachtsartikel und Lebkuchen in den Geschäften stehen.“

Damals. Das war für beide Damen, die heute im BRK Seniorenwohn- und Pflegeheim in der Friedensstraße leben, die Zeit Ende der 20er- bis in die frühen 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Es sei eine schöne Zeit gewesen, bestätigen beide. Und doch war manches anders als heute.

Äpfel und Nüsse vom Nikolaus

Einem Nikolaus waren sie in ihrer Kindheit nie von Angesicht zu Angesicht gegenüber gestanden. „Der durfte nur bis in den Korridor kommen“, erzählt Elfriede Weitzer flüsternd. „Vater und ich saßen in der Küche und hatten Angst vor ihm.“ Ähnlich lief der himmlische Besuch bei Christa Külbel ab. „Am Abend vorher stellten wir die Schuhe raus“, erzählt sie. „Dann hat es mächtig gepoltert, ab und zu kullerten dann Äpfel und Nüsse in den Hausgang und dann war der Spuk auch wieder vorbei.“ Sie lacht. „Die Spannung war aber enorm.“

Die Spannung sollte bis Weihnachten anhalten. Elfriede Weitzers Vater war Dorfschullehrer in Hermannsreuth. Die Familie wohnte auch im Lehrerhaus. Vater spielte Klavier und Geige. „Ein Radio gab es damals noch nicht“, sagt die 87-Jährige rückblickend. „Wir haben in der Schule noch sehr viele Weihnachtslieder gelernt und gesungen“. Viel gesungen wurde bei Christa Külbel in Sachsen eher nicht. „Aber Gedichte haben wir damals gelernt.“ Wie auf Kommando rezitieren die beiden das Gedicht von Theodor Storm „Von drauß’ vom Walde komm ich her“. Viel sei da noch aus dieser Zeit hängen geblieben, sagen sie.

Heute denkt man gemeinhin, dass man damals seinen Weihnachtsbaum selbst schlagen musste. Weit gefehlt. „Den Baum gab es beim Förster zu kaufen“, sagt Christa Külbel. „Da hing irgendwo ein Zettel, auf dem stand, wann es die Bäume gab.“ Der Baum kam dann auf den Schlitten und wurde nach Hause gezogen. „Aufgestellt wurde er frühestens am Tag vor Heiligabend“, erinnert sich Christa Külbel. Echte Kerzen zierten den Baum. Nicht fehlen durfte außerdem Lametta. Und an Kugeln aus Glas konnten sich beide Damen erinnern. „Einige aus dieser Zeit hab ich bis heute gerettet“, erzählt Elfriede Weitzer. Sie hängen heute an den Christbäumen ihrer Enkel.

Gebacken wurde damals ähnlich viel wie heute. „Ich mochte besonders die Butterplätzchen“, sagt Elfriede Weitzer. Sie durfte diese aus dem Teig mit kleinen Blechformen ausstechen. Auch Christa Külbel weiß zu berichten, dass es bei ihrer Mutter viele Sorten gab. Mitbacken durfte sie aber eher nicht. „Ich war aber ganz nah dran“, verrät sie verschmitzt und erinnert sich, dass es immer mal ein Plätzchen gab, das plötzlich verschwunden war. „Stollen gab es bei uns damals nicht“, erzählt sie. „Stattdessen wurden Christbrot und Striezel gebacken“.

Das Weihnachtsessen ging schon damals der Bescherung voraus. Würstel mit Kartoffelsalat, ein in vielen Familien bis heute traditionelles Weihnachtsessen, kamen bei Christa Külbel stets an Heiligabend auf den Tisch, während sich Elfriede Weitzer an eine leckere Gans erinnern kann.

Puppe war schönstes Geschenk

Und dann kam die Bescherung. „Das Glöckchen wurde geläutet, erst dann durfte ich in den Raum“, berichtet Elfriede Weitzer. „Ich hatte mir vorher schon die Augen am Schlüsselloch ausgeguckt“, sagt sie. „Aber da war fast nichts zu erkennen“. Weihnachtsgeschenke gab es früher natürlich nicht so viele wie heute. „Mein schönstes Geschenk war eine Puppe mit einem Porzellankopf und Haar, das man kämmen konnte“, erinnert sich Christa Külbel und bekommt feuchte Augen. „Als wir im Krieg fliehen mussten, musste ich diese Puppe zurück lassen“. Der Verlust schmerzt bis heute.

Weihnachten ohne Kirchenbesuch, das war früher undenkbar. Um Mitternacht ging Elfriede Weitzer stets mit ihrer Familie „und den Großeltern, die vorher mit dem Zug gekommen waren“ nach Waldsassen in die Mette. In die Kirche ging auch die Familie von Christa Külbel, allerdings immer erst am ersten Feiertag.

Wenn beide Damen das Weihnachten von damals mit dem von heute vergleichen, werden sie nachdenklich. „Heute wird solch ein Überfluss mit Weihnachten getrieben“, sagt Christa Külbel. „Das stört mich schon etwas. Der eigentliche Charakter des Festes geht dann verloren.“ Elfriede Weitzer nickt. „Es ist heute sicher auch schön“, ergänzt sie. „Aber damals waren es vor allem die stillen und bescheidenen Momente, die Weihnachten zu etwas ganz Besonderem gemacht haben.“

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