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Innenstadt

Wann am Neumarkter Rathaus gebaut wird

Die Umgestaltung der Marktstraße in Neumarkt wollen viele. Nur das Wie ist strittig. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf.
von Wolfgang Endlein

Die Fußgängerzone rund um das Rathaus ist das erste große Ziel bei der Umgestaltung der Marktstraße. Foto: Endlein
Die Fußgängerzone rund um das Rathaus ist das erste große Ziel bei der Umgestaltung der Marktstraße. Foto: Endlein

Neumarkt.Erinnern Sie sich noch an Levin Monsigny? Bevor Sie jetzt möglicherweise Ihr Gehirn nach französischen Philosophen durchforsten oder sich an jenen Badeort aus dem vergangenen Frankreich-Urlaub zu erinnern versuchen, der Name hat mit alldem nichts zu tun. Der ein oder andere wird sich vielleicht an das Berliner Architektenbüro erinnern, das 2014 Sieger des Wettbewerbs zur Neugestaltung der Innenstadt wurde und dessen Pläne der Stadtrat 2015 nach großen Diskussionen in der Stadt um Bäume und Parkplätze in der Schublade verschwinden ließ.

Drei Jahre sind seither vergangenen. Einiges ist in der Marktstraße dennoch geschehen, wie die neuen Sitzgarnituren oder das Beleuchtungskonzept für das Münster. Der große Wurf steht aber noch aus. Im Februar hat der Stadtrat hierfür einen weiteren Anlauf gestartet. In Eigenregie will die Stadt zunächst die Fußgängerzone rund um das Rathaus umgestalten (wir berichteten). Doch die zentralen Fragen bleiben: Wann geht es los und wann wird man fertig sein?

Sind die Erwartungen zu hoch?

Es wird nicht so schnell gehen, wie es mancher erwartet. Stadtbaumeister Matthias Seemann bremst die seiner Meinung nach teils zu hohe Erwartungshaltung an den zeitlichen Horizont des Projekts ein. Den Plan, bis Ende 2018 mit den Planungen fertig zu sein, nennt Seemann ein „hehres Ziel“.

Neumarkts Stadtbaumeister Matthias Seemann Foto: Schlittenbauer
Neumarkts Stadtbaumeister Matthias Seemann Foto: Schlittenbauer

Denn an der Ausarbeitung der Pläne sind neben der Verwaltung in einem eigens dafür gegründeten Gremium auch die Stadtpolitik, die Wirtschaft und andere Interessensvertreter beteiligt. Dieses soll demnächst erstmals tagen. Zudem sollen, wie schon 2013, die Bürger beteiligt werden, wenn auch laut Seemann noch nicht genau feststeht, in welcher Form.

Über die Entscheidung des Neumarkter Stadtrats im Herbst 2015, den Siegerentwurf des Gestaltungswettbewerbs nicht weiter zu verfolgen, berichtete dieser MZ-Artikel.

Im Lichte so manches Meinungsbildungsprozesses bei früheren Projekten in Neumarkt ist der Stadtbaumeister „extrem vorsichtig“, wie er es ausdrückt, in Bezug auf den tatsächlichen Fortgang des Projekts. „Wir dürfen uns nicht wieder in den üblichen politischen Diskussionen verlieren“, sagt Seemann.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier.

Geplant ist nach Abschluss der Planungsphase in diesem Jahr, 2019 in den Untergrund rund ums Rathaus zu gehen und die nötigen Arbeiten an Strom- und Wasserleitungen zu machen. Erst im Jahr darauf könnte dann auch das, was für die breite Öffentlichkeit ins Auge sticht, nämlich die oberirdische Gestaltung, angegangen werden. Das Bauamt hat dazu bereits Vorschläge erarbeitet. Vor allem soll das teils kaputte Pflaster ausgetauscht werden, die Barrierefreiheit erhöht werden und die teils erlaubt, teils unerlaubt immer noch stark vom motorisierten Verkehr befahrene Fußgängerzone deutlich stärker ihrem eigentlichen Zweck zugeführt werden.

„Wir werden eine große kommunikative Leistung erbringen müssen.“

Stadtbaumeister Matthias Seemann

Was einfach klingt, wird angesichts der vielen Ansprüche an den Raum rund ums Rathaus durch Veranstaltungen und durch die Händler zu einer planerisch und zeitlich sehr aufwendigen Sache. „Wir werden eine große kommunikative Leistung erbringen müssen“, sagt Seemann.

Christian Eisner ist der Geschäftsführer von „Aktives Neumarkt“. Foto: Endlein
Christian Eisner ist der Geschäftsführer von „Aktives Neumarkt“. Foto: Endlein

Es werden also mindestens zwei weitere Jahre ins Land gehen – was mancher aber als nicht dramatisch erachtet. Beispielsweise Josef Kellermann, Bezirksgeschäftsführer Oberpfalz des Handelsverbands Bayern, der sagt: „In Neumarkt wird auf hohem Niveau geklagt“. Christian Eisner von „Aktives Neumarkt“ schlägt in die gleiche Kerbe: „Neumarkts Innenstadt steht nicht schlecht da“. Kellermann und Eisner sind überzeugt: Aus der aktuellen Stärke heraus sollte Neumarkt lieber in Ruhe etwas gut durchdachtes tun, als etwas übers Knie zu brechen.

Die Krux mit den Parkplätzen

Dass die Marktstraße aktuell gut dasteht, daran hat Kellermann nämlich keinen Zweifel. Auch weil es dem Handel gut gehe. Denn Untersuchungen bewiesen, dass der Einkauf nach wie vor der wichtigste Anlass für den Innenstadtbesuch sei, sagt Kellermann. Der Handel bringe Leben in die Stadt.

Dazu trage auch bei, dass der „Neue Markt“ den Handel in der Marktstraße nicht schwer beeinträchtigt habe, sagt Kellermann. Das gilt im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen auch in Bezug auf den Online-Handel. Neumarkt habe hier einige Standortfaktoren wie etwa eine große Zentralität für das Umland, eine hohe Kaufkraft, einen guten Branchenmix und ein eifriges Stadtmarketing, die zusammen eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen den Online-Handel begünstigten.

Erreichbarkeit versus Aufenthaltsqualität

„Aber wir können uns nicht darauf verlassen, dass es so bleibt“, sagt Eisner, der deshalb bei aller Mahnung zur Ruhe auch nicht die Notwendigkeit für Veränderungen aus dem Blick verliert.

Wie diese Veränderungen ausfallen, wird interessant zu beobachten sein. Nicht zuletzt das Thema Parkplätze prägte die Diskussionen in der Vergangenheit. Gerade aus Händlersicht sei es ein widersprüchliches Thema, sagt Kellermann. Einerseits sei die Erreichbarkeit für Kunden enorm wichtig in Zeiten des Online-Einkaufs. Anderseits ziehe es die Menschen in die Stadt, wenn sie sich dort wohlfühlten. „Die richtige Balance zu finden, ist schwierig“, sagt Kellermann. Es könnte die Überschrift für die gesamten anstehenden Beratungen in Neumarkt sein.

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