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Kolumne

Was man wirklich trinkt

Auch die Bezeichnung und Zutatenangaben von Getränken beschäftigten ab und an in Deutschland die Gerichte.
Von Rechtsanwalt Geedo Paprotta

Milch ist nicht gleich Milch. Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Milch ist nicht gleich Milch. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Neumarkt.Wenn man reinschauen könnte! Das gilt eigentlich für alle Fragen des Lebens, oder? Für Menschen natürlich im Besonderen. Aber auch für Themen der Politik oder der Naturwissenschaften. Wie Goethe das im Faust schon ausgesprochen hat: Erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält, das wäre bisweilen hilfreich. Andererseits … wollen wir immer wirklich alles wissen? Was andere denken? Wie kompliziert die Zusammenhänge in Wahrheit sind? Ein Jurist würde Ihnen darauf antworten: „Kommt drauf an“.

Das sagen Juristen immer, wenn uns nichts Schlaueres einfällt. Bei mir kommt es zum Beispiel bei Nahrungsmitteln drauf an und ich scheine da nicht allein zu sein. Vor dem OLG Nürnberg wurde die Frage diskutiert, was denn bitteschön „Weidemilch“ im Innersten zusammen hält? Ich, als laienhafter Verbraucher, würde sagen: Das ist Milch, die aus einer Kuh herauskommt, die frisches Gras und Kräuter und solche Sachen auf einer Wiese gefuttert hat?

Was ist eigentlich „Weidemilch“?

Deshalb gab es auch Streit darüber, weil eine Molkerei Milch von Kühen als „Weidemilch“ verkaufte, die nur gelegentlich mal aus dem Stall raus durften. Ist das irreführend? Die Richter am OLG taten etwas, was Juristen auch bisweilen gern machen: Sie schauten genau hin. Auf die Milchverpackung. Dort stand klein gedruckt: „100 % Weidemilch. Unsere Weidemilch stammt von Kühen, die mindestens 120 Tage im Jahr und davon mindestens sechs Stunden am Tag auf der Weide stehen.“ Bisschen wenig! Aber irreführend ist es nicht. Es gibt nämlich keine gesetzlichen Vorgaben, ab wann man von Weidemilch sprechen darf. (Az. 3 U 1537/16).

Übertreiben darf man es natürlich auch nicht. Da gab es zum Beispiel einen „Fruchtsaft“ der sich konkret als „Rhabarbergetränk“ anbiederte. Und, was meinen Sie, so als Verbraucher – wie viel Rhabarber sollte da wohl drin sein? Das Landgericht Amberg jedenfalls fand, 0,1% ist wirklich zu wenig und urteilte, hier würde der Verbraucher getäuscht.

Sie und ich würden vermutlich nicht „getäuscht“ sagen, sondern „verar…“! (Az. 41 HKO 497/16). Nicht ganz so dreist, aber doch bedenklich verhält es sich mit Bio-Sojamilch. Viele Leute trinken so etwas ja, weil sie die Sache mit der Kuhmilch irgendwie unheimlich finden, was man nach dem oben zitierten „Weidemilch“-Urteil durchaus verstehen kann.

Algenkalk im Sojadrink

Dummerweise ist reine Sojamilch aber etwas ganz anderes, als das, was man von „Milch“ gewohnt ist: Das Zeug hat zum Beispiel viel weniger Calcium. Damit der Sojadrink dem Kunden deshalb nicht sauer aufstößt, hat ein Bio-Sojamilch-Hersteller gemahlenes Lithothamnium zugefügt. Wie bitte?

Es handelt sich dabei um das Kalkgerüst der Seealge Lithothamnion, das nach deren Absterben zurückbleibt und einen hohen Anteil an Calciumcarbonat aufweist. Lecker. Die Richter am Oberverwaltungsgericht NRW fanden jedenfalls, mit dem EU-Bio-Siegel sei das nicht vereinbar (13 A 592/07). Schade, das nicht mal herausgefunden wird, dass irgendwo viel mehr Gutes drinsteckt, als man erwartet hatte …

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