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Neumarkt

Wasser wird vorerst nicht enthärtet

Der Werksenat lehnte den Antrag eines Neumarkter Bürgers ab. Der Stadtwerke-Leiter warnte vor falscher Panik.
von Bettina Dennerlohr

Das Neumarkter Trinkwasser hat einen Härtegrad von 15,5 und liegt damit im unteren Bereich dessen, was als hartes Wasser eingestuft wird. Foto: Roland Weihrauch/dpa
Das Neumarkter Trinkwasser hat einen Härtegrad von 15,5 und liegt damit im unteren Bereich dessen, was als hartes Wasser eingestuft wird. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Neumarkt.Der Werksenat hat sich am Montagabend zu seiner wohl letzten Sitzung getroffen, bevor die Stadtwerke umstrukturiert werden. Zentrales Thema war einmal mehr das Neumarkter Trinkwasser, genauer dessen Kalkgehalt. Behandelt wurde der Bürgerantrag des Neumarkters Anton Stadler. Er hatte angeregt, die Stadtwerke sollten erneut prüfen, ob eine zentrale Anlage zur Wasserenthärtung für Neumarkt infrage kommt.

Der Leiter der Stadtwerke, Dominique Kinzkofer, verwies auf ein Gutachten des Technologie-Zentrums Wasser (TZW) aus Karlsruhe. Es hatte ergeben, dass eine Wasserenthärtung in Neumarkt nicht nötig sei. Laut Kinzkofer empfiehlt der Branchenverband DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches), eine Enthärtung ab 19,6 Grad Deutscher Härte zu prüfen. Neumarkt befinde sich aktuell allerdings bei 15,5 Grad, der Durchschnitt des Landkreises Neumarkt bei 16 Grad. Es gebe keine technischen, rechtlichen oder wasserchemischen Gründe für eine Enthärtung in Neumarkt, sagte Kinzkofer weiter. Werde beispielsweise aus Komfortgründen eine Enthärtung gewünscht, so sei das eine politische Entscheidung.

Das ist das TZW:

Das Technologiezentrum Wasser

  • Institution:

    Das Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe ist eine Einrichtung des Vereins DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches). Dieser ist der Branchenverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft mit Sitz in Bonn. Der Verein befasst sich in Selbstverwaltung mit technisch-wissenschaftlichen Aufgaben der Brenngas- und Wasserversorgung. Wie der DVGW gibt auch die TZW an, unabhängig und gemeinnützig zu sein.

  • Leistungen:

    Laut TZW arbeiten mehr als 150 Mitarbeiter in der anwendungsnahen Forschung und der wissenschaftlichen Beratung. Dabei kooperiert man mit Wasserversorgern, Unternehmen, Fachbehörden und Hochschulen.

  • Arbeitsbereiche:

    Das TZW entwickelt nach eigenen Angaben auf der Basis seiner Forschungsaktivitäten und Praxiserfahrungen Lösungen und Konzepte für alle Bereiche der nationalen und internationalen Wasserbranche vom Ressourcenschutz über die Gewinnung und Aufbereitung bis hin zur Entnahmearmatur. Die Arbeitsgebiete des TZW umfassen den gesamten Wasserkreislauf und insbesondere die Trinkwasserversorgung.

Kinzkofer verwies unter anderem auf die Kosten. Die Stadtwerke gehen davon aus, dass ein Paar mit einer zentralen Enthärtung 30 Euro pro Jahr mehr an Wassergebühren zahlen müsste, eine vierköpfige Familie 60 Euro. „Das hört sich nicht hoch an und sicher wären viele bereit, das zu bezahlen“, so Kinzkofer. Allerdings würden auch täglich Kunden bei den Stadtwerken aufschlagen, die schon jetzt ihre Rechnung nicht bezahlen könnten – für diese Menschen bedeuteten höhere Abwassergebühren eine hohe Belastung.

Im November hatte der Werksenat bereits über eine Entkalkung abgestimmt.

Auf Nachfrage von Robert Renker (CSU) sagte Kinzkofer, das Trinkwasser zu enthärten bedeute auch, ihm für Menschen wichtige Nährstoffe zu entziehen. Außerdem müsse enthärtetes Wasser nochmals behandelt werden, damit es keine stärkere Korrosion verursache. Pedra Wittmann (UPW) regte an, vor einem weiteren Gutachten zunächst einen Erfahrungsbericht einzuholen. Ein Stadtwerkedirektor eines Gebiets, das bereits auf eine zentrale Enthärtung setzt, sei dafür ein Kandidat, sagte Wittmann. Karl-Heinz Brandenburger (SPD) wollte wissen, warum Stadler in seinem Bürgerantrag Messungen anführt, die für das Neumarkter Wasser einen Härtegrad von 18 ergeben. Kinzkofer sagte, er könne sich das nur durch zwei Gründe erklären: Entweder handle es sich um Messfehler oder das Wasser sei eher zum Fuchsberg hin gemessen worden. Aus dieser Quelle stammt nur einen einstelliger Prozentsatz des Neumarkter Trinkwassers – das allerdings hat bereits seit Jahrzehnten einen Härtegrad von 18,39.

Am Ende der Diskussion lehnte die Mehrheit der Werksenats-Mitglieder den Antrag ab. Eines war Kinzkofer aber wichtig: Die Frage von Kalkgehalt und Wasserhärte sei keine der Wasserqualität. Das Neumarkter Wasser sei sauber, unbelastet und ein einwandfreies Lebensmittel. In der Vergangenheit hätten sich bereits Bürger an die Stadtwerke gewandt, die sich nicht mehr getraut hätten, Leitungswasser zu trinken oder darin zu baden. „Dazu gibt es absolut keinen Grund. Das wird durch das Gutachten eindeutig belegt“, sagte Kinzkofer.

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